Appell an Merkel – Heute Entscheidung in Berlin?

Naturschützer fordern das Aus für die Beltquerung

Konzeptzeichnung einer festen Fehmarnbelt-Querung.

FEHMARN (pl/dpa) • Naturschützer aus Deutschland und Dänemark haben die Bundesregierung aufgefordert, die Pläne für den Bau einer Brücke über den Fehmarnbelt aufzugeben. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel machen der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Dänische Naturschutzverein (DN) schwere ökologische und ökonomische Bedenken geltend.

Dies teilte der NABU am Montag in Berlin mit. Die Naturschützer führen in ihrem Brief an Merkel an, dass Klimamodelle bereits bis zum Jahr 2050 für die Ostsee einen deutlichen Anstieg der Zahl und Stärke von Stürmen vorhersagten und die Brücke dann für den Verkehr gesperrt werden müsste. Fähren seien davon nicht in gleichem Maße betroffen. Die Kosten stünden in keinem Verhältnis zu dem erwarteten Nutzen. Als weiteres Argument gegen das Vorhaben nennen die Naturschutzverbände ein hohes Kollisionsrisiko für große Schiffe wie Öltanker. Wie das FT (24. Januar) bereits berichtete, nutzt ein Großteil der russischen Tanker aus dem Hafen Primorsk den Fehmarnbelt für die Passage in die westliche Ostsee. Bei einem Schiffsunfall wären wertvolle Naturräume von einer Ölpest bedroht, so die Naturschützer. Außerdem sei eine massive Verkehrsverlagerung von Schiff und Eisenbahn auf die Straße zu erwarten. „NABU und DN sehen daher übereinstimmend keinen gravierenden Nutzen in einer festen Beltquerung, der die hohen ökologischen wie ökonomischen Risiken rechtfertigt“, erklärte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

„Kein Gutachten konnte Bedenken entkräften“

Ebenfalls gestern forderte Die Linke die Bundesregierung auf, sich von dem „Prestige-Objekt Fehmarnbelt-Querung zu verabschieden, bevor ein nicht wiedergutzumachender ökologischer und ökonomischer Schaden angerichtet“ werde. „Ein Sammelsurium aus Wünschen und Eventualitäten reicht nicht aus, um ein Milliardenprojekt wie die feste Beltquerung umzusetzen“, erklärte Lutz Heilmann, Bundestagsabgeordneter und naturschutzpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke. „Bislang konnte kein Gutachten, auf das sich die Befürworter stützen, einen positiven Nutzen der Brücke belegen oder gar Bedenken entkräften“, so Heilmann weiter. Überlegungen wie eine Restrisiko-Belas-tung für die Betreiber oder eine stärkere Einbindung der dänischen Seite sprächen zudem eher dafür, dass das Vertrauen in die eigenen Gutachten und Prognosen auch in den Ministerien sinke.

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