Die ganze Familie Krause packt mit an, wenn die Lämmer zur Welt kommen

Lammzeit – ein Stück Normalität

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Es ist Lammzeit und Familie Krause im Schafstall (v.l.): Mathias und Silke Krause mit ihren Kindern Ole (9), Nils (13) und Peer (14).

Fehmarn –Von Andreas Höppner  Es ist auch in diesen Zeiten, in denen das Coronavirus das gesellschaftliche Leben komplett auf den Kopf gestellt hat, Lammzeit in Westermarkelsdorf. Das bedeutet nicht nur für die Schafe Stress, auch für Schäfer Mathias Krause, der in den vergangenen vier Wochen des Öfteren nachts raus musste, um im Stall nach dem Rechten zu sehen und beim Ablammen zu unterstützen. Den Stress der kurzen Nächte sieht man ihm an, weitere vier Wochen muss er aber noch durchhalten, bis auch die letzten Lämmer geboren sind.

  • Zwillinge sind in der Schafzucht normal
  • Ganze Familie hilft in der Lammzeit
  • Rund 80 Schafe zum ersten Mal zum Ablammen in den Stall

„Es ist schon arbeitsintensiv“, macht Krause deutlich, doch er arbeite ein ganzes Jahr auf die Lammzeit hin. „Das ist mein Job – ein schöner Job“, versichert er und schwört auf „die Freiheit und die Nähe zur Natur“, die die Tätigkeit eines Schäfers ausmache.

Das erste Lamm war in diesem Jahr am 18. März da. Läuft alles wie geplant, dann könnten Mitte Mai rund 600 bis 700 Lämmer in Westermarkelsdorf auf die Welt gekommen sein und demnächst über Deiche und Wiesen laufen. Er könne im Schnitt mit einer Reproduktionsrate von 1,7 bis 1,8 rechnen, so Krause im Stile eines Mathematikers, was aber auch verdeutlicht, dass es sich um einen Wirtschaftsbetrieb handelt. In der Schafzucht sind Zwillinge normal, Drillinge gibt es weniger. „Und noch weniger Einlinge“, weiß Mathias Krause, der seit 25 Jahren Schäfer ist, 1998 seinen Meister gemacht hat und Mitglied der Prüfungskommission der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ist.

Bei den Krauses ist es mittlerweile zur gelebten Pflicht geworden, dass in der Lammzeit die ganze Familie auf den Beinen ist und im Stall mithilft. Ehefrau Silke hat zurzeit Urlaub und ist – mitunter auch mit der Flasche bewaffnet – täglich zwischen Schafen und den kleinen Lämmern ebenso zu finden, wie die drei Söhne Peer (14), Ole (13) und Nils (9). „Ole und Nils sind fürs Wasser zuständig, Peer für Silage“, sind die Zuständigkeiten klar geregelt. Täglich, versteht sich, denn es sind Ferien, die aufgrund der Corona-Pandemie noch einmal bis Anfang Mai verlängert wurden. „Nils sieht sofort, wenn es einem Tier nicht gut geht“, hat der Vater bei seinem jüngsten Sohn sogar ein ausgeprägtes Talent festgestellt.

Das Besondere an so einem Schafstall sei die tägliche Veränderung, berichtet Silke Krause. Das gehe von der Zahl der Einzelboxen bis hin zu verschiedenen Gruppengrößen, um Mutterschafe und Lämmer auf die Eingliederung in die Herde vorzubereiten. Und es sei schon interessant, wie unterschiedlich die einzelnen Mutterschafe mit ihren Lämmern umgehen würden. Da gebe es die liebevolle Mutter auf der einen, aber auch mal die Mutter, der es schwerer falle, Nähe zum eigenen Nachwuchs aufzubauen, auf der anderen Seite, spricht aus ihr unverkennbar die Diplom-Pädagogin.

Jährlinge sind Überraschungspaket

Für Mathias Krause ist das in den Jahren mittlerweile alles Routine geworden, wenngleich er auch sagt: „Die Jährlinge sind ein kleines Überraschungspaket.“ Das betrifft rund 80

Schafe

, die demnächst zum ersten Mal zum Ablammen in den Stall geholt werden.

Also alles wie vor Corona? Nicht ganz. „Sonst hatten wir immer Gäste von den Höfen hier, die sich die Lämmer im Stroh angeschaut haben, in diesem Jahr keinen einzigen“, bedauert Krause. „Das ist spürbar, das fehlt.“ Corona ist demnach allgegenwärtig, wenngleich die Krauses die Lammzeit immer freudig mit dem Beginn des Frühlings verbinden. Wenigstens das hat sich nicht geändert. „Ein Stück Normalität in Corona-Zeiten“, wie Mathias und Silke Krause es empfinden.

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