Senator-Thomsen-Haus zeigt Bilder von Theodor Möller / Werk der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen

Neue Ausstellung mit alten Fotos

+
Von der Ausstellung entzückt: Dr. Michael Paarmann (v.l.), Marion Bejschowetz und Bürgermeister Jörg Weber.

FEHMARN - wa - Theodor Möller ist wahrscheinlich nicht jedem auf Fehmarn bekannt. Das soll sich jetzt ändern. Mit der Ausstellungseröffnung am gestrigen Sonntag fiel der Startschuss für die von der Fielmann AG ermöglichte Ausstellung „Fehmarn in alten Photographien“ im Senator-Thomsen-Haus. Bis zum 29. April werden Fotografien gezeigt, die der aus der Nähe von Kiel stammende Heimatforscher Theodor Möller zum größten Teil 1914 auf Fehmarn aufgenommen hat. Zu dieser Zeit war er als Beauftragter für Baupflege des Kreises Oldenburg auf der Insel tätig.

„Möller hat Schleswig-Holsteins Landschaften nicht nur als Dokumentarfotograf in Bildern festgehalten, sondern wollte den Menschen auch die Schönheit der Landschaft zugänglich machen“, erklärte Kuratorin Marion Bejschowetz von der Fielmann AG bei der Einführung in die Ausstellung. Es ist die 29. Möller-Ausstellung in Schleswig-Holstein seit 2009.

Landeskonservator Dr. Michael Paarmann ergänzte: „Wir möchten Möller und sein Werk einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Dass dies möglich wurde, verdanken wir Günther Fielmann, der sich für die Kultur Schleswig-Holsteins stark macht. Ich wünsche mir, dass sich die Besucher dieser Ausstellung mit ihrer Stadt, den Bauten und der Umgebung auseinandersetzen.“ Es bräuchte doch schließlich auch bürgerliches Engagement, um qualitätsvolle Architektur im öffentlichen Raum zu gestalten, so Paarmann. Der Landeskonservator lobte zudem die Arbeit von Kunsthistoriker Jürgen Ostwald, der für Fielmann bundesweit unterwegs sei und Schenkungen vorbereite. Leider konnte Ostwald krankheitsbedingt nicht an der Ausstellungseröffnung teilnehmen.

Im März 2017 hatte die Oldenburger Fielmann-Niederlassung im Namen Günther Fielmanns der Stadt bereits 83 Fotos vom östlichen Teil Fehmarns geschenkt. Jetzt übergab Niederlassungsleiter Stephan Sell der Stadt weitere 81 Fotos, die den westlichen Teil der Insel zeigen. 70 dieser Fotos sind in der Ausstellung zu sehen. Möllers bisher zum größten Teil unveröffentlichte Bilder präsentieren dem Betrachter Strände, Steilküsten, dörfliche Idylle, Kirchen, Höfe und Baudenkmäler. Darunter ein Riesenfindling am Strand von Katharinenhof, die Abbruchkante bei Staberhuk oder einen der letzten Dodelsteine. Möller hat sich an den zeitgenössischen Landschaftsmalern orientiert und auch Aufnahmen von deren Motiven gemacht. Eines seiner bekanntesten Fehmarn-Bilder ist der Staberhof, den auch Ernst Ludwig Kirchner 1913 auf der Leinwand festhielt. In seinen Fotografien spiegelt sich Möllers hoher künstlerischer Anspruch wider. Darüber hinaus sind seine Bilder von exzellenter Qualität.

Theodor Claus Heinrich Möller wurde 1873 als Bauernsohn geboren und wuchs im ländlichen Schleswig-Holstein auf, das ihm immer sehr am Herzen lag. Nach der Ausbildung zum Volksschullehrer siedelte er 1897 nach Kiel über und heiratete Frieda Michelsen. Kurz darauf entdeckte er das Fotografieren für sich und eignete sich viel Wissen darüber an. Anfangs arbeitete er mit Glasplattennegativen, in seinen späteren Jahren mit Rollfilmen.

Neben seinem Beruf als Lehrer hielt er Lichtbildervorträge und wurde 1904 mit der Betreuung der Lichtbilder-Sammelstelle in Kiel beauftragt, für die er Amateurfotografien aus ganz Schleswig-Holstein zusammentrug. 1924 machte er sein Hobby, Schleswig-Holsteins verschiedene Landschaften sowie seine Bauten und Kulturdenkmäler im Bild festzuhalten, zum Beruf. Er ließ sich als Lehrer beurlauben und verschrieb sich ganz der Heimatforschung und der Fotografie.

Ein Schicksalsschlag war der Bombenangriff im Frühjahr 1941 auf Kiel, bei dem sein Haus zerstört wurde. Möller und seine Frau Frieda erlitten Verletzungen. Seine Bilder und Negative blieben wie durch ein Wunder weitgehend unversehrt. 1946 starb seine Frau an den Folgen ihrer schweren Verbrennungen. Lange Jahre war Möller Mitglied der Reform- und Heimatschutzbewegung Schleswig-Holsteins, die das Landleben stark romantisierte. Möller hat seine Umgebung nicht nur in Bildern dokumentiert, sondern seine Erkenntnisse auch in Büchern festgehalten. Auch diese sind Zeugen einer Zeit, in der die Industrialisierung der Landwirtschaft die Landschaften und das Leben der Menschen in Schleswig-Holstein veränderte.

Im Jahr 1950 überließ er seine große Bildersammlung dem Schleswig-Holsteinischen Landesamt für Denkmalpflege in Kiel, wo die Negative auch heute noch beheimatet sind. Am 10. November 1953 wählte Möller den Freitod.

Von den im Landesamt für Denkmalpflege archivierten Negativen können sich interessierte Bürger Abzüge machen lassen. Die Nummern der ausgestellten Bilder stehen unter den Bildbeschreibungen. Nach der Ausstellung können die Bilder weiterhin im Rathaus der Stadt Fehmarn in Burg besichtigt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.