Grüne weiter gegen Feste Beltquerung

„Nein, Herr Breiter, das ist nicht absurd“

FEHMARN (wi) • „Nein, Herr Breiter, es ist nicht ,absurd‘ und ,verwunderlich‘, weiterhin gegen die Feste Beltquerung Stellung zu beziehen.

Nein, Herr Carstensen, es ist nicht das ,letzte Aufgebot‘ und ein Häufchen ewig Gestriger, die ihnen die Laune verderben wollen.“ So reagiert Silke Mählenhoff, Sprecherin des Kreisverbandes Ostholstein, auf Pressemeldungen der letzten Tage. „Es sind informierte Bürgerinnen und Bürger, besorgte Anwohner und verantwortungsvolle Kommunalpolitiker, die kritisch nachfragen und sich nicht von bunten Broschüren der Femern Bælt A/S beeindrucken lassen.“

Mählehofs Fragen: Was sei denn konkret „viel Positives“ an der Festen Querung ? Welche „gesamtwirtschaftlichen Vorteile“ ergäen sich für Schleswig-Holstein und Ostholstein ? Wann würden dazu von den Befürwortern belastbare Zahlen auf den Tisch gelegt ?

Prof. Dr. Andreas Knorr von der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer sei in seinem Vortrag im Sommer 2009 in Timmendorfer Strand zu gegenteiligen Ergebnissen gekommen: Er habe festgestellt, dass „die gesamtwirtschaftliche Vorteilhaftigkeit der festen Fehmarnbeltquerung ökonomisch schwer begründbar“ sei.

Die reine Privatfinanzierung der Festen Querung sei gescheitert wegen fehlender wirtschaftlicher Perspektiven. Wenn Schleswig-Holstein und der Bund die Hinterlandanbindung bezahlten, sei zumindest zu erwarten, dass sich die Investitionen durch Neuansiedlungen von Unternehmen in der Region oder zunehmende, langfristige touristische Nachfrage rechneten. „Sollten lediglich Betriebe verlagert werden, so schafft das keine neuen Arbeitsplätze. Es steht aber zu erwarten, dass Speditionen von der dänisch-deutschen Grenze ihren Sitz in die Nähe der Festen Querung verlagern, so Silke Mählenhoff.

Bisher lasse sich festhalten, dass in der Bauphase einer festen Querung der Tourismus zumindest auf Fehmarn durch Baustellenlärm und -schmutz leiden werde. Der immer wieder zitierte Baustellentourismus fangekeinen abgebrochenen Familienurlaub auf.

Von der Femern A/S würden für den direkten Baustellenbereich bis zu 250 Arbeitsplätze prognostiziert. Mählenhoff: „Es dürfte wohl klar sein, dass es sich dabei um erfahrene Fachleute handeln wird, die nicht ihre erste Brücke bauen. Wo sind die einheimischen Brückenbaufachleute in Ostholstein ? Rund 7000 Arbeitskräfte werden benötigt. Wir leben im Zeitalter der Globalisierung, die Ausschreibung für die Betonteile der Festen Querung erfolgt europaweit. Betonteile können Italiener, Portugiesen oder Franzosen genauso gut und vielleicht sogar preiswerter produzieren, Erfahrung mit dem Bau von Brücken und Tunneln haben sie allemal.“

ft-online/lokales vom 20. Januar 2010

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