Grüne loben Reederei Scandlines / FFBQ erlebt „Zeit der Entzauberung“

Ein Leuchtturm in Europa

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Grüne besuchen Scandlines in Puttgarden: Heiko Kähler (v.l.), Geschäftsführer der Reederei in Deutschland, und Scandlines-Chef Søren Poulsgaard Jensen begrüßten den Europaabgeordneten Rasmus Andresen und den Bundestagsabgeordneten Konstantin von Notz.

Fehmarn – Von Manuel Büchner – Die Reederei Scandlines: „Ein europäisches Leuchtturm-Unternehmen als Arbeitgeber und hinsichtlich der Innovationskraft“, lobte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz gestern bei einem Besuch das deutsch-dänische Unternehmen in höchsten Tönen. An der geplanten Festen Fehmarnbeltquerung (FFBQ) ließ er aber kein gutes Haar, sprach von einer „Zeit der Entzauberung“, da die Hoffnung der Region hinsichtlich übergesetzlichem Lärmschutz von der Bundesregierung enttäuscht werde. Auch die Abkopplung Ostholsteins vom Fernverkehr sei „Wahnsinn“.

An seiner Seite der frisch gebackene Europaabgeordnete und Parteikollege Rasmus Andresen: „Wir reden in Brüssel über den Green Deal – da müssen wir gerade im Verkehrsbereich vorankommen, und die Schifffahrt ist da ein wichtiger Faktor.“ Scandlines treibe die CO2-Reduzierung seit vielen Jahren voran, kam auch Andresen zu einer mehr als positiven Einschätzung. Er könne sich mit Blick auf Modellprojekte und Förderung gut vorstellen, dass die EU hinsichtlich neuer Entwicklungen bei Scandlines eine wichtige Rolle einnehmen könne.

Ob die geplante Installation eines Rotorsegels auf der „Copenhagen“ oder neue Antriebsgondeln für vier Hybridfähren auf der Route Puttgarden-Rødby – Scandlines-Chef Søren Poulsgaard Jensen spricht von „kleinen Schritten“, die man nehme, um die Umweltbelastung durch den Fährbetrieb weiter zu senken. „Wir würden gerne Quantensprünge machen, aber mit der Einführung der Hybridfähren 2013 haben wir gelernt, dass es als fließender Prozess besser funktioniert.“

Poulsgaard Jensen sieht sein Unternehmen auch ein wenig in Wartestellung. Entsprechend kann er das große Ziel emissionsfreier Antrieb nicht mit einem zeitlichen Rahmen verknüpfen, wenngleich man die Entwicklung der nächsten zehn bis 20 Jahre im Blick habe. „Das ist schwierig. Viel hängt von der technischen Entwicklung von Batteriesystemen ab und die Sicherstellung von Ladekapazitäten.“ Während diese auf dänischer Seite vorhanden seien, fehle eine entsprechende Infrastruktur in Puttgarden. Zumal die Aufgabe des klassischen Antriebs zwar technisch machbar sei, so Poulsgaard Jensen, wäre momentan eine sehr große Anzahl an Batterien notwendig. „Deren Energiebilanz müsste man mit Blick auf die Entsorgung berücksichtigen.“ Heiko Kähler, Geschäftsführer Scandlines Deutschland, ergänzte: „Wir diskutieren auch alternative Antriebe wie Wasserstoff, unser Hauptfokus liegt aber auf dem Batteriebetrieb.“

Eröffnet der Tunnel durch den Fehmarnbelt, macht bei Scandlines der Letzte das Licht aus. So sieht es zumindest immer noch laut der Rentabilitätsberechnung für die Querung aus, die davon ausgeht, dass Scandlines den Betrieb einstellt. „Eine Einpreisung der Konkurrenz ist bis heute nicht erfolgt – das muss endlich geschehen“, so von Notz und kritisiert die Verweigerungshaltung der Bundesregierung, denn „sie ist dazu gesetzlich verpflichtet“.

Längst hätte ein durch die schleswig-holsteinische Landregierung in Auftrag gegebenes Gutachten gezeigt, so Poulsgaard Jensen, „wir haben eine Zukunft. Wir werden ein gesundes Geschäft haben.“ Laut Gutachten zeigen Prognosen, dass dem Tunnelbetreiber rund ein Viertel der geplanten Einnahmen wegfallen würden. Der Reederei-Chef wünscht sich derweil einen fairen Wettbewerb, wenn es zur Eröffnung des Tunnels kommen sollte. Entscheidend sei dafür weiterhin eine gleichberechtigte Anbindung des Fährhafens in Puttgarden und eine ehrliche Bepreisung für die Fahrt durch den Tunnel.

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