Schienenersatzverkehr, weil Lokführer fehlen: Ein Ende ist nicht abzusehen / Weber schreibt Beschwerdebrief

Morgens und abends fährt kein Zug

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In den frühen Morgen- und späten Abendstunden ist Fehmarn – hier der Bahnhof in Burg – bis auf Weiteres abgehängt vom Schienenverkehr.

FEHMARN -hö- Seit dem 10. September müssen Bahnfahrer auf der Strecke von Puttgarden nach Lübeck mit einem ausgedünnten Fahrplan leben. Das trifft vor allem Pendler, da die Deutsche Bahn mangels ausreichend Lokführer Zugverbindungen in den Morgen- und Abendstunden gestrichen hat und stattdessen Busse einsetzt, was wiederum zu längeren Fahrzeiten führt. Das Schlimme daran: Ein Ende ist nicht abzusehen.

Die Hinweistafel am Burger Bahnhof ist zwar mit einem Ersatzfahrplan versehen, der am 21./22. Oktober 2018 endet, doch das scheint lediglich dem Umstand geschuldet zu sein, dass auf dem bedruckten Papier kein weiterer Platz mehr zur Verfügung steht.

Meyer-Lovis: Personaldecke bei DB Regio ist knapp

Auf unsere Anfrage, ob der Bahnkunde ab 23. Oktober wieder mit dem ursprünglichen Fahrplan rechnen dürfe oder ob der Schienenersatzverkehr über den 22. Oktober hinaus weitergeführt werde, blieb die Deutsche Bahn in ihrer gestrigen Stellungnahme äußerst vage. DB-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis antwortete wie folgt: „Derzeit ist die Personaldecke bei DB Regio Schleswig-Holstein knapp. Es stehen nicht durchgängig ausreichend Triebfahrzeugführer zur Verfügung. Aufgrund des branchenweiten Lokführermangels ist die Zahl der Bewerbungen von bereits qualifizierten Triebfahrzeugführern drastisch zurückgegangen. Gleichzeitig schieden Mitarbeiter altersbedingt aus oder wechselten, wie in Unternehmen üblich, den Job. Trotz umfangreicher Ausbildungsinitiativen gelang es nicht, rechtzeitig genügend Triebfahrzeugführer ausbilden zu lassen, um die entstandenen Lücken zu schließen. In der aktuellen Situation genügen nun schon einige wenige Krankmeldungen, um die Situation noch einmal zu verschärfen. Um dennoch einen stabilen und verlässlichen Fahrplan anbieten zu können, hat sich DB Regio entschieden, vereinzelt Züge in Randlagen ausfallen zu lassen.

DB Regio in Schleswig-Holstein steuert mit einer deutlich ausgeweiteten Ausbildungsoffensive gegen und startet alle zwei Monate Lehrgänge (Funktionsausbildungen). Außerdem arbeitet DB Regio intensiv daran, sowohl innerhalb des Konzerns als auch über externe Anbieter kurzfristig Lösungen zu finden.“

So muss der geplagte Bahnkunde auf Fehmarn bis auf Weiteres damit klarkommen, dass die Frühzüge um 5.19 und 6.20 Uhr ab Puttgarden ausfallen und stattdessen Busse eingesetzt werden. In entgegengesetzter Fahrtrichtung sind die beiden letzten Abendzüge, die um 22.55 und 0.55 Uhr in Puttgarden ankommen, gestrichen worden

Für Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber (SPD) ein absolutes Unding, dass die Deutsche Bahn es so weit hat kommen lassen, nicht mehr ausreichend Lokführer zur Verfügung zu haben und deshalb Zugverbindungen streichen muss. In einem Brandbrief an die Deutsche Bahn fordert Fehmarns Verwaltungschef umgehend Abhilfe. „Von diesen Ausfällen sind Schüler/innen und Berufspendler/innen ganz besonders betroffen; allgemeinbildende Schulen, Berufsschulen und Arbeitsplätze können somit nur noch verspätet erreicht werden. Mir liegen hierzu schon zahlreiche Beschwerden der Betroffenen vor“, schreibt Weber.

Er fordert die Bahn auf, „umgehend ihrem Beförderungsauftrag“ nachzukommen und sämtliche Züge fahrplangemäß wieder einzusetzen. Fehmarn sei über Tag ohnehin nur im Zwei-Stunden-Takt erreichbar, „weitere Einschränkungen können nicht hingenommen werden“. Weber spricht von einem „unverantwortlichen und respektlosen“ Verhalten der Bahn gegenüber den Kunden.

Eine Kopie des Briefes hat Weber auch dem Landesverkehrsministerium zukommen lassen. Verkehrsminister Dr. Bernd Buchholz (FDP) liegt schon längere Zeit im Clinch mit der Deutschen Bahn. Wegen anhaltender Zugausfälle und Verspätungen im Syltverkehr hat er zuletzt im Mai Strafzahlungen in Höhe von 500000 Euro verhängt.

Netz Ost: Neuvergabe Anfang 2019

DB Regio steht aber nicht nur an der Westküste unter Druck, die Zugausfälle im Netz Ost sind alles andere als gut für das eigene Image, denn im kommenden Jahr steht die Neuvergabe für den Betrieb des Ost-Netzes an. Und FDP-Fraktionschef Christopher Vogt hatte unlängst im Landtag durchblicken lassen, dass es für DB Regio schwierig werden könnte, erneut den Zuschlag zu erhalten. Anfang 2019 will der Landtag über die Neuvergabe entscheiden.

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