Hagedorn besucht Südstrand-Klinik

MuKi-Kuren bald Pflicht für Kassen

Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn (2. v. r.) machte gestern eine Stippvisite in der Südstrandklinik.

FEHMARN (wi) • Die Südstrandklinik Fehmarn musste in den letzten Jahren reichlich kämpfen, um die Belegungszahlen bei den Mutter-Kind-Kuren „in etwa auf gleichem Niveau“ zu halten, wie es der scheidende Geschäftsführer Jörg Feldmann gestern erklärte.

Dass die „Mu-Ki-Kuren“ im Zuge der Gesundheitsreform ab dem 1. April 2007 zur Pflichtleistung werden, begrüßt er sehr. Feldmann selbst verlässt die Klinik zum 1. April; er ist zum Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Waldeck in Hessen gewählt worden.

Feldmann und Chefarzt Dr. med. Eberhard Bräter hatten gestern die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn zu einem Gedankenaustausch in die Südstrandklinik eingeladen. Bereits seit längerem standen sie in einem Schriftwechsel zu Fragen der Mutter-Kind-Kuren. Hagedorn betonte bei ihrem Besuch die „wichtige Präventivaufgabe in der Gesellschaft“, die Mutter-Kind-Kliniken erfüllten. Es bereite ihr Sorgen, dass gerade diese Kuren häufig zu einem Sparfaktor bei den Krankenkassen geworden seien. „Nicht nur in Dahme wurde durch die Insolvenz dort deutlich, dass es vielen Kliniken nicht gut geht“, so Hagedorn.

„Dass die Mutter-und-Kind-Kur in den Risikostrukturausgleich kommt, finden wir sehr wichtig“, ist Jörg Feldmann allerdings überzeugt, dass es künftig wieder aufwärts gehen könne. Bei den Mutter-und-Kind-Kuren verzeichnete die Südstrandklinik im vergangenen Jahr 54000 Belegungstage. Die Zahl sei relativ konstant geblieben, die Mitarbeiterzahl liege aber nur noch bei 70. Feldmann räumte im Gespräch mit der Presse ein: „Es hat Arbeitsverdichtungen gegeben, keine Frage.“

Vier Jahre lang seien die Pflegesätze nicht erhöht worden. Im letzten Jahr habe man den Satz gerade Mal um 0,36 Prozent angehoben – und das sei schon der höchste Wert gewesen.

Die Mutter-und-Kind-Kuren machten nur 0,5 Prozent der Kosten für die Krankenkassen aus, so Feldmann. Demgegenüber gäben die Kassen rund fünf Prozent für die Verwaltung aus. Da gebe es sicherlich eine Möglichkeit, umzuschichten. Zwischen 2003 und 2005 sanken die Ausgaben für Mutter-und-Kuren nach Angaben von Jörg Feldmann von 480 Millionen Euro auf 260 Millionen.

Eine viel wichtigere Aufgabe käme künftig den Hausärzten zu, die Mütter zu Kuren ermuntern sollten, meinte die Bettina Hagedorn. Als „absurd“ bezeichnete sie es, dass einerseits die Situationen in den Familien immer schlechter würden, andererseits sich die Anmeldung für Mutter-Kind-Kuren in den letzten drei Jahren fast halbiert habe.

„Burn-out“ und Depressionen

Sie hoffe, dass sich das wieder ändere, wenn die „Mu-Ki-Kur“ zur Pflichtleistung erhoben werde. Hagedorn habe den Eindruck, dass die Bewilligungspraxis der Krankenkassen bislang „schlicht ungesetzlich“ gewesen sei.

Schwere Erschöpfungszustände („burn-out“), psychische und soziale Belastungen (Depressionen) durch schwierige Lebenssituationen, Störungen im Familienleben und Trennungen, Überlastungen durch falsches Rollenverständnis, multiple psychosomatische Befindlichkeitsstörungen, degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates oder Schmerzzustände wie Migräne, das seien vielfach die Diagnosen, mit denen die Mütter am Südstrand aufgenommen würden. Ganz eindeutig verbessere sich ihre Situation erheblich, insbesondere wenn es hinterher durch eine weitere Betreuung anderer Institutionen – Chefarzt Dr. Bräter spricht davon, Netzwerke der Hilfe zu schaffen –  kommt.

Geschäftsführer Jörg Feldmann wird die Insel also verlassen. Er gewann als Parteilosen am 29. Oktober 2006 mit 73 Prozent der Stimmen die Bürgermeisterwahl in Waldeck gegen einen SPD-Kandidaten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.