Taxifahrerin wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 2400 Euro verurteilt

Motorradfahrer war zu schnell

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Das Amtsgericht Oldenburg verurteilte am Montag wegen fahrlässiger Tötung eine Taxifahrerin zu einer Geldstrafe von 2400 Euro.

Fehmarn – Von Lars Braesch Wegen fahrlässiger Tötung verurteilte das Amtsgericht Oldenburg unter dem Vorsitz von Strafrichter Thore Böttger am Montag eine 44-jährige Taxifahrerin zu einer Geldstrafe von 2400 Euro (80 Tagessätze á 30 Euro). Ebenfalls muss die Angeklagte die Kosten des Verfahrens tragen. Das Gericht gestattete eine monatliche Ratenzahlung in Höhe von 50 Euro

Hanna Klatt vertrat die Staatsanwaltschaft.

Das Gericht folgte damit dem Antrag von Staatsanwältin Hanna Klatt. Verteidiger Peter Repp forderte in seinem Schlussplädoyer einen Tagessatz zwischen 15 und 20, allerdings stellte der Rechtsanwalt diesbezüglich keinen konkreten Antrag. Ein Mitverschulden seiner Mandantin könne Repp nicht leugnen.

Während der rund dreistündigen Hauptverhandlung vernahm das Gericht fünf Zeugen, darunter einen Dänen, dessen Aussage durch eine Dolmetscherin übersetzt werden musste, sowie einen Rechtsmediziner und einen Unfallanalytiker.

Die Angeklagte befuhr am 4. Juni 2018 aus Landkirchen kommend die L 209 in Richtung Burg. Gegen 15.45 Uhr leitete die Frau aufgrund eines neuen Auftrages plötzlich ein Wendemanöver ein. Dabei kollidierte das Taxi am Heck mit einem aus Burg kommenden Motorradfahrer. Der 50-jährige Mann erlag am nächsten Tag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

„Ich hatte eigentlich um 16 Uhr Feierabend und wollte eigentlich nicht mehr“, erklärte die Taxifahrerin in der Beweisaufnahme. Die Frau habe sich von der Zentrale überreden lassen, noch eine Tour anzunehmen. Laut ihrer Aussage habe die Taxifahrerin den Blinker gesetzt und sei vorausschauend abgebogen.

Plötzlich habe es im Heckbereich des Taxis einen lauten Knall gegeben. Zur Fahrweise der Taxifahrerin machten die Zeugen unterschiedliche Angaben. Mal sei der Blinker gesetzt gewesen, mal nicht. Mal habe die Angeklagte gebremst, mal nicht.

„Räumlich war der Unfall nicht vermeidbar“, führte Unfallanalytiker Ansgar Wahmhoff von der Dekra Lübeck aus. Der Motorradfahrer war viel zu schnell unterwegs. Der Sachverständige geht von einer Geschwindigkeit von 110 bis 130 Stundenkilometern aus. Der Abbiegevorgang sei mit 15 Stundenkilometern vollzogen worden. „Zeitlich wäre der Unfall vermeidbar gewesen, wenn der Motorradfahrer höchstens 100 Stundenkilometer gefahren wäre und eine Gefahrenbremsung eingeleitet hätte“, so der Unfallanalytiker.

Sein Urteil stützte Richter Böttger im Wesentlichen auf den Paragrafen 9 Absatz 3 Satz 1 der Straßenverkehrsordnung. Dort heißt es unter anderem: „Wer abbiegen will, muss entgegenkommende Fahrzeuge durchfahren lassen.“

Weiterhin berief sich der Vorsitzende auf die höchstrichterliche Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (BGH): „Selbst wenn der Motorradfahrer 200 Stundenkilometer gefahren wäre, hat er immer noch ein Vorrecht. Hierauf hätte die Angeklagte achten müssen.“

Weder die Anklagevertreterin noch die Verteidigung wollten das Urteil auf FT-Nachfrage kommentieren. Die Verteidigung wolle mit der Berufung ein Rechtsmittel prüfen. Dies muss bis zum Montag (26. August) um Mitternacht beim Amtsgericht Oldenburg eingegangen sein. Ansonsten wird das Urteil rechtskräftig. Sollte Berufung eingelegt werden, wird der Fall vor dem Landgericht Lübeck in der zweiten Instanz neu verhandelt.

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