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Eine erste Ansicht, wie das Fehmarn Hotel Resort, basierend auf einem gültigen B-Plan, aussehen könnte. Die Entwürfe des Architekten Robert Patzschke sind handgezeichnet, „um zu kreativen Lösungen“ zu gelangen.

Van-Herk-Gruppe mit neuem Anlauf für Hotelprojekt am Südstrand – Baubeginn ab Herbst 2017 vorgesehen

Die Niederländer kommen zurück mit dem Fehmarn Hotel Resort

FEHMARN - hö - An der ostholsteinischen Ostseeküste schießen die Hotels und Ferienhausanlagen fast wie Pilze aus dem Boden, Planungen werden fast überall mit Nachdruck vorangetrieben, nur am Südstrand auf Fehmarn herrschte diesbezüglich jahrelange Grabesruhe. Das ist nun vorbei. Am Donnerstag legten Joseph Lemmens van Oelbroeck als Vertreter der niederländischen van-Herk-Gruppe sowie der Projektentwickler Hans Jürgen Götzfried aus München gemeinsam mit dem Berliner Architekten Robert Patzschke erste Entwürfe für das Fehmarn Hotel Resort vor.

Einige Anläufe der van-Herk-Gruppe, am Südstrand ein Hotelprojekt zu realisieren, verliefen seit 2008 immer wieder im Sand, doch nun soll alles besser und endgültig zum Abschluss gebracht werden. Diese Hoffnung haben nicht nur die Investoren, sondern auch die Stadt Fehmarn. Bürgermeister Jörg Weber (SPD) hat in der Kommunikation mit den niederländischen Investoren eine neue Qualität wahrgenommen, seitdem „Albert ten Brinke nichts mehr zu sagen hat“, so Weber gegenüber der Presse.

Investoren 2016 zum dritten Mal auf Fehmarn

Im März war der Bürgermeister mit einer kleinen Verwaltungsdelegation und Tourismusdirektor Oliver Behncke nach Rotterdam gereist – und das erste Eis war gebrochen. Mittlerweile sei man schon zum dritten Mal auf der Insel und habe auch schon Gespräche mit der Kreisbauverwaltung geführt, ließ Joseph Lemmens van Oelbroeck durchblicken, dass die Projektentwicklung mit Nachdruck angegangen wird.

Mit ins Boot geholt haben die Investoren den Berliner Architekten Robert Patzschke. „Einer der besten Architekten Deutschlands“, sparte Hans Jürgen Götzfried nicht mit Vorschusslorbeeren. Die Referenzen mit dem Strandhotel in Zingst, dem Grandhotel Adlon in Berlin oder dem Grandhotel in Heiligendamm können sich sehen lassen.

„Es ist eine besondere Handschrift, die das Projekt auf Fehmarn braucht“, weiß Götzfried, der das Investitionsvolumen des Vorhabens auf 180 bis 200 Millionen Euro taxiert. Das Fehmarn Hotel Resort soll wirtschaftlich auf drei Säulen aufgebaut sein und einen ganzjährigen Betrieb der Anlage ermöglichen. Es umfasst in zweiter Reihe drei Hoteltürme und einen vierten, L-förmigen Komplex sowie zwei Apartment- und Ferienwohnungskomplexe in erster Reihe.

Da gibt es zunächst den Hotelbetrieb, der auf 300 bis 400 Zimmer ausgelegt ist und die Kategorien zwei Sterne bis vier-Sterne-plus umfasst. Der westliche Baukörper, der Meerblick von allen Seiten ermöglicht, soll laut Götzfried das hochpreisige Segment bedienen, der nebenstehende Komplex die drei-Sterne-Klientel, während der dritte Hotelturm jugendliche Gäste anziehen soll. Eine ähnliche Verbindung hat bekanntlich der in Heiligenhafen tätige Investor Jens Sroka mit der Errichtung zweier Hotels gezogen, wobei die bereits eröffnete „Bretterbude“ vornehmlich junge Gäste begeistern soll. Die zweite Säule des Hotelbetriebs wird das Geschäft mit Tagungen sein. „Das Tagungsgeschäft braucht keine Saison und keinen Sonnenschein“, so Götzfried.

Die dritte Säule soll wirtschaftlich vom Gesundheitsgast getragen werden. Vorstellen könne er sich die Errichtung einer Privatklinik und eines angeschlossenen Ärzte- oder Therapiehauses mit mehreren Zimmern; möglicherweise für Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen wie Burn-out.

Die beiden Apartmenthäuser in erster Reihe, die rund 80 Räume in einer Größenordnung von 60 bis 120 Quadratmetern vorhalten, sollen vom Hotel aus mitbewirtschaftet werden. „Ein Dauerwohnrecht gibt es nicht“, stellte Götzfried klar.

400 neue Arbeitsplätze

Er ist überzeugt, dass das Gesamtprojekt dem Südstrand „360 Tage statt der üblichen 200 Tage Leben einhauchen“ werde. Zurzeit sehe es doch „arg friedhofsmäßig“ aus, so die Einschätzung des Projektentwicklers aus der bayerischen Landeshauptstadt. Er rechnet damit, dass rund 400 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Im Vorfeld habe er Gespräche geführt mit mehreren potenziellen Betreibern und sei auf „sehr zufriedenstellende Resonanz“ gestoßen, ist Götzfried zuversichtlich, mit einem potenten Betreiber abschließen zu können.

