Der Insel-Bauhof hat ein Raumproblem / Gesetzliche Vorgaben werden nicht eingehalten

Meister der Improvisation

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Beengt: Wenn sich die Bauhofmitarbeiter zu Stoßzeiten umziehen, ist Rücksicht angesagt. Bauhofleiter Timo Jädke hofft auf eine baldige Lösung des Raumproblems.

Fehmarn – Von Manuel Büchner Der Insel-Bauhof der Stadt Fehmarn platzt aus allen Nähten. So hatte sich zuletzt Bauhofleiter Timo Jädke im Bau- und Umweltausschuss zu Wort gemeldet und dringenden Handlungsbedarf angemahnt. Als „völlig unterdimensioniert“ bezeichnete Jädke den Bauhof, was nicht von der Hand zu weisen ist. Kein Jammern auf hohem Niveau bestätigt auch die Begehung der Räumlichkeiten mit dem FT

So stehen nur 23 Spinde für die 31 Mitarbeiter (2020: 32) zur Verfügung. Nicht die einzige Kuriosität im Freesenkamp 1. So sind die übrigen Spinde wie für Maler oder Elektriker in den verschiedenen Werkstattbereichen untergebracht. Die Umkleide für Frauen mit WC und Dusche wird zugleich als Waschraum für die Arbeitsklamotten, für Putzmittel und für Aktenordner genutzt. Im Trocknungsraum steht der Kopierer, befinden sich die Kleiderkammer und Getränke. Auch hier werden Akten gelagert. Zudem ist der Aufenthaltsraum zu klein – nicht alle Mitarbeiter haben einen Sitzplatz, wenn es beispielsweise um die Arbeitseinteilung geht. Dort müssen zudem Besprechungen jeglicher Art stattfinden, da das Büro vom Bauhofleiter keinen weiteren Tisch zulässt. Nicht zuletzt finden Belange für Katastrophenfälle nicht ausreichend Berücksichtigung.

Hinzu kommt, dass die derzeitigen Umkleide-, Sanitär- und Büroräume des Bauhofes nicht mehr den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen. So gibt es kein Schwarz-Weiß-Prinzip, also die räumliche Trennung zwischen dreckiger Arbeitsbekleidung und sauberer Privatbekleidung der Mitarbeiter. Alles findet in einem Umkleideraum statt“, bedauert Jädke und sieht darin ein gravierendes Problem hinsichtlich der Hygiene. So seien Mitarbeiter unter anderem für die Beseitigung von Müll und von Fäkalien wie Hundekot zuständig. Die Verschleppung von unerwünschten Stoffen kann daher nicht ausgeschlossen werden, zumal die Mitarbeiter ihre privaten Klamotten in den Spind hängen und ihre Arbeitsklamotten teilweise mit selbst angebrachten Haken außen aufhängen. „Die Anforderungen, die wir in Sachen Schutzausrüstung vorhalten müssen, haben sich wesentlich erhöht“, was die Situation im beengten Umkleideraum zusätzlich verschärft.

Dass der Bauhof der Insel ein Raumproblem hat, ist unlängst bekannt. Ins Rollen gebracht hatte das Thema ein Tag der offenen Tür des neuen Bauhof-Betriebsgebäudes in Oldenburg im Juli 2017. „Das hat uns die Augen geöffnet“, erinnert sich Jädke. Nachdem man eine Firma für Arbeitssicherheit angesprochen hatte, sei eins zum anderen gekommen.

Problem erkannt – nun stellt sich allerdings die Frage, wie mehr Platz geschaffen werden kann. Nur in südlicher Richtung könne das Gebäude aufgrund seiner Lage erweitert werden – und das höchstens drei bis vier Meter. „Völlig unzureichend“, so Jädke, der sich nur einen Neubau oder eine Aufstockung vorstellen kann. „Die Werkstatt sowie Fahrzeug- und Maschinenhallen sind von der Überplanung nicht betroffen“, konkretisiert er.

Was planerisch möglich ist, soll jetzt ein Architektenbüro erarbeiten. „Wir lassen prüfen, welche Räumlichkeiten für 40 Personen benötigt werden“, hofft Jädke auf Konkretes. 50000 Euro für die Vorplanung sind jedenfalls im Haushalt für 2020 gesetzt. Bis zum August soll die Vorplanung abgeschlossen sein. 2021 könne der Umbau oder Neubau beginnen und auch im selben Jahr zu einem Ende kommen. „Mit einem zweijährigen Horizont kann ich gut leben“, ist der Bauhofchef zuversichtlich, dass das Provisorium Bauhof bald der Vergangenheit angehören wird. Dabei setzt er auch auf mögliche Fördergelder im Zuge des Ortsentwicklungskonzeptes.

Timo Jädke hofft auf die entsprechenden Entscheidungen der Stadtvertreter. Von seinen Mitarbeitern beschwere sich übrigens keiner, lässt er ausdrücklich wissen. „Wir haben uns mit zahlreichen Improvisationen arrangiert“, so Jädke. Dennoch müsse sich etwas ändern. „Wir stellen wirklich keine großen Ansprüche – sind pflegeleicht“, lächelt der Chef vom Freesenkamp 1. Andererseits betont er mit Nachdruck: „Wir fordern nur, was hinsichtlich der räumlichen Ausstattung gesetzlich vorgeschrieben ist.“

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