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Informierten über die Corona-Lage in Ostholstein: Christian Masuhr (v.l.), Saban Omer Oglou, Reinhard Sager, Gabriele Hebel, Justiziar Steffen Düsterloh und Kreispressesprecherin Carina Leonhardt.

Corona: Lokale Ausbruchsgeschehen werden lokal behandelt / Lagebeurteilung stündlich

Kreis hält Lage für beherrschbar

Eutin – Von Manuel Büchner Zu einer Pressekonferenz über die aktuelle Lage in der Corona-Pandemie hatte der Kreis Ostholstein am Freitag ins Kreishaus eingeladen. Landrat Reinhard Sager (CDU) sprach von einem „außerordentlich dynamischen Infektionsgeschehen“. Obwohl sich seit Ausbruch der Pandemie bisher erst etwas mehr als 0,1 Prozent der Ostholsteiner mit SARS-CoV-2 infiziert hätten, so Sager, bleibe das Virus ohne Impfschutz „hochgefährlich“. Er brachte klar zum Ausdruck, dass die AHA-L-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, Lüften) unverzichtbar seien. „Das ist zumutbar und richtig.“ Eine Eindämmung der Pandemie sei ohne Eigenverantwortung der Menschen nicht machbar.

  • Kreis reagierte mit Allgemeinverfügung in Timmendorfer Strand
  • Keine Verbreitung im Kreisgebiet
  • Sehr unterdurchschnittliche Zahlen

Am Donnerstag hatte der Kreis die Inzidenz-Marke (Fälle auf 100000 Einwohner in den letzten sieben Tagen) von 35 um 0,4 überschritten. Der Kreis hatte reagiert und per Allgemeinverfügung Einschränkungen für Teile der Gemeinde Timmendorfer Strand verhängt, da die Überschreitung des Wertes auf das Ausbruchsgeschehen unter Mitarbeitern im dortigen Hotel „Seeschlösschen“ zurückzuführen ist.

„Das Geschehen ist eingrenzbar“

Die Entscheidung begründete Christian Masuhr, Leiter des Infektionsschutzes: „Das Geschehen ist eingrenzbar. Es gibt keine Verbreitung ins Kreisgebiet.“ Es gehe zudem immer um den geringstmöglichen Eingriff – räumlich und inhaltlich“, kommentierte die Fachbereichsleiterin Sicherheit und Gesundheit,

Gabriele Hebe

l. Das habe auch rechtliche Gründe, schließlich greife man in Grundrechte ein, gab Hebel zu bedenken.

Gibt es in den nächsten sieben bis zehn Tagen keine Auffälligkeiten, könnte die Verfügung wieder fallen, so Masuhr. Hebel und Amtsarzt Saban Omer Oglou ergänzten, dass generell die Lage im Kreisgebiet von Stunde zu Stunde neu bewertet werde.

Rückendeckung für das Vorgehen auch vom Landrat: „Maßnahmen setzen wir dort an, wo das Ausbruchsgeschehen zu verorten ist.“ Ohne den Ausbruch in Timmendorfer Strand habe man weiterhin sehr „unterdurchschnittliche Zahlen – landesweit betrachtet und erst recht bundesweit“, so der Chef der Kreisverwaltung. Sager dankte auch den Verwaltungsmitarbeitern, insbesondere im Gesundheitsamt. „Das ist eine außerordentlich wertvolle und hervorragende Arbeit.“ Zudem brach er eine Lanze für die föderale Struktur Deutschlands. „Ohne die Gesundheitsämter der Kreise und kreisfreien Städte wäre es nicht möglich, die Pandemie zu beherrschen.“

Gesundheitsamt hat personell aufgerüstet

Eine zentrale Aufgabe der Ämter benannte Hebel. „Kontaktnachverfolgung ist das A und O der Eindämmungsstrategie.“ Diese sei sehr zeit- und ressourcenintensiv, so Hebel, was zu Konsequenzen für die personelle Ausstattung des Gesundheitsamts geführt habe. 81 Mitarbeiter waren es im Sommer. Zum 1. September wurden sieben Vollzeitstellen auf ein Jahr befristet zur Kontaktnachverfolgung im Bereich Infektionsschutz eingestellt. Aufgrund er Dynamik habe sie aus ihrem Fachbereich zwei weitere Kräfte umverteilt. Weitere elf seien im Zulauf und bereits aktiviert. „Parallel läuft gerade eine Abfrage in den Fachdiensten nach weiteren Mitarbeitern“, so Hebel, die von einer „momentan beherrschbaren Lage“ sprach. „Wir haben bisher keine Überlastungsanzeige an das Land abgegeben.“

Amtsarzt Omer Oglou rekonstruierte nochmals detailliert die Arbeit des Gesundheitsamtes zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung am Ende der vorletzten Woche in Timmendorfer Strand. Das Hotel bleibt geschlossen, die Mitarbeiter bleiben 14 Tage in Quarantäne. Für die 37 positiv Getesteten gilt dies bis auf Weiteres, wobei drei nicht aus Ostholstein kommen. Schwere Krankheitsverläufe gebe es nicht, so Masuhr, und der Leiter des Infektionsschutzes gab zudem an, dass es von den 207 Gästen, die das Hotel am 17. Oktober verlassen mussten, keine positiven Nachweise auf Covid-19 gebe.

Wie verhält es sich mit der Kontrolle der Maßnahmen in Timmendorfer Strand? Die Zusammenarbeit mit den Ordnungsbehörden vor Ort sei „eng und vertrauensvoll“, sagte Hebel. Dies gelte auch für die Polizeidirektion Lübeck und ihren Leiter Norbert Trabs, die unterstützend tätig werde. „Das ist abgestimmt. Die Einhaltung der Verfügung wird kontrolliert“, teilte die Fachbereichsleiterin mit.

Mit zwei neuen Fällen am Freitag, die in keinem Zusammenhang mit bereits bekannten Fällen stehen, hat sich die Inzidenz in Ostholstein auf 34,4 abgeschwächt. Insgesamt sind es jetzt seit Pandemie-Ausbruch 239 Fälle im Kreis. Im Krankenhaus behandelt wird coronabedingt eine Person. 346 Ostholsteiner sind zurzeit in Quarantäne.

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