Fusionierte Wehr Westfehmarn übte am Dienstag in Orth / Tagesverfügbarkeit bei vielen Wehren die Schwachstelle

Leistungsfähigkeit auf Prüfstand

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Zum Übungsszenario gehörte auch die Sicherstellung der Wasserversorgung.

FEHMARN -ga- Aufgrund personeller Probleme ist es Anfang des Jahres zur Zusammenlegung der Freiwilligen Feuerwehren Sulsdorf und Petersdorf zur Freiwilligen Feuerwehr Westfehmarn gekommen. Um Schlagkraft und Leistungsfähigkeit der neuen Ortswehr zu überprüfen, wurde am Dienstagvormittag eine realitätsnahe Übung in Orth durchgeführt. Bis zur letzten Minute war die Übung geheim gehalten worden.

Die fusionierte Freiwillige Feuerwehr Westfehmarn verfügt zwar insgesamt über eine ausreichende Personalstärke, doch gibt es erkennbare Personalschwächen in der sogenannten Tagesverfügbarkeit. Aus unterschiedlichen Gründen, vor allem aber berufsbedingt, stehen tagsüber nicht genügend männliche sowie weibliche Einsatzkräfte zur Verfügung.

Im Feuerwehrbedarfsplan der Stadt Fehmarn ist das Sicherheitsniveau mit Erreichen des sogenannten Schutzziels 1 benannt worden. Dieses sieht vor, einen kritischen Wohnungsbrand zu jeder Zeit mit einer Mindestzahl von Funktionskräften zu beherrschen. Durch das Ansetzen dieser Übung in Orth, in diesem Fall an einem Werktag um 10 Uhr, sollte nun überprüft werden, ob dieses zu realisieren ist. Die Übungslage sah vor, dass in einem Mehrfamilienhaus in der Poststraße 10 ein Wohnungsbrand entstand und sich eine zu rettende Person auf dem Balkon in der ersten Etage des Hauses befindet. Der Rettungsweg über das Treppenhaus galt als versperrt. Die eingesetzten Kräfte hatten die Person aus der Gefahrenzone zu bringen und den Wohnungsbrand zu bekämpfen.

Nach acht Minuten erste Kräfte vor Ort

Nach dem Einsatzalarm um 10 Uhr waren bereits acht Minuten später die ersten Kräfte mit dem Einsatzfahrzeug aus Sulsdorf vor Ort. Um 10.12 Uhr traf das Fahrzeug aus Petersdorf am Brandort ein und weitere drei Minuten später folgten noch vier Einsatzkräfte. Die Gesamtstärke betrug 18 Einsatzkräfte, davon insgesamt fünf Atemschutzgeräteträger.

Nach Einweisung in die Lage wurden über zwei Rettungswege – über das Treppenhaus mit Atemschutzgeräteträger und außen über die Leiter – die Brandbekämpfung und die Personenrettung durchgeführt. Eine Wasserversorgung war hergestellt worden. Als zu rettende Person stellte sich Jan Stender, der Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales der Stadt Fehmarn, zur Verfügung.

Mit dem Verlauf des Einsatzes zeigte sich Fehmarns stellvertretender Gemeindewehrführer Heino Lafrenz mehr als zufrieden. Der personelle Einsatz habe gestimmt, die Einsatzlage sei gut erkannt worden und die eingesetzten Kräfte hätten wieder einmal ihr gutes Können unter Beweis gestellt.

Das Ergebnis der Überprüfung hätte unter Umständen aber auch anders aussehen können, heißt es vonseiten der Gemeindewehrführung. Die Personaldecken der Wehr Westfehmarn und der weiteren neun auf Fehmarn beheimateten Ortswehren seien einfach zu dünn.

Die stellvertretenden Gemeindewehrführer Thorsten Röhrke (l.) und Heino Lafrenz (r.) sowie Kreiswehrführer Thorsten Plath hielten akribisch die Zeiten fest.

Mit großen Bemühungen suche die Feuerwehr auf Fehmarn dringend nach neuen Einsatzkräften. Trotz zahlreicher Werbemaßnahmen in der jüngsten Vergangenheit hätten aber nur sehr wenige neue Kräfte für die Feuerwehr gewonnen werden können. „Auch mit der Anzahl von Frauen in unserer aktiven Feuerwehr sind wir hier auf Fehmarn äußert unzufrieden, werden es aber weiter im Fokus haben“, spricht Heino Lafrenz Klartext.

Zwar erhoffe man sich seitens der Gemeindewehrführung, aus den inzwischen vier Jugendfeuerwehren (Burg, Puttgarden-Todendorf, Westfehmarn und Fehmarn-Mitte) sowie der in diesem Jahr gegründeten Kinderfeuerwehr Fehmarn später einmal Nachwuchskräfte rekrutieren zu können, aber der Anteil von dringend benötigten erwachsenen Neueinsteigern, speziell auch Feuerwehrfrauen, sei bis heute sehr gering.

Heino Lafrenz: „Gerade auch hier im Ortsteil Orth ist feststellbar, dass viele Bewohner wegziehen und die Wohnungen und Häuser in Besitz von Auswärtigen übergehen. Da kann man es sich vorstellen, wie schwer es ist, überhaupt noch Kräfte für die Feuerwehr zu gewinnen.“ Sich in einer der Freiwilligen Feuerwehren der Insel zu engagieren, sei weiterhin ein wichtiger Appell an die Bürger der Insel. Dieser Aufruf sei aus seiner Sicht unabdingbar, um die Errichtung einer Pflichtfeuerwehr abzuwenden, so Lafrenz.

Jan Stender von der Stadtverwaltung bekräftigte gegenüber dem FT noch einmal, dass er eine große Wertschätzung gegenüber den Arbeitgebern hege, die ihren Beschäftigen für die erforderlichen Einsätze bei den Feuerwehren Zeit zur Verfügung stellten.

Über den Ausgang der Übung und welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, wollen die Organisatoren der Übung zeitnah berichten.

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