13. Jahrgang der Inselschule diskutiert gesellschaftspolitisches Thema mit Expertin Dr. Liane Bednarz

Neue Rechte: Es braucht den Diskurs

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Der 13. Jahrgang der Inselschule versammelte sich am Montag zur Diskussion über neurechte Bewegungen.

FEHMARN -mb- Neurechte Bewegungen als Vehikel und neue Heimat unterrepräsentierter konservativer Bevölkerungsgruppen oder steht unsere Demokratie zur Disposition? Normal oder gefährlich, kann die etwas plakative Frage lauten. Wer sich heutzutage mit politisch-gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen auseinandersetzt, kommt an der Neuen Rechten nicht vorbei. Grund genug, sich mit der Thematik konkreter zu beschäftigen, entschied Udo Wolf, Philosophielehrer an der Inselschule. Gemeinsam mit fachlicher Unterstützung durch Dr. Liane Bednarz nahm sich am Montag der gesamte 13. Jahrgang der Thematik an. Nach einer Informationsrunde stand eine lebhafte Diskussion an. Deutlich wurde: Die Komplexität der Thematik ist nicht zu unterschätzen.

Zum Auftakt der Veranstaltung sahen die Schüler einen rund zehnminütigen Beitrag aus dem 3sat-Magazin „Kulturzeit“, anschließend führte Bednarz vertiefend in das Thema ein. Die promovierte Juristin ist Autorin, journalistisch tätig und stellt auf Facebook ihre Überzeugungen zur Diskussion.

„Wenn wir hören, dass der CSU-Politiker Alexander Dobrindt von einer konservativen Revolution spricht, führt dies ins Zentrum der Diskussion“, beschrieb die Expertin in ihrer Einführung. Ein Sammelbegriff, der auf einen der Vordenker der Neuen Rechten, Armin Mohler, zurückgehe und sich als eine Gruppe ideologischer Strömungen im Kontext der Weimarer Republik entwickelt hatte. Grundgedanke: Der Nationalsozialismus hat das Konservative missbraucht. Übergeordnetes Ziel ist es, diesen Begriff zu rehabilitieren und die Neue Rechte hoffähig zu machen.

Darüber hinaus sei die Bewegung ziemlich uneins, schilderte Bednarz weiter. Beschränkte sich der „Kulturzeit“-Beitrag auf den radikalen Flügel der Bewegung, unter anderem über Götz Kubitschek, Publizist und Ikone der Neuen Rechten, und den österreichischen Studenten Martin Seller, einem der führenden Köpfe der Identitären Bewegung, nannte Bednarz als Beispiel die deutsche Wochenzeitung „Junge Freiheit“. „Sie steht für den moderaten Flügel, was die deutliche Kritik am Thüringer AfD-Fraktionschef Björn Höcke verdeutlicht.“

Zur Einordnung sei es wichtig, so die Juristin, dass man wissen müsse, dass die Neue Rechte nicht rechtsextremistisch sei, da sie nicht das Grundgesetz bekämpfe beziehungsweise verfassungsfeindlich sei und auch Gewalt nicht als Mittel zum Erreichen der eigenen Ziele als legitim erachten würde.

An drei Charakteristika der Neuen Rechten – ethnopluralistisch, antiliberal und antipluralistisch – konnten sich die Jugendlichen als Orientierung abarbeiten. Umgehend stellte sich heraus, dass es bereits mit dem Verständnis der Begrifflichkeiten beziehungsweise deren Definitionen Probleme gibt.

Gerade das antiplurale Element könne man doch auch als klare, unmissverständliche Haltung einer politischen Meinung verstehen, äußerte ein Schüler – „weniger schwammig als die politische Diskussion heutzutage“. Bednarz: Für politische Überzeugungen zu kämpfen, sei jedoch nicht antipluralistisch, vielmehr ist es „die Ablehnung Andersdenkender und deren Diskreditierung.“

Auch das antiliberale Ansinnen der Neuen Rechten wurde von den Schülern nicht per se als falsch verworfen. Die Annahme, Menschen wären in Kollektiven zu Hause, sei nicht abwegig, brachte ein Schüler in die Diskussion ein. Es sei eine Form, sich selbst zu definieren und der Nationalstaat ein notwendiger Ausdruck dessen. Udo Wolf merkte an, dass für ihn Identitäre vielmehr ein Zwangskollektiv anstreben würden – Ikonografie, Bombast und die Fahnenmeere seien Anzeichen dafür.

Was bedeutet es, neurechts zu denken?

Geboren wurde die Veranstaltung aus der Unterrichtsreihe „Extreme Rechte und Linke im Vergleich“. Aufgrund der Relevanz des Themas habe er den gesamten 13. Jahrgang zu dieser Doppelstunde eingeladen, erklärt Udo Wolf und weiter: Wichtig sei natürlich die thematische Aufklärung, die Schaffung einer Informationsgrundlage, was es bedeute, neurechts zu denken – „nämlich weniger Freiheit und weniger Pluralismus“. Insbesondere als Philosophielehrer ist es für Wolf wichtig, dass Schule als ein Ort weltanschaulicher Neutralität verstanden wird. „Es ist ein Raum für ganz unterschiedliche Meinungen, die dann zur Diskussion gestellt werden können.“

Ganz der Lehrer, gab Wolf natürlich auch eine Literaturempfehlung zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema: „Mit Rechten reden: Ein Leitfaden“, heißt das Buch. „Der Titel bringt es auf den Punkt – dem Diskurs dürfen wir uns nicht verweigern“, so Udo Wolf.

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