Opferstein und Infotafeln: Rekonstruktion eines Großsteingrabes am Wulfener Berg eingeweiht

Ein Langbett als Ausflugsziel

Bürgermeister Otto Uwe Schmiedt, Bürgervorsteherin Margit Maaß, Dr. Elisabeth Saggau vom Archäologischen Landesamt und Georg Muhl, Vorsitzender der AG „Schönes Wulfen“ enthüllten die neue Infotafel.

Fehmarn - Von Nicole RochellWULFEN · Es war im Herbst 2008, als die AG „Schönes Wulfen“ mit ihrer Idee an die Öffentlichkeit trat, auf dem Wulfener Berg ein steinzeitliches Langbett zu errichten. Ein Ort von historischer Aussagekraft: Am Wulfener Berg befand sich ein bedeutendes steinzeitliches Gräberfeld mit Großsteingräbern aus der Zeit von 3600-3200 vor Christus. Gestern Nachmittag wurde die Rekonstruktion der historischen Grabstätte feierlich eingeweiht. Die AG „Schönes Wulfen“ hofft, dass die Stätte von historischer Bedeutung für viele auch touristisch interessant sein könnte und zum Ausflugsziel avanciert.

Es war ein „dorniger Weg“, beschrieb es Georg Muhl, Vorsitzender der AG „Schönes Wulfen“, gestern im Kreise jener Gäste, die das Projekt ideel, finanziell und materiell unterstützt hatten. Man könnte auch sagen: ein steiniger Weg. So steinig, wie die rund 100 Findlinge des Nachbaus der historischen Grabstätte am Wulfener Berg.

Das Gelände nordöstlich der „Bergmühle“, übrigens mit traumschönem Blick auf den Golfplatz und die Ostsee, gehörte dem Bund (noch aus Zeiten des Brückenbaus), und hatte zunächst in langen und zähen Verhandlungen mit der Landgesellschaft Lübeck erworben werden müssen. „Das allein hat ein Jahr in Anspruch genommen“, so Georg Muhl, der sich gestern noch gut an die weiteren „Steine“ erinnerte, die der AG „Schönes Wulfen“ in den Weg gelegt worden waren. „Wir hatten viele Rückschläge hinnehmen müssen“, so Muhl. Denn auch das Wetter spielte oftmals nicht mit. Vor allem der östliche Bereich mit lehmigem Grund hat den Langbett-Planern doch sehr zu schaffen gemacht. „Teilweise waren sogar zwei Bagger im Einsatz“, so Georg Muhl gestern vor den Gästen, die sich bei schönstem Sommerwetter in Wulfen eingefunden hatten.

Viel Arbeit, jede Menge Zeit und noch mehr Sponsoren-Engagement stecken in der Anlage mit zwei Gräbern, oben geschlossen von Deckelsteinen. Einer davon, der schwerste der rund 100 nach historischen Unterlagen „verbauten“ Findlinge, wiegt elf Tonnen. Insgesamt bilden Steine mit einem Gesamtgewicht von über 300 Tonnen den Grabstätten-Nachbau.

Die Steine wurden von verschiedenen Stellen von ganz Fehmarn zusammengetragen. Den größten Teil hat die AG über die Firma Rahlff aus Strukkamp bezogen. Nicht jeder beliebige Stein konnte genommen werden. Die Findlinge mussten genau nach Anleitung ausgesucht und ins Gesamtbild eingefügt werden . Sie mussten eine glatte Seite haben, so Georg Muhl. Das Archäologische Landesamt in Schleswig mit Außenstelle in Neumünster schaute ganz genau hin, was die Fehmaraner in Wulfen da planten. „Und es war nicht immer ganz einverstanden mit unserer Arbeit“, so Georg Muhl gestern. Doch die AG hat sich eng an die geschichtlichen Vorlagen und Aufzeichnungen von Pastor Harries gehalten, auch wenn der Nachbau der Grabanlage vielleicht nicht unbedingt auf den Millimeter genau dem Original entsprechen mag.

