Stadtmission plant einiges in Albertsdorf

Neuer Wind im Haus "Martini"

Das Team vom Haus „Martini“ im neu eingerichteten Andachtsraum (v. l., hinten): Bernhard Flügger, Christine Stomberg, Volker Delfskamp und Jürgen Höppner, Leiter der Gästehäuser bei der Berliner Stadtmission. Vorne von links: Britta Evers, Kirsten Wiepert und Regina Scheibal.

ALBERTSDORF (nic) • „Uns war wichtig, dass die inhaltliche Arbeit weitergeht. Die Arbeit mit und an Familien.“

Jürgen Höppner, Leiter der Gästehäuser bei der Berliner Stadtmission und für die gemeinnützigen Gästehäuser zuständig, beschrieb eines der Hauptmotive der Mission im März dieses Jahres zu sagen: Wir übernehmen das Freizeitheim „Martini“ in Albertsdorf.

In der rund 40-jährigen Geschichte des Hauses ist es der erste Wechsel. 39 Jahre war die Kirchengemeinde Bielefeld Träger. Als die Berliner Stadtmission von der Aufgabe des Hauses auf Fehmarn hörte, kämpfte sie um „Martini“. „Es waren zähe Verhandlungen“, erinnerte sich Jürgen Höppner. Und nur so viel: „Geschenkt bekamen wir das Haus nicht.“ Manchmal kommt nämlich auch das vor. „Hier habt ihr ein Haus – macht was draus“, hätte die Stadtmission mit ihren Arbeitsbereichen Mission, Diakonie und Begegnung nicht zum ersten Mal gehört.

Jetzt betreibt also die Berliner Stadtmission, die als freies Werk der evangelischen Kirche seit 130 Jahren diakonisch und missionarisch in Berlin und Brandenburg arbeitet, das Haus und hat einiges vor.

„Wollen kein Fremdkörper sein“

Dabei soll „Martini“ unter dem neuen Betreiber keinesfalls ein Fremdkörper sein, kein Getto, sondern sich mit all seinen offenen Angeboten, die geplant sind, gut ins Dorf einpassen. „Wir freuen uns auf eine gute Nachbarschaft“, so Jürgen Höppner vor knapp 50 Gästen, überwiegend Albertsdorfer, die der Einladung der Stadtmission Berlin am Donnerstagabend gefolgt waren. „Und wir waren sehr erfreut zu hören, dass ‚Martini‘ weitergeführt wird“, so Wolf Micheel-Sprenger, Mitglied im Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Landkirchen. Die Weiterführung im christlichen Raum sei durch die Stadtmission gewährleistet.

Im Seminarraum des Freizeitheims erfuhren die Gäste jede Menge über die Berliner Stadtmission und die Arbeitsbereiche des selbstständigen Vereins unter dem Dach der evangelischen Kirche in Berlin – Brandenburg – schlesische Oberlausitz.

„Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn“, wählten die Gründer der Berliner Stadtmission 1877 den Vers aus dem Alten Testament als Leitwort. „Und das Beste einer Stadt sind die Menschen“, so Jürgen Höppner. Ihnen wieder eine Lebensperspektive zu geben, sei Aufgabe der Stadtmission, die sich auch um Obdachlose kümmere. Ab dem 1. November sei in Berlin wieder der Kältebus unterwegs, um Menschen zu helfen, ihnen eine Übernachtungsmöglichkeit zu geben. Zumindest eine warme Decke und ein heißes Getränk, wenn sie keine weitere Hilfe annehmen wollten.

Familienarbeit, Sport,Gesundheit, Seminare

Drei Schwerpunkte setzt die Berliner Stadtmission fürs Haus „Martini“, ein Haus für Familien, Einzelreisende und Gruppen. Einer ist die Familienarbeit. Nicht nur Familienerholung, auch Familienbildung sei wichtig, sollen zu diesem Zweck pädagogische Mitarbeiter eingestellt werden, so Höppner. Weiter soll das Thema „Sport und Gesundheit“ aufgearbeitet werden. Ob Surfen, Reiten oder Radfahren... – Fehmarn habe eine große Auswahl an sportlichen Aktivitäten zu bieten, so der Leiter der Gästehäuser. Derzeit stecke die Stadtmission noch in Verhandlungen mit einer Agentur für Surfreisen. Und, nicht zu vergessen, man werde Seminare im Haus entweder selbst anbieten oder anderen Veranstaltern Raum zur Verfügung stellen.

Rund 7 000 Übernachtungen hatte das Freizeitheim „Martini“ in dieser Saison. Am Montag wird es „winterfest“ gemacht. Vier Monate wird es im „Winterschlaf“ schlummern, im März startet die Crew dann wieder durch. Dann auch mit neuer Hausleitung. So ist es zumindest vorgesehen. In dieser Saison hatte diese Aufgabe die sechsköpfige „Martini“-Crew neben ihrer Arbeit noch mitgewuppt. Geplant war dies so nicht. Ein Ehepaar, das das Haus hätte leiten sollen, war quasi mit Start der Saison „verlustig“ gegangen, so Höppner. Und so hatten die guten Geister von „Martini“ die Hausleitung kurzerhand mitübernommen. Keine leichte Aufgabe, bei vielen kurzfristigen Buchungen. Die hohe Wechselfrequenz brachte viel Arbeit mit sich. Zum Saisonauftakt im Frühjahr soll dahingehend Abhilfe geschaffen werden. Apropos schaffen: Eingerichtet ist bereits im Freizeitheim ein Andachtsraum. Ein Raum der Stille, der Besinnung, den alle nutzen könnten. Beispielsweise auch Radfahrer, die, auf dem Mönchsweg im Rahmen von „Bed & Bike“ unterwegs, auf ihrem Weg vielleicht nur kurz für ein Gebet innehalten wollten.

Was die generelle Aufenthaltsdauer betreffe – die durchschnittliche Verweildauer liege mittlerweile nur noch zwischen fünf und zehn Tagen – mache er der Landesregierung einen Vorwurf, so Jürgen Höppner. Früher habe es Individualzuschüsse gegeben, die jedoch in fast allen Bundesländern gekürzt worden seien.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.