Fehmarn Daniel Günther Marktplatz Wahlkampf
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Daniel Günther nahm sich am Sonnabend 90 Minuten Zeit für den Wahlkampf auf Fehmarn.

Landtagswahl: Ministerpräsident Daniel Günther und Herausforderin Monika Heinold machten Wahlkampf auf Fehmarn

  • Andreas Höppner
    VonAndreas Höppner
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Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und die Herausforderin Monika Heinold (Grüne) machten Wahlkampf für die Landtagswahl am 8. Mai auf Fehmarn.

  • 150 Personen im Halbkreis auf dem Marktplatz bei Daniel Günther.
  • 14-jähriger Connor Schmidt kritisierte schleppende Digitalisierung.
  • 20 Besucher bei Monika Heinold im Café „liebevoll.

Fehmarn – Der Wahlkampf für die Landtagswahl am 8. Mai nimmt Fahrt auf. Fehmarn war am Sonnabendnachmittag gleich für zwei Spitzenkandidaten Anlaufpunkt, um um die Gunst des Wahlvolks zu werben. So war nicht nur Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) auf dem Marktplatz in Burg vor Ort, auch Herausforderin und aktuelle Finanzministerin Monika Heinold (Grüne), die im Café „liebevoll“ ihren Anspruch auf die Staatskanzlei untermauerte, stattete der Insel einen Besuch ab, um vor einem ungleich kleineren Publikum für grüne Politik zu werben.

Günther legte auf dem Marktplatz pünktlich um 14.30 Uhr los vor rund 150 Personen, die im Halbkreis aufgestellt dem Ministerpräsidenten zuhörten. Selbstverständlich war der CDU-Ortsverband Fehmarn stark vertreten, aber auch viele parteiungebundene Bürgerinnen und Bürger ließen es sich nicht nehmen, den Ausführungen des Regierungschefs zu lauschen.

Günther will Polizei den Rücken stärken

Zunächst einmal sprach Günther allen Schleswig-Holsteinern seinen Dank dafür aus, wie sie sich seit Beginn des Ukraine-Krieges in der Flüchtlingshilfe engagierten, um gleichfalls zu mahnen, dass Freiheit und Demokratie nichts seien, „was eigentlich da ist“ und man sich fortwährend dafür einsetzen müsse. „Ein verheerender Fehler der letzten Jahre“ sei es gewesen, „Russland ein Stück weit unterschätzt“ zu haben. Er bekannte sich auch dazu, zu wenig gemacht zu haben für die, „die für unsere Sicherheit zuständig sind“, und versicherte, der Polizei und anderen Einsatzkräften weiterhin den Rücken zu stärken.

Weitere Themen, die der Ministerpräsident ansprach, waren die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, Investitionen in Bildung und Betreuung sowie den weiteren Ausbau grüner Energie. Hier sollte das Land seinen Standortvorteil weiter nutzen, so Günther. Als Beispiel einer gelungenen Ansiedlung eines Unternehmens, das auf Zukunftstechnologie setze, nannte er den schwedischen Batteriehersteller Northvolt, der in Heide 3000 Arbeitsplätze schaffen wolle.

Im Anschluss an die rund 20-minütige Rede Günthers nahmen Hendrik Kerlen, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen eine Feste Fehmarnbeltquerung, sowie der 14-jährige Schüler Connor Schmidt die Gelegenheit wahr, über Mikro Fragen zu stellen.

Kerlen ging es um die behördliche Zuständigkeitserweiterung der Stadt Fehmarn für die Gewährleistung des Brandschutzes für den deutschen Teil des Fehmarnbelttunnels. Günther ließ Kritik nicht gelten und sagte, dass die Landesregierung bei der Unterstützung der Stadt Fehmarn „in allen Bereichen Wort gehalten“ habe.

Das soll nicht Standard in Schleswig-Holstein sein.