Ein weiteres wichtiges Element der Planung, so Architekt Robert Patzschke, sei die Errichtung eines verbindenden und als Flaniermeile gedachten Kolonnadenganges, ausgestattet mit gewerblichen und gastronomischen Einheiten. Überirdische Stellplätze soll es nicht geben, vorgesehen ist der Bau einer großen Tiefgarage mit 300 bis 400 Stellplätzen.

Robert Patzschke stellte zudem heraus, dass Grundlage aller Planungen der gültige B-Plan sei. Eine etwaige B-Plan-Änderung würde allein die Planungsphase des Projekts um etwa eineinhalb Jahre verlängern. Und mit dem Kreis sei eine Änderung des B-Plans nach den eigenen Vorstellungen auch nur schwer zu machen, sodass man sich entschlossen habe, den alten B-Plan als verbindliche Vorgabe zu nehmen.

24 Monate Bauzeit  

Deshalb könne man planerisch sofort loslegen, gilt es nach den Vorstellungen von Hans Jürgen Götzfried, keine Zeit mehr zu verlieren. Baubeginn könnte dann im Herbst 2017 sein. Das ehrgeizige Ziel: 24 Monate Bauzeit und 2019 schon die ersten Gäste beherbergen. „Nach dem ersten Spatenstich wird weltweit geworben“, war Götzfried bei der gestrigen Präsentation der Planungen kaum zu bremsen. Er ging sogar so weit zu sagen, das auf drei Säulen aufgebaute Fehmarn Hotel Resort sei ein Projekt mit „Kapitalunverlierbarkeitsgarantie“.

Marcel Quattek, Fachbereichsleiter Bauen und Häfen, hält die Einbindung der Planung für das Fehmarn Hotel Resort in das Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz für die Tiefehalbinsel für unbedenklich und setzt dabei auf die Erfahrung des Architekten.

Architektur im Bäderstil ist eine Option für das Millionenprojekt.

Patzschke kann sich vorstellen, das „klassische Architekturumfeld der Ostseebäder“ in das Projekt einzubringen. Erste Entwürfe sind auch für Tourismusdirektor Oliver Behncke und den Tourismusausschussvorsitzenden Gert Jacobsen (FWV) vielversprechend.

Allerdings sehen die Investoren auch die Stadt Fehmarn noch in der Verantwortung, wenn es darum geht, den angestrebten Bau einer Seebrücke in das Projekt zu integrieren.

Das Fehmarn Hotel Resort wurde erst in der letzten Woche auf der Messe Expo Real in München, der größten Fachmesse der Welt für Immobilien und Investitionen, öffentlich präsentiert. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer, der in München vor Ort war, sei vom Projekt angetan gewesen, teilte Bürgermeister Jörg Weber mit, der mit Oliver Behncke ebenfalls in München war. Inwieweit es Fördermöglichkeiten für eine Seebrücke gebe, wolle das Ministerium überprüfen, so Weber.

Offen ist noch, was mit dem Haus des Gastes passiert. Hier sei man aber bestrebt, das Gebäude an die Stadt Fehmarn zurückzugeben, teilte Joseph Lemmens van Oelbroeck mit. Über Preise sei noch nicht gesprochen worden, hier stehe man noch am Anfang der Verhandlungen.

Einen Tag zuvor waren bereits die fünf im Stadtparlament vertretenen Fraktionen über die Planungen unterrichtet worden. Die Mitglieder zeichneten ein durchweg positives Bild. Alle sind froh, dass der Stillstand am Südstrand ein Ende haben soll. Eine Stimme von Bündnis 90/Die Grünen konnten wir am Donnerstag nicht einfangen.

„Es hat uns gefallen“, so CDU-Fraktionschef Werner Ehlers, der für sich und seine Fraktion von einem stimmigen Konzept sprach, das sehr positiv aufgenommen worden sei. „Viel harmonischer als früher und es bleibt im Rahmen des B-Plans.“

„Ich bin froh, dass wieder Bewegung in die Sache gekommen ist“, ergänzte Hans Jürgen Fendt (SPD). Bei den Planungen sei ein gutes Ergebnis harausgekommen, an dem aber noch gearbeitet werden müsse. Den Resortbetrieb auf mehrere Säulen aufzubauen, das sei sinnvoll.

Die Freien Wähler sind vorsichtig optimistisch gestimmt. Fraktionssprecher Carsten Mackeprang: „Wir freuen uns, dass es weitergeht. Das Konzept ist realistischer als die letzten Vorstellungen, als es nur um verschiedene Pastellfarben ging. Jetzt ist das Projekt mit betriebswirtschaftlichen Daten hinterlegt worden.“ Allerdings gebe es in diesem Planungsstadium noch eine Menge zu tun, warnte Mackeprang.

„Sehr positiv“ aufgenommen hat auch Gunnar Mehnert (WUW) das vorgestellte Konzept. Eine Seebrücke am Südstrand zu haben, wäre nicht schlecht, so Mehnert, der aber vermutet, dass allein die Planung nicht in einem halben Jahr zu bewältigen sei. Und realisierbar sei eine Seebrücke wohl auch nur mit öffentlicher Förderung, so die Einschätzung Mehnerts. In einem Atemzug erinnerte er aber auch daran, dass man die anderen Strände an Fehmarns rund 75 Kilometer langen Küste nicht vernachlässigen dürfe.

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