Wasserbeschaffungsverband Fehmarn Symbolbild
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Kostbares Gut: Grob geschätzt 2000 Liter Trinkwasser verliert Fehmarn in der Stunde durch eine Leckage am Stahlrohr unter der Fehmarnsundbrücke.

Möglicherweise 2000 Liter in der Stunde

Loch in der Stahlleitung unter der Fehmarnsundbrücke: Fehmarn verliert Wasser

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Der Wasserbeschaffungsverband (WBV) Fehmarn hat auf seiner Versammlung einen neuen Verbandsvorsteher und einen neuen Vorstand gewählt. Ab März 2022 hat der WBV eine neue Geschäftsführerin.

  • Stahlleitung unter der Fehmarnsundbrücke hat ein Loch.
  • WBV will dritte Dückerleitung durch den Sund legen.
  • Hans-Jürgen Moller ist neuer Verbandsvorsteher.

Fehmarn – Neuer Verbandsvorsteher, neuer Vorstand und ab März 2022 auch eine neue Geschäftsführerin. Alles neu beim Wasserbeschaffungsverband (WBV) Fehmarn? Fast. In der Verbandsversammlung kehrte ein altbekanntes Thema zurück, auf das einige Mitglieder verschnupft reagierten: eine Leckage im Wasserrohr unter der Sundbrücke.

Mehr Druck gegenüber der Deutschen Bahn aufbauen

Die Stahlleitung unter der Brücke hat ein Loch – und zwar im Bereich des Bogens, was eine Reparatur besonders erschwere, so Geschäftsführer Gerd Utech, der bereits Ende März über das Problem berichtete. Weiterhin hat der Kontrollwagen der Deutschen Bahn (DB) unter der Brücke keinen TÜV, und auch andere Ideen, wie ein Ponton mit Hubwagen zum Erreichen des Lecks, haben bisher nichts Konkretes ergeben. Die Reaktion aus der Versammlung: mehr Druck aufbauen gegenüber der DB und eine Lösung finden.

Laufen 2000 Liter pro Stunde in den Sund?

„Das muss behoben werden, das TÜV-Problem hatten wir doch schon letztes Jahr“, zeigte sich Bernd Remling (SPD) verärgert. „Wir fordern vehement ein – was sollen wir sonst machen?“, reagierte Verbandsvorsteher Werner Ehlers. Heinz Jürgen Fendt fragte, wie hoch der Wasserverlust sei. „Grob geschätzt zwei Kubikmeter in der Stunde“, antwortete Utech.

Das ist doch kein Hexenwerk. Das will ich im nächsten Jahr nicht wieder in der Vorlage lesen.

Lars Hviid (FWV)

Als „unhaltbar“, bezeichnete Christiane Stodt-Kirchholtes (Grüne) die Situation, sprach von „Ausreden“ und forderte „eine professionelle Lösung vom WBV“. Lars Hviid (FWV): „In der Außendarstellung finde ich das unglücklich, dass diese Mengen an Wasser verloren gehen.“ Er wünsche sich lösungsorientiertes Handeln. „Das ist doch kein Hexenwerk. Das will ich im nächsten Jahr nicht wieder in der Vorlage lesen.“

Die mittel- bis langfristige Alternative: eine dritte Dückerleitung östlich der Sundbrücke. „Das favorisieren wir“, so Ehlers, man stehe bereits im Kontakt mit der Firma, die die anderen zwei Dückerleitungen durch den Sund gebaut hat. Geschätzte Kosten: 1,5 bis zwei Millionen Euro. Die Grundsanierung der Brückenleitung würde rund 0,8 Millionen Euro kosten.

Interne Ausschreibung für Utech-Nachfolge sorgt für Nachfragen

Verbandsvorsteher Werner Ehlers (CDU) gab bekannt, dass in einer internen Ausschreibung mit Claudia Freund eine neue Geschäftsführerin gefunden wurde, die ab 1. März 2022 Gerd Utech beerben wird. „Wieso wurde nicht öffentlich ausgeschrieben“, fragte Stodt-Kirchholtes und bemängelte die fehlende Transparenz. Zwei Mitarbeiter hätten sich auf den Posten beworben – „beide sehr qualifiziert“, sagte Utech am Donnerstag auf Nachfrage. Freund, tätig in der Buchhaltung und als Assistenz der Geschäftsführung, setzte sich durch.