Pastor Diederich Harries hat 1836 die schon damals weitgehend zerstörten Gräber bei Wulfen beschrieben. Als Vorlage ihres jetzt realisierten Nachbaus diente der Arbeitsgemeinschaft „Schönes Wulfen“ eine Zeichnung des Altertumsforschers und Pastors, der unter anderem ein Langbett skizziert hatte, das auf der Salzwiese unterhalb des Wulfener Bergs gelegen hatte.

Die Wulfener Grabstätte enthält zwei Besonderheiten. Mitten in der Anlage steht ein Opferstein. Und wieder kommt Pastor Harries ins Spiel, der einen Stein inmitten eines Langbettsteingrabes westlich der Bergmühle gezeichnet hatte. Einen täuschend ähnlichen fanden Mitglieder der AG „Schönes Wulfen“ auf einem großen Steinhaufen in der Nähe von Strukkamp. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um den Opferstein handelt, den Pastor Harries, der vor rund 120 Jahren als Lehrer auf Fehmarn weilte, bevor er nach Kiel versetzt wurde, gezeichnet hatte. Geopfert wurde übrigens gestern Nachmittag niemand in Wulfen.

Im Anschluss an die feierliche Enthüllung der Infotafel, deren Inhalt Dr. Elisabeth Saggau, freie Mitarbeiterin des Archäologischen Landesamtes, zusammengestellt hatte, wurde eine weitere Tafel neben einem Stein auf dem Weg zum Langbettgrab enthüllt. Der Stein erklärt die Buchstaben und das Zeichen, die auf dem Grenzstein von 1788 stehen, der zwischen den Findlingen entdeckt wurde, die für den Nachbau des Langbettes zusammengetragen wurden. Die Buchstaben HCLF und FALF stehen für „Herr Claus Lafrentz“ und Frau Anna Lafrentz“. Ein runenartiges Zeichen wird von der Jahreszahl 1788 umschlossen. Claus und Anna Lafrentz hatten in der Bisdorfer Feldmark einen Steinwall um ihr Feld setzen lassen. Bei der Rune handelt es sich um eine Hausmarke, die das Ehepaar Lafrentz beim Kauf ihres Grundeigentums von den Vorbesitzern Claus und Elsabe Maas übernommen hatten. Hausmarken waren, wie die Tafel neben dem Stein weiter informiert, Symbole, mit denen früher die zu einem bestimmten Hof gehörenden Gebäude, Geräte und Grenzsteine gekennzeichnet wurden. Nur freie Bauern verfügten über Hausmarken. Auf Fehmarn waren über 200 verschiedene Hausmarken in Gebrauch.

Das gestern eingeweihte Langbett, das 60 Meter lang und sieben Meter breit ist, ist der Nachbau des kleinsten der fünf Gräber, die vor rund 5 000 Jahren am Wulfener Berg den verstorbenen Fehmaranern als letzte Ruhestätte dienten. Die größten hatten ein Ausmaß von rund 140 Metern, informierte Georg Muhl.

Wenn die Fehmaraner der Jetztzeit mit baumaschineller Unterstützung es in den vergangenen zwei Jahren mit Widrigkeiten zu tun bekamen, wollte sich gestern keiner so gerne ausmalen, unter welch schwierigen Umständen seinerzeit ein solches Langbett errichtet werden musste. Das war ein regelrechter Kraftakt. Mit hölzernen Rollen und Stangen als Hebel wurden die tonnenschweren Steine Meter für Meter an ihren Bestimmungsort gebracht. Letztendlich dauerte das Setzen der Steine für den Nachbau durch eine Steinsetzerfirma aus der Nähe von Niebüll drei Tage. „Vor 5000 Jahren hätte das wohl drei Jahre gedauert“, so Georg Muhl.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.