Der Angeklagte verdeckt sein Gesicht mit einem Aktenordner
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Wegen Mordes angeklagt sitzt ein 25-jähriger Iraker aus Oldenburg erneut auf der Anklagebank am Landgericht Lübeck.

Mord in Gremersdorf

Angeklagter: „Ich habe sie geliebt“

  • Manuel Büchner
    vonManuel Büchner
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Nach einer erfolgreichen Revision beim Bundesgerichtshof muss sich ein Mann aus Oldenburg erneut wegen Mordes vor dem Landgericht Lübeck verantworten.

  • Zwölf Jahre Haft wegen Totschlags im ersten Verfahren.
  • Ablehnung von Mordmerkmalen als „nicht tragfähig“ begründet.
  • Angeklagter ließ Erklärung durch Verteidigerin verlesen.

Lübeck/Gremersdorf – Ein damals 22-jähriger Mann aus Oldenburg hatte am frühen Morgen des 16. Februar 2019 seine 28-Jährige Freundin auf einem einsamen Feldweg zwischen Gremersdorf und Heiligenhafen mit mindestens 34 Stich- und Schnittverletzungen getötet. Der Angeklagte gestand die Tat. Die Schwurgerichtskammer des Lübecker Landgerichts verurteilte den jetzt 25-jährigen, aus dem Irak stammenden Angeklagten am 19. November 2019 wegen Totschlags zu zwölf Jahren Haft.

Zwei Nebenklägerinnen hatten daraufhin das Urteil vor dem Bundesgerichtshof (BGH) angefochten – und das mit Erfolg. Die obersten Strafrichter am zweiten BGH-Sitz in Leipzig gaben ihnen am 11. November 2020 recht, sahen die Ablehnung von Mordmerkmalen (heimtückisches Handeln und niedrige Beweggründe) durch das Landgericht als „nicht tragfähig begründet“ und hoben das Urteil auf. Der Fall wurde am Mittwoch (3. März) vor dem Landgericht unter dem Vorsitz der Richtern Dr. Gesine Brunkow also wieder neu aufgerollt.

Bereits zu diesem Zeitpunkt plante der Angeklagte, die Geschädigte zu töten.

Staatsanwalt Florian Büchmann

Staatsanwalt Florian Büchmann verlas zunächst die Mordanklageschrift. Darin schilderte Büchmann die Geschehnisse unmittelbar vor der Tat. Die 28-Jährige wurde vom Angeklagten aus Eifersucht überwacht. Sie traf sich an diesem Abend mit einem anderen Mann, mit dem sie eine Affäre hatte. Kurz nach Mitternacht, nach Telefonaten und Kurznachrichten, holte der Angeklagte die 28-Jährige ab. Ein Messer aus seiner Küche mit 15-Zentimeter-Klinge habe er zuvor eingesteckt. „Bereits zu diesem Zeitpunkt plante der Angeklagte, die Geschädigte zu töten“, so Büchmann. Er sei mit ihr über Umwege in einen abgelegenen Feldweg gefahren. Dort „würgte er die Geschädigte und stach mit dem Messer auf sie ein“. Als sie sich nicht mehr wehren konnte, habe der damals 22-Jährige sein Opfer in ein nahegelegenes Gebüsch geschleift, um weiter auf sie einzuwirken.

Ich war rasend vor Wut.

Angeklagter

Dolmetscher Hajar Sorani übersetzte für den Angeklagten, der sich nicht äußerte, aber von seiner Verteidigerin Lena Alpay-Esch eine Erklärung verlesen ließ. Darin schildert er seine starke Bindung zum Opfer. „Ich habe sie geliebt. Ich hätte alles für sie getan.“ Immer wieder sei es aber auch zu Streitereien, Eifersüchteleien gekommen. Vor der Tat mit dem Messer, das er immer in seinem Auto aufbewahrt habe, sei die Situation durch gegenseitige Provokationen und Beleidigungen eskaliert. „Ich war rasend vor Wut“, als sie ihm mitgeteilt habe, sie hätte versucht, von anderen Männern schwanger zu werden, um es ihm unterzujubeln. Dann habe er das Messer aus dem Auto geholt.

Zweiter Verhandlungstag am 24. März

Zeugen wurden am Mittwocj nicht befragt. Zudem waren die Nebenklägerinnen nicht zur Verhandlung erschienen. Sie würden sich aufgrund der Pandemie noch im Iran aufhalten, teilte deren Rechtsanwalt mit. Der erste Verhandlungstag war somit nach rund 30 Minuten zu Ende. Nächster Termin: 24. März, mit Zeugen vom Tatort.

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