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„Kulturlabor“ auf der Kippe: „Café liebevoll“ auf Fehmarn ohne Veranstaltungen?

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Von: Manuel Büchner

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Liebevoll eingerichtet: Marco Eberle, Besitzer des „Café liebevoll“, testet den gemütlichen Ohrensessel im neuen Wohnzimmer des Cafés, das bisher als „Kulturlabor“ bekannt war. © Manuel Büchner

Zehn Jahre sorgte Marco Eberle vor der Pandemie im „liebevoll“ mit einem umfangreichen Kulturprogramm für viele Highlights. Jetzt könnte Schluss sein mit Veranstaltungen. Heute Abend ist eine Ausnahme.

Fehmarn – Das „Café liebevoll“ mit angeschlossenem „Kulturlabor“ in der Burger Bahnhofstraße galt vor Ausbruch der Pandemie als Ort für kleine, aber feine Kunst und Kultur auf Fehmarn. Keine Frage: Betreiber Marco Eberle lieferte – Jahr für Jahr, immer zwischen September und Juni. Zwischen Juni 2010 und Februar 2020 sind es gut und gerne 350 Veranstaltungen gewesen, schätzt Eberle, der nun mit sich ringt, wie es in Zukunft mit dem „Kulturlabor“ weitergehen soll.

Seit Pandemiebeginn hat der 52-Jährige auf Veranstaltungen verzichtet. Als klar wurde, dass erst mal nichts mehr geht, „habe ich das auch als Befreiung wahrgenommen“, erinnert er sich. „Ich musste keine Energie reinstecken.“ Zudem sei es „nur“ mit Kaffee, Kuchen und Frühstück wirtschaftlich besser gelaufen. Eberle erklärt: „Der monetäre Aufwand ist groß: Gage, Technik, Künstlersozialkasse, GEMA, Kost und Logis. Da kommt einiges zusammen.“ Er sei weiterhin bereit, Zeit und Ideen zu investieren, „aber für den finanziellen Part brauche ich Unterstützung“. So lange muss das „Kulturlabor“ pausieren, aber das Café, täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet und ab April sogar noch eine Stunde länger, freut sich auf Gäste und Eberle auf neue Gesichter hinterm Tresen und in der Küche. „Ich suche Personal – so ist es ja überall.“

Erstmals seit zwei Jahren wieder Kultur am Start 

Einen kurzen Abstecher in alte Zeiten bietet das „Kulturlabor“ aber heute Abend um 20.30 Uhr an. Marius del Mestre ist zu Gast. Der Gitarrist trat 1980 mit 19 Jahren der Band „Ton, Steine, Scherben“ bei und spielte diverse Touren mit der Band von Rio Reiser. Eberle kennt den Künstler, der schon mehrmals im „liebevoll“ auftrat, seit zehn Jahren, und verspricht einen Rio-Reiser-Abend, wie es sich Fans der deutschen Kultband wünschen würden. Eintritt frei. „Ich veranstalte das Konzert dem Künstler zuliebe, der eine Auftrittsmöglichkeit gesucht hat“, so Eberle, zumal es ein Hut-Konzert sei – und somit keine Gage anfalle. 

„Kulturlabor“ weicht Wohnzimmer-Theater

Momentan ist aus dem „Kulturlabor“, das sonst immer mit Kinobänken auf eine kleine Bühne ausgerichtet war, versuchsweise eine Erweiterung des „Café liebevoll“ geworden. Eberle nennt es Wohnzimmer-Theater. Ob, wann und in welchem Umfang der Name im Sinne von Kunst und Kultur wieder Programm sein wird, bleibt erst mal abzuwarten.

Vor rund vier Wochen hat der Wahlfehmaraner einem touristischen Akteur der Insel einen Vorschlag für eine Kooperation unterbreitet. „Im Moment warte ich noch auf eine Antwort“, so Eberle. Ergibt sich keine Möglichkeit, das finanzielle Risiko auf weitere Schultern zu verteilen, wird es im „liebevoll“ wohl nicht wieder ein so umfangreiches Kulturprogramm geben wie vor der Pandemie. Eine Entwicklung, die Eberle bedauern würde. „Natürlich tut mir das in meiner Künstlerseele weh – ich komme von der Bühne.“ Eine buntes Mosaiksteinchen würde dann verlorengehen, ist sich der „liebevoll“-Besitzer Marco Eberle sicher.

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