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU)

Connor Schmidt sprach die aus seiner Sicht schleppende Umsetzung der Digitalisierung an Schulen an. So würde an seiner Schule, dem Freiherr-vom-Stein- Gymnasium in Oldenburg, noch mit Overheadprojektoren gearbeitet, kritisierte er. „Das soll nicht Standard in Schleswig-Holstein sein“, entgegnete der Ministerpräsident. Als der 14-Jährige dann noch ergänzte, dass der WLAN-Empfang im Schulgebäude oft nicht möglich sei, erst auf dem Schulhof, ergriff Wahlkreiskandidat und CDU-Landtagsabgeordneter Peer Knöfler das Wort, um mitzuteilen, dass auch die Kommunen als Schulträger ihrer Verantwortung gerecht werden müssten und die Schuld nicht immer bei Bund und Land zu suchen sei.

Im Anschluss stieg Daniel Günther von seinem Podest, um ins direkte Gespräch zu gehen mit den Bürgerinnen und Bürgern.

Derweil hatte nur unweit des Marktplatzes mit Monika Heinold die stellvertretende Ministerpräsidentin und Spitzenkandidatin der Grünen auf der Bühne im „liebevoll“ Platz genommen neben dem Grünen-Wahlkreiskandidaten Falko Siering, um in dieser Wohnzimmer-Atmosphäre wichtige grüne Positionen aus dem Wahlprogramm zu skizzieren und Fragen der rund 20 Gäste zu beantworten.

Heinold: Leitlinie der Politik sind Klimaziele

Aber auch bei Heinold ging es selbstverständlich nicht ohne den Einstieg mit dem Ukraine-Krieg. Man habe es „nicht rechtzeitig geschafft, sich von den fossilen Brennstoffen zu lösen und sich deshalb erpressbar gemacht“. Gleichwohl bescheinigte sie den grünen Spitzenkräften und Ministern Annalena Baerbock und Robert Habeck im Außen- und Wirtschaftsressort eine hervorragende Arbeit, die zu „hoher Anerkennung“ beider Minister geführt habe.

Wir müssen in den Klimaschutz investieren, um eine Überlebenschance zu haben.

Monika Heinold (Grüne)

„Das Interesse ist groß an unserer Politik“, ging sie wenig später über zur Landespolitik und formulierte selbstbewusst das Wahlziel, Ministerpräsidentin werden zu wollen. Die Frage, ob der Klimaschutz im Lichte der aktuellen Lage nach zwei Jahren Corona-Pandemie und den spürbaren Auswirkungen des Ukraine-Krieges zurückgedrängt werde, verneinte Heinold. Ganz im Gegenteil, denn das Erreichen der Klimaziele müsse Leitline in allen Politikfeldern sein. „Wir müssen in den Klimaschutz investieren, um eine Überlebenschance zu haben“, machte sie deutlich und schob hinterher, dass bei der Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen auch neue Schulden zulässig seien.

Monika Heinold mit Grünen-Direktkandidat Falko Siering beim Wahlkampf-Stopp im Café „liebevoll“.

Um unabhängig von Öl, Gas, und Kohle zu werden, müsse man „umdenken und umplanen“, so Heinold, die den Zubau erneuerbarer Energien für unerlässlich hält. Die Reservierung von zwei Prozent der Landesfläche für Windkraft findet sie nicht ausreichend. „Wir müssen in Richtung drei Prozent“, viel Wert legen auf Repowering und Solar ausbauen. „Wir brauchen Fläche“, so Heinold, die nicht verhehlte, dass das Thema Fläche in Zukunft auch in anderen Politikfeldern eine große Rolle spielen werde: für Wohnen, für den Natur- und Artenschutz, für die Nahrungsmittelproduktion, für die Gewerbeansiedlung. 

Weiter zur Sprache kam bei ihrem 60-minütigen Auftritt das neue Kita-Gesetz, das von Gast Marianne Unger als „Bürokratiemonster“ tituliert und kritisiert wurde. Heinold sieht die Jamaika-Koalition in dieser Hinsicht jedoch auf einem guten Weg. 

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