Sturmtief „Zeetje“ sorgt für Sturmflut / Höchststand um einen Zentimeter verfehlt

„Kritisch, aber es geht noch“

+
Hochwasser in Lemkenhafen: Ein paar Schwäne nutzen die Sturmflut zum Schwimmen durchs Dorf. Die Feuerwehr musste den Abfluss des Dorfteiches abdichten.

FEHMARN –  Von Lars Braesch Das neue Jahr hat mit einem Sturmtief begonnen. „Zeetje“ fegte an Neujahr über Fehmarn hinweg. Die Ausläufer hielten am Mittwoch Fehmarns Feuerwehren auf Trab, denn die nordwestliche Richtung, aus der das Sturmtief die Insel traf, bescherte eine Sturmflut.

Lageerkundung in Burgstaaken: Burgs Wehrführer Dirk Westphal und der im Urlaub befindliche Bürgermeister Jörg Weber (r.)

Fehmarns Bauhof rüstete sich mit Sandsäcken, die Feuerwehren liefen die Deiche ab. Stündlich gab es Meldungen ins Rathaus. „Es ist kritisch, aber es geht noch“, bilanzierte Friedrich Rathjen vom Fachbereich Ordnung und Soziales am Mittwoch auf FT-Nachfrage. Einen Krisenstab musste laut Rathjen nicht eingerichtet werden. 1,50 Meter über Normal erreichte der Pegel am Mittag, sodass der Hafen Burgstaaken überflutet wurde. Dies rief sogar den im Urlaub befindlichen Bürgermeister Jörg Weber auf den Plan. Gemeinsam mit Burgs Wehrführer Dirk Westphal verschaffte sich der Verwaltungschef persönlich in Burgstaaken ein Bild.

Der Hafen Burgstaaken wurde überflutet.

 

Auch Lemkenhafen stand unter Wasser. Hier musste die Feuerwehr den Abfluss des Dorfteiches abdichten. Zwischen Wulfen und Fehmarnsund lief eine Wiese voll. In Westerbergen musste der Strom abgeschaltet werden. Westerbergen liege zu nah am Wasser, sodass man dort kaum etwas tun könne, so Rathjen.

Am Fehmarnsund lief die Martin-Wert voll, nachdem ein sogenannter Behelfsdeich gebrochen war.

„Es darf nur nicht mehr werden“, erklärte Rathjen gegen 15 Uhr. Um 15.46 Uhr erreichte der Pegel Marienleuchte 6,64 Meter (1,61 Meter über dem Mittelwasser). Um einen Zentimeter wurde in Marienleuchte der am 1. November 2006 gemessene Höchststand von 6,65 Metern verfehlt. Danach sank der Wasserstand innerhalb einer Stunde auf 6,60 Meter und die Lage stabilisierte sich wieder.

FT-Leser Dietrich Fritz vor seiner durch das Sturmtief „Zeetje“ entwurzelten Tanne.

In der Nacht zu Mittwoch musste die Feuerwehr Burg in die Mühlenstraße ausrücken. Eine FT-Zeitungsausträgerin hatte gegen 4.20 Uhr einen auf die Straße gestürzten Baum gemeldet. Der rund 70 Zentimeter dicke Stamm wurde von der Wehr zersägt. Beim langjährigen FT-Leser Dietrich Fritz aus der Gorch-Fock-Straße wütete „Zeetje“ im Garten. Eine rund 50 Jahre alte und mächtige Tanne wurde entwurzelt. „Ich bin froh, dass die Tanne in den Garten gefallen ist und nicht auf mein Haus“, so Fritz gestern gegenüber dem FT. Wer noch Holz oder Tannengrün benötige, könne sich gern unter 04371 5979 melden.

Ferner gab es an Neujahr einen Einsatz für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Dies bestätigte Antke Reetms von der DGzRS-Pressestelle am Mittwoch auf FT-Nachfrage. Ein Anrufer habe der Einsatzleitstelle in Krummensiek kurz nach 13 Uhr einen abtreibenden Kitesurfer gemeldet. „Es herrschten heftige Verhältnisse. Eine Frau konnte sich selbstständig an Land retten und wurde vom Rettungswagen übernommen. So erhielten wir die Info, dass noch ein weiterer Kitesurfer im Wasser ist“, schilderte die DGzRS-Sprecherin weiter. Die Seenotrettungsleitstelle in Bremen habe das in Puttgarden einlaufende Fährschiff „Deutschland“ gebeten, Ausschau zu halten. Beim Auslaufen meldete das Fährschiff einen Mann, der Richtung Steinmole getrieben war und mit letzter Kraft noch auf die Mole geklettert sei. Auch hier übernahm der Rettungswagen den abgetriebenen Kiter. Das in Puttgarden stationierte Seenotrettungsboot „Emil Zimmermann“ habe dann abschließend das treibende Kitesegel geborgen.

Die Reederei Scandlines musste am Mittwoch aufgrund des Hochwassers den Landgang schließen. Die Reisenden kamen über das Fahrzeugdeck an Bord.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.