Kunstszene weltweit von Männern dominiert / Unterstützung von der Stadt erwünscht

Künstlerinnen lassen tief blicken

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Die Künstlerinnengruppe von Fehmarn: Margit Stickel (v.l.), Carola Saupper, Angela Metz, Barbara Ehrentreich und Gabriele Gentz.

Fehmarn – Von Simone Walper. Die fünf Künstlerinnen Barbara Ehrentreich, Gabriele Gentz, Angela Metz, Carola Saupper und Margit Stickel zeigen vom 11. April bis 11. Mai ihre Arbeiten in einer Werkschau im „atelier im kamp“ im Obergeschoss des Ehlers Kamp 3. Die Werkschau ist jeweils Donnerstag bis Sonnabend von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Am 14. April und 5. Mai (jeweils ein Sonntag) von 15 bis 17 Uhr laden die Künstlerinnen zum Gespräch bei Kaffee und Kunst ein.

Im Hintergrundgespräch mit dem FT haben sich die Künstlerinnen bereits geöffnet und tief blicken lassen. In der weltweit von Männern dominierten Kunstszene sei es gar nicht so einfach, sich als Frau zu behaupten. Auch, oder gerade besonders in dieser Welt, müsse man sich als Frau zunächst freischwimmen. So sagt Barbara Ehrentreich: „Die gegenständliche Kunst in Form von Bildhauerei ist fest in Männerhand.“

Von der männlichen Kultur absetzen

Es gebe zwar einige Frauen, die dieses System durchbrochen hätten, aber es sei schwer. „Wir brauchen Mitstreiter, die uns moralisch unterstützen und stärken. Daher schätzen wir unseren Kreis von Frauen besonders. Wir arbeiten an der Basis und schätzen alle das selbstbestimmte Arbeiten“, resümiert sie, die lange in Berlin gelebt hat, und ergänzt: „In den 80er- und 90er-Jahren in Berlin haben sich die Frauen von der männlichen Kultur abgesetzt und etwas Eigenes geschaffen.“ Dies lebten die Künstlerinnen jetzt hier auf der Insel. „Wir pflegen eine Beziehungskultur – das hat etwas mit Frausein zu tun – und eine Verbindlichkeit, die Frauen häufig in besonderem Maße einbringen. Wir erklären uns ein Stück weit aus der Emanzipation heraus und setzen uns so von der männlichen Kultur ab“, erklärt Ehrentreich weiter. Die Elemente in der Arbeit der Künstlerinnen seien stark mit der Historie der Frauen verbunden.

Eine Frauenkünstlergruppe hat es bisher auf Fehmarn noch nicht gegeben. Umso schöner, dass die fünf sich gefunden haben und sich nun zur Vorbereitung ihrer Werkschau regelmäßig am großen Tisch im „atelier im kamp“ zusammensetzen. „Wir haben uns extra einen großen Tisch besorgt, damit wir uns richtig ausbreiten können. Wir wollen ja wachsen“, lässt Angela Metz wissen.

Alle fünf sind ganz unterschiedliche Charaktere und arbeiten mit verschiedenen Techniken und Materialien darunter Textil, Foto oder Keramik. Allen gemein ist jedoch, dass sie Autodidakten und schon sehr lange künstlerisch tätig sind. Es sei ihnen ein tiefes Bedürfnis, sich künstlerisch auszudrücken und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. „Man geht mit jedem Werk an seine Grenze. Soweit, bis man es nicht weiterentwickeln kann. Bis es fertig ist“, erklärt Metz.

Stete Weiterentwicklung der Szene auf Fehmarn

Seit Jahren erfährt die Künstlerszene auf Fehmarn eine stetige Weiterentwicklung. So kommen nach und nach immer mehr Künstler auf die Insel, die ein breitgefächertes, hochkarätiges Angebot bereithalten und zum größten Teil nicht kommerziell arbeiten müssen. „Wir können Qualität anbieten, weil wir nicht darauf angewiesen sind, uns ausschließlich darüber zu finanzieren“, erklärt Ehrentreich. „Wir decken einen Bereich ab, der in den letzten Jahren durch die Veränderung der Struktur der Urlauber immer wichtiger wird.“ In der Vor- und Nachsaison kämen viele Gäste ab 50, die gern beim Radfahren die Natur genössen, aber auch sehr kunstinteressiert seien und das Angebot auf Fehmarn schätzten. „Leider unterstützt die Stadt das nicht so, wie wir es uns wünschen. Wir arbeiten ohne jegliche finanzielle Unterstützung“, moniert die Künstlergruppe. Es gebe zwar einen kleinen Zuschuss zur Miete für Ausstellungen im Senator-Thomsen-Haus, jedoch seien die Kosten, die für die Marketingmaßnahmen, die Eröffnungsveranstaltungen und die Betreuung der Ausstellungen entstünden, nicht zu unterschätzen. „Auf den einzelnen Aussteller kommt finanziell schon ganz schön was zu.“ Da müsse man dann schon mit Leidenschaft und Engagement dabei sein. „Sonst nimmt man die Mühen und Kosten nicht in Kauf“, sin sich alle einig.

Die fünf Künstlerinnen haben einen hohen Anspruch an ihre Kunst. Aber auch der Anspruch der Besucher ist hoch. Viele seien vom breiten Angebot ihrer Heimatstädte verwöhnt. „Hier ist natürlich alles kleiner, nicht so professionell und geschäftsorientiert aufgezogen, aber dafür mit Herz gemacht“, freuen sich die Künstlerinnen über ihr Angebot. Sie bieten Qualität und die Nähe zur Künstlerin. Ihr Arbeiten erklären sie so: „Es geht nicht ums Bildermalen. Es geht darum, eigene Erlebnisse, Empfindungen, Gedanken und Fantasien umzusetzen und Formen zu finden, um diese auszudrücken.“ Ihre existenzielle Form von Kunst ist sehr direkt und lebendig. Dass Kunst nichts mit Geschmack zu tun hat, sei revolutionär für Fehmarn. Es ist Neugierde notwendig, um sich mit den Werken auseinanderzusetzen. Manchmal muss man auch zweimal hinschauen, um im Werk etwas zu sehen. Die Betrachter müssen sich von Konventionen befreien und offen an Kunst herangehen. So kann man also nur fragen: „Mit welchen Augen schaue ich mir etwas an? Wie lasse ich mich darauf ein?“

Die Künstlerszene der Insel ist generell bunt und vielfältig, lebendig und begeisternd. Die Künstler stehen den interessierten Besuchern gern zur Verfügung und bieten tiefe Einblicke in ihre Arbeiten und so auch in ihre Persönlichkeiten. Fehmarn hat eben nicht nur Strand und Meer.

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