Brief an die Landespolitik: Ferienhöfe fordern kurzfristige Perspektive und Gleichbehandlung

Mut zum Neustart

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Sie vertreten fünf der neun Ferienhöfe Fehmarns, die den Brief an die Landespolitik unterzeichnet haben (v.l.): Iris Riessen, Clemens Rahlf, Eva-Maria Köhlbrandt mit ihren drei Kindern, Holger Wilder und Nico Lafrenz mit Sohn.

Fehmarn –mb/hö– Quasi über Nacht wurde im März der Tourismus im Land zum Stillstand gebracht, um die Ausbreitung Sars-CoV-2-Virus zu verlangsamen. Fast zwei Monate später soll die Branche nun wieder hochgefahren werden, was sich ungleich schwieriger gestaltet. Erste Schritte sind in Kiel mit Beginn dieser Woche bereits beschlossen worden, weitere sollen folgen. Eine Telefonkonferenz mit den Länderchefs und der Bundeskanzlerin am heutigen Mittwoch könnte mehr Klarheit bringen, wie der Weg zur neuen Normalität im Tourismus aussehen kann.

„Kurzfristige Perspektiven für einen Neustart“ erhoffen sich derweil Ferienhofbetreiber, von denen es auf Fehmarn nicht wenige gibt, von der Landespolitik. Mit einem Brief, gerichtet an das Land Schleswig-Holstein, setzen die Vertreter des Landtourismus auf einen Neustart, der „verantwortungsvoll gestaltet“ sein soll. Entsprechende Maßnahmen legen sie dar und wollen der Politik damit einen „praktikablen Weg aufzeigen, wie sanfter Tourismus in Schleswig-Holstein in naher Zukunft wieder möglich ist“.

Dass sich die Ferienhofbetreiber umfangreiche Gedanken gemacht haben, steht außer Frage. So liest sich das Schreiben an Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), den Landtag und alle Minister, das dem FT vorliegt, auch nicht nur als Hilfegesuch an die Politik, sondern auch als Anleitung zum Neustart.

Ob die Zusendung einer Checkliste zum Gesundheitszustand der anreisenden Gäste, die Nutzung der Spielgeräte und Gemeinschaftsräume, Lösungen für bis auf Weiteres entfallende Gemeinschaftsveranstaltungen im Familienkreis, bauliche Hygieneschutzmaßnahmen, Möglichkeiten eines kontaktlosen Check-in bis hin zur Reaktionsfähigkeit eines Ferienhofes, wenn es zu neuen Regelungen kommen sollte – nichts soll für die Gäste dem Zufall überlassen werden.

Bis ins kleinste Detail sind im Anhang des Schreibens zudem Schutz- und Hygienepläne für alle Mitarbeiter dargelegt. Darin ist für Ferienwohnungen und Rezeption niedergeschrieben, wie Reinigung und Desinfizierung zu erfolgen haben. Selbst eine Anleitung zum Tragen und korrekten Ausziehen der Schutzhandschuhe gehört dazu.

Öffnung von 50 Prozent strukturell nicht machbar

Allerdings belassen es die Unterzeichner nicht bei einer Anleitung zum Neustart, sondern erinnern die Politik auch daran, dass „Urlaub auf dem Bauernhof“ kein Massentourismus sei. Eine Belegung von maximal 50 Prozent lasse die Struktur der Betriebe nicht zu. Man habe keine Kontingente, wie es in der Hotellerie üblich sei. „Eine Staffelung würde bedeuten, dass wir einzelnen Familien absagen müssen, während andere Familien den Urlaub in Anspruch nehmen können“, so Holger Wilder von der Büdlfarm in Sahrensdorf. Das sei schlichtweg nicht vermittelbar, schreiben die Ferienhofbetreiber den Adressaten in Kiel.

„Alle Unterkünfte verfügen über autarke Wohneinheiten, sind individuell gestaltet mit eigenen Badezimmern und Küchen“, heißt es weiter. Nicht zuletzt biete die dörfliche Lage an Stränden, Seen, Wäldern und anderen Naherholungsgebieten einen Aufenthalt im Freien mit ausreichender Distanz zu anderen Personen. „Unsere Gäste suchen im Urlaub die Weite, Ruhe und Abgeschiedenheit“, betonen die Unterzeichner.

Deutlicher werden die Verfasser hinsichtlich bereits erfolgter Lockerungen: „Als Betreiber von Ferienhöfen können wir in gleicher Weise wie Campingplätze oder Sportboothäfen den Gesundheitsschutz der Gäste gewährleisten.“ Eine unterschiedliche Behandlung verstoße aus Sicht der Hofbetreiber gegen den im Grundgesetz verankerten Gleichheitsgrundsatz.

So geht es für die Unterzeichner einerseits darum, „gemeinsam Verantwortung zu übernehmen“ und den „Mut zum Neustart“ aufzubringen, gleichzeitig formulieren sie auch eine deutliche Mahnung an die Landespolitik: „Sollte eine Ungleichbehandlung auch in Zukunft bestehen bleiben, könnten wie diese im Interesse unserer Höfe, Familien und Mitarbeiter nicht länger akzeptieren.“

Aufgesetzt haben den Brief elf Ferienhöfe, von denen neun auf Fehmarn betrieben werden. Es sind die Familien Jan Beneken (Staberdorf), Eva-Maria und Hinerk Köhlbrandt (Todendorf), Ulrike und Nico Lafrenz (Klausdorf), Sonja und Achim Liesenberg (Katharinenhof), Sandra und Carsten Paulsen (Staberdorf), Clemens Rahlf (Westermarkelsdorf), Iris und Andreas Riessen (Klausdorf), Telse Voderberg (Westermarkelsdorf) sowie Nadine und Holger Wilder (Sahrensdorf).

Nach zwei Monaten Stillstand hoffen die Betreiber der Ferienhöfe, möglicherweise in der Woche ab 18. Mai wieder an den Start gehen zu können, wenn Hamburg in die Pfingstferien geht. Holger Wilder setzt auf die Ankündigung von Wirtschaftsminister Bernd Buchholz, Ferienvermietung möglicherweise ab 18. Mai wieder zuzulassen.

Doch zunächst steht heute die Bund-Länder-Konferenz auf der Tagesordnung. Vielleicht gibt sie schon Aufschluss darüber, wie es für die Ferienhöfe und dem Produkt „Ferien auf dem Bauernhof“ weitergeht.

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