Fehmarns Bauernchef beim CDU-Politiktalk / „Moderne Technik und Know-how spielen große Rolle“

Landwirtschaft früher und heute

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Ein kleines Dankeschön von Werner Ehlers, Gastgeber des CDU-Politiktalks, an Fehmarns Bauernchef Gunnar Müller (l.), der in seinem Vortrag auf die Landwirtschaft früher und heute eingegangen war.

Fehmarn – Von Reinhard Gamon Aktuelle Themen aus der Landwirtschaft wie strengere Düngeverordnungen, Kritik an der Massentierhaltung und vieles mehr beherrschen fast alltäglich die Medien. Grund genug dafür, dass Fehmarns Bauernchef Gunnar Müller einmal in lockerer Art und Weise einen Abriss über die Landwirtschaft im Allgemeinen beim  CDU-Politiktalk am Mittwoch gab.

Er stellte Landwirtschaft früher und heute gegenüber und bei seinem Vergleich fest, dass beispielsweise in den 60er- und 70er-Jahren viele Landwirtschaftsbetriebe eher durchschnittlich um die 60 Hektar aktiv bewirtschafteten. Davon habe ein Betrieb damals existieren können. Heute hingegen dominierten eher größere Betriebe mit weit größeren Flächen. Dieses sei erforderlich, denn heutzutage hänge an einem Betrieb viel hinten an, sodass kleinere Betriebe einfach nicht mehr rentabel geführt werden könnten.

„Heutzutage“, so Gunnar Müller, „spielt die moderne Technik und der Wissensfortschritt in der Landwirtschaft eine sehr große Rolle“, sagte der Bezirksvorsitzende und verwies darauf, dass der Arbeitsaufwand je Hektar gegenüber früheren Zeiten wesentlich geringer sei. Je Hektar seien es jetzt im Durchschnitt sechs bis acht Stunden Arbeitszeit. Ein Fortschritt der heutigen Zeit, der auch dazu führe, dass viele Landwirte mehrere Standbeine hätten.

Mit dem Spruch „Früher war doch alles viel besser“, kann sich Gunnar Müller, vor allem was die Bereiche Hygiene und Umweltschutz in der Landwirtschaft anbelangten, nicht anfreunden. Es sei früher so manches im Argen gewesen. Heute seien es Bestimmungen, zum Beispiel in Sachen Massentierhaltung und Verordnungen im Düngemittelbereich sowie Pflanzenschutz, die sich extrem verändert hätten. „In der Landwirtschaft sind die Daumenschrauben tüchtig angezogen worden“, sagte er, und den Landwirten seien die zeitaufreibenden Dokumentationsprozesse ein großer Dorn im Auge, so Müller.

In Sachen Tierhaltung verschwieg er nicht, dass es im Einzelfall schwarze Schafe unter den Produzenten gebe, aber unabhängig von wenigen Ausnahmen würden die Tiere gut und richtig gehalten. „So manch privater Halter von Hunden, Katzen oder anderen Haustieren hält dagegen seine Tiere nicht oder wenig artgerecht“, gab er zu verstehen.

Der Landwirt im Ruhestand und ehemalige Bauernsprecher Matthias Witt beklagte auf der Veranstaltung, dass die Medien viele schlechte Nachrichten aus und über die Landwirtschaft verbreiteten, allein deshalb, weil sich schlechte Nachrichten einfach besser verkaufen ließen. „Viele Nachrichten werden produziert, die aber oft die Tatsachen nicht unbedingt richtig wiedergeben.“ Wenn es auch Negativfälle gebe, so werde die Verhältnismäßigkeit dabei einfach nicht beachtet. Dieses führe dazu, dass in der Gesellschaft oft ein negatives Bild über die Landwirtschaft existiere, sagt Mat- thias Witt und schloss: „Wir leben in einer Gesellschaft, die nicht mehr ehrlich ist.“

Beklagt wurde aus der Versammlung auch, dass junge Menschen schon in Kindergarten oder Schule zu wenig über die Landwirtschaft erfahren würden, so entstehe ein Mangel an Verständnis und Akzeptanz zu diesem Berufsstand. Der überwiegende Teil der Zuhörerschaft der im Haus im Stadtpark durchgeführten Veranstaltung bestand aus Altbauern der Insel Fehmarn. Das fand Gunnar Müller eigentlich ein wenig schade. Er hätte sich eher ein Publikum gewünscht, das ihm als Sprecher der Landwirte auch einmal kritische Fragen stelle. Darauf eingestellt hatte er sich jedenfalls.

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