WBV will 1,21 Millionen Euro investieren

Den Haushaltsplan 2022 beschlossen die Versammlungsteilnehmer einstimmig. Einnahmen und Ausgaben sind in Höhe von 2,77 Millionen Euro geplant. Investiert werden sollen knapp 1,21 Millionen Euro. Große Posten sind die bereits aus diesem Jahr bekannt, wurden aber noch nicht angegangen: Hinrichsdorf (320000 Euro) und die Straße Badstaven (280000 Euro) in Kooperation mit Stadtwerken und Bauamt. Mit 100000 Euro plant der WBV für Kontrolle und Sanierung eines Wasserbehälters auf der WBV-Betriebsanlage in Strukkamp. Der Speicher aus Beton unter der Erde liegt nahe des Bahndamms. Mit dem Ausbau im Zuge der Festen Fehmarnbeltquerung (FFBQ) könnten Erschütterungen eventuell zu Schäden führen, weshalb ein Gutachter die Maßnahme begleiten werde, um den Ist-Zustand festzuhalten, erklärte Utech. 

Christiane Stodt-Kirchholtes unterliegt in Stichwahl zur Verbandsvorsteherin

Am Ende der Sitzung wurde gewählt. Zunächst hatte Ehlers erklärt, gerne weitere fünf Jahre den Posten des Verbandsvorstehers zu bekleiden. Kai Schumacher (F³) schlug Christiane Stodt-Kirchholtes (Grüne) vor, Heinz Jürgen Fendt (SPD) wiederum Hans-Jürgen Moller (SPD). Schumacher sprach sich für eine kurze Vorstellungsrunde aus, was die grüne Stadtvertreterin dankend annahm.

Sie habe Visionen, wolle den WBV noch professioneller und moderner aufstellen, denn „Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel“. Zudem wolle sie dafür sorgen, dass der WBV seinen Beitrag zur Klimaneutralität bis 2030 leiste, und auch eine Ausbildungsstelle müsse wieder geschaffen werden. Sie plädierte letztendlich für „jünger und weiblicher“, betonte: „Ich könnte das.“

Kürzer hielt es Ehlers, verwies auf sein „leidenschaftliches Engagement für die Arbeit in den letzten fünf Jahren“ und die Herausforderungen der kommenden Jahre rund um den FFBQ-Bau sowie seine guten Beziehungen in die verantwortlichen Institutionen.

Hans-Jürgen Moller gewinnt Stichwahl

Am Ende stimmten für Moller, der nicht mal anwesend war, in geheimer Wahl fünf von zehn Versammlungsmitglieder, für Stodt-Kirchholtes (3) und Ehlers (2). Keine absolute Mehrheit für einen Kandidaten bedeutete Stichwahl. Moller setzte sich gegen Stodt-Kirchholtes mit 7:3 Stimmen durch. Der frühere Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales sagte gestern auf Nachfrage, sich auf die neue Aufgabe zu freuen. Es sei ein umfangreiches Aufgabengebiet, in das er sich einarbeiten werde. Mollers Stellvertreter bleibt Manfred Schramm.

Vorstand bleibt in Männerhand

Für den vierköpfigen Vorstand des WBV kandidierten zunächst Axel Dührkop (FWV), Manfred Schramm (SPD), Heiner Schmidt und Hinnerk Haltermann (CDU), bevor Stodt-Kirchholtes nochmals versuchte, die Männerbastion zu durchbrechen und sich selbst für die Wahl nominierte. Wieder geheime Wahl, und die Männer bleiben unter sich.

Die Stellvertreter des Vorstandes wurden komplett ausgetauscht. Jörg Josef Wohlmann (SPD), Gert Jacobsen (FWV), Carsten Paulsen (CDU) und Christiane Stodt-Kirchholtes bilden das Back-up. Frei abgestimmt im Block, da sich nur vier Personen für vier Posten zur Wahl stellten.

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