Unterlagen für den Belttunnel liegen bis zum 5. Juni aus – Einwendungen sind bis zum 3. Juli möglich

Nächste Planungsetappe eingeläutet

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Über 10 000 Seiten Planungsunterlagen, fein säuberlich untergebracht in 22 Aktenordnern, liegen der Öffentlichkeit seit gestern für einen Monat zur Einsicht vor. Und auch Mandy Cronauge wird als Vertreterin des Fachbereiches Bauen und Häfen damit befasst sein, einen Teil der Unterlagen zu sichten und durchzuarbeiten.

FEHMARN - hö - Gestern ging es bei der Planung der Festen Fehmarnbeltquerung in die nächste Etappe. Nun liegen die Planungsunterlagen für den Fehmarnbelttunnel auch auf Fehmarn für einen Monat bis einschließlich 5. Juni (Donnerstag) öffentlich aus. Die Öffentlichkeit kann zu den Öffnungszeiten der Stadtverwaltung Einsicht nehmen in die mehr als 10 000 Seiten Planungsunterlagen, die in 22 Aktenordnern untergebracht sind. Gestern war das Interesse eher verhalten, wie Mandy Cronauge vom Bau- und Hafenamt der Stadt Fehmarn berichtete, nur zwei Pressevetreter hätten den Weg in die Ohrtstraße gefunden.

Fachbereichsleiter Burkhard Naß geht aber davon aus, dass Betroffene, vor allem aus dem Bereich Puttgarden und Marienleuchte sowie Vertreter des Aktionsbündnisses oder von Vereinen und Verbänden, noch den Weg in das Verwaltungsgebäude finden, um die Unterlagen zu sichten und dann etwaige Stellungnahmen abzugeben. Hierzu gibt es eine weitere Einmonatsfrist. Diese gilt auch für die Stadt Fehmarn, die wie andere Betroffene bis einschließlich 3. Juli (Donnerstag) Einwendungen abgeben können. Bei der Stadtverwaltung Fehmarn sind nach Angaben von Burkhard Naß sämtliche Fachbereiche informiert worden, sodass diese zu bestimmten Punkten, die den speziellen Fachbereich betreffen, Aussagen treffen können. Für den Fachbereich Bauen und Häfen könne er sagen, dass Stadtplanerin Elisabeth Rehnen sich mit dem naturschutzfachlichen Teil der Planung befassen werde, er selbst mit der Thematik Grunderwerb und Bauwerke. Folglich ist also ein nicht unbeträchtlicher Teil der Verwaltung in den nächsten Wochen damit beschäftigt, die Planungsunterlagen für den geplanten Fehmarnbelttunnel unter die Lupe zu nehmen. Eine entsprechende Stellungnahme der Stadt Fehmarn dürfte laut Naß dann in der Sitzung der Stadtvertretung am 24. Juni verabschiedet werden. Eine Vorabberatung im Bau- und Umweltausschuss, der am 10. Juni tagt, hält Naß aufgrund der geringen Vorlaufzeit für kaum möglich.

Baunkjær: Projekt geht in entscheidende Phase

Aus Sicht von Claus F. Baunkjær, Vorstandsvorsitzender der staatlichen dänischen Projektgesellschaft Femern A/S, die das Milliardenprojekt plant und bauen will, geht die deutsche Genehmigung des größten Verkehrsprojekts in Nordeuropa nun in die entscheidende Phase. Bereits im Herbst des letzten Jahres hat Femern A/S die Erstversion der Antragsunterlagen im Internet veröffentlicht. Mittlerweile sind auch die überarbeiteten Unterlagen online auf www.femern.de abrufbar. Baunkjær kündigte an, den Dialog mit allen interessierten Personen und Gruppen auf Fehmarn noch weiter intensivieren zu wollen. Das gelte insbesondere auch für die „künftigen direkten Nachbarn“ in Puttgarden und Marienleuchte. „Ich bin daher überzeugt, dass heute der Beginn einer Erfolgsgeschichte ist und am Ende die Verwirklichung eines transparent geplanten und solide finanzierten Großprojekts steht, das unsere beiden Länder noch näher zusammen-bringt“, stellte der Vorstandsvorsitzende von Femern A/S fest. Femern A/S rechnet damit, dass im Sommer 2015 die Verträge mit den Baukonsortien unterzeichnet werden können, die sich derzeit um die Aufträge für den Tunnelbau bewerben – nach dem Vorliegen des dänischen Baugesetzes und des deutschen Planfeststellungsbeschlusses. Sechseinhalb Jahre später soll der Ostseetunnel dann fertiggestellt sein. Die Umweltschützer teilen diesen Optimismus nicht, sie ziehen sogar eine Klage in Erwägung. „Es ist wieder mal ein trauriger Tag für den Umwelt- und Naturschutz. Auf Teufel komm raus soll in diesem sensiblen Bereich der Ostsee ein ökonomisch wie ökologisch überflüssiges Gigantomanie-Projekt realisiert werden. Und dies zu einer Zeit, wo Europa mehr Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Arten und Lebensräume ergreifen sollte, statt sie zu zerstören“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Der Irrsinn müsse aufhören, bevor er richtig angefangen habe. Deswegen werde man die Unterlagen von Femern A/S sehr genau prüfen und wenn aussichtsreich, gegen den Planfeststellungsbeschluss juristisch vorgehen. Aus Sicht des NABU birgt das Vorhaben erhebliche ökologische Risiken. „Der Fehmarnbelt ist von einer vielfältigen, teils einzigartigen Flora und Fauna besiedelt und dient als wertvoller Trittstein und Ausbreitungskorridor für zahlreiche salztolerante Arten. Deswegen würde Europas größte Baustelle nicht nur temporäre, sondern nachhaltige Schäden anrichten. Der Schweinswal, aber auch Kleinlebewesen und Fische finden hier Rückzugsmöglichkeiten und ausreichend Nahrung“, so Nikola Vagt, stellvertretende Leiterin des NABU-Wasservogelreservates Wallnau. „Aufgrund fehlerhafter Berechnungen des Bedarfs und verschleierter Folgekosten reiht sich die Fehmarnbeltquerung nahtlos in andere ökonomisch unsinnige Großprojekte wie der Berliner Flughafen, Stuttgart 21 oder die Elbphilharmonie ein“, ist NABU-Bundesgeschäftsführer Miller überzeugt.

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