Bannesdorf kann keinen Wehrführer wählen – Wohnung im Ausrückbezirk gefordert

Was nun? 300 Meter fehlen

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Tobias Domke würde für das Amt kandidieren. Er darf nicht, er wohnt nicht im eng definierten Ausrückbereich.

FEHMARN –hö- Was nun? Die Freiwillige Feuerwehr Bannesdorf sucht einen neuen Wehrführer – und findet keinen. Zwei geeignete Kandidaten aus den eigenen Reihen gibt es zwar, doch die dürfen das Amt nicht wahrnehmen, weil sie nicht im Ausrückbereich der Wehr wohnen. Beim hochqualifizierten Tobias Domke fehlen ganze 300 Meter, Florian Nietmann, erster Stellvertretender Wehrführer, wohnt in Seelust. Unter den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bannesdorf macht sich deshalb Unmut breit.

Das zeigte sich überdeutlich auf der Jahreshauptversammlung, die am Sonnabend im Gasthof Meetz abgehalten wurde. Der seit zwei Jahren „beauftragte Wehrführer“ Andreas Schacht hatte gleich zu Beginn der Sitzung in seinem Jahresbericht auf das große Problem aufmerksam gemacht, mit dem sich die Wehr seit zwei Jahren herumschlägt. „Das Jahr war bestimmt durch die Suche nach einem neuen Wehrführer, der mich heute ablösen soll, aber wie es aussieht, konnte kein Nachfolger gefunden werden“, so Schacht. Eine Nachfrage bei Bürgermeister Jörg Weber: „Bei uns ist kein Vorschlag eingegangen.“

Folglich konnte im Gasthof Meetz kein neuer Wehrführer gewählt werden. Führungslos ist die Wehr aber nicht, denn als Ehrenbeamter bleibt Andreas Schacht so lange im Amt, bis ein neuer Wehrführer vereidigt ist. Gemeindewehrführer Volker Delfskamp wurde deutlich. „Das Problem schieben wir seit zwei Jahren vor uns her, ihr habt es gewusst, das einzig Gute ist, dass bis zur Vereidigung eines neuen Wehrführers der alte im Amt bleibt.“ Die Wehr hätte viele junge Leute, die infrage kämen, diese Aufgabe zu übernehmen, meinte Delfskamp. Und er setzte den Bannesdorfer Kameraden sogleich die Pistole auf die Brust: „Ihr seid gefordert, das in den nächsten drei Monaten zu regeln, sonst haben wir ein Problem mit der Aufsichtsbehörde. Das kann so nicht weitergehen.“

Gegen diesen Tonfall regte sich Widerstand, der am Ende der Sitzung dann offen ausgetragen wurde. Die Bannesdorfer Kameraden haben noch nie ein Blatt vor den Mund genommen, wenn ihnen etwas nicht passt. „Es ist nicht so, dass wir nicht gesprochen haben“, sagte der ehemalige Wehrführer Rolf Möller. Man habe zwei Kandidaten gefunden, doch die dürften nicht. Die strikte Auslegung des Ausrückbezirks von vier Kilometern sei das Problem, so Möller. „Der Ausrückbezirk ist klar definiert. Hier 300 Meter, da 300 Meter, das geht so nicht“, entgegnete Delfskamp, der auf das Brandschutzgesetz und die strengen Vorgaben des Kreisfeuerwehrverbandes verwies. Auf diesen 300 Metern zu bestehen, konnte Josef Meyer, seit über zwei Jahrzehnten in der Wehr, nicht nachvollziehen. Und auch Andreas Schacht reagierte mit typisch Bannesdorfer Deutlichkeit. „Die Gemeindewehrführung macht es sich teilweise zu einfach. Verpflichtung heißt nicht, ich übernehme jeden Posten. Es bedarf eines Kompromisses und keiner Zwangsverordnung“, forderte er hinsichtlich die Fristsetzung, im ersten Quartal das Problem zu lösen.

„Die Wehrführersituation macht mir schwer zu schaffen“, sagte Bürgermeister Jörg Weber sorgenvoll. Er warb aber auch um Verständnis für die Gemeindewehrführung. Auf jeden Fall wolle er das Thema auch auch einmal beim für kommenden Freitag geplanten Besuch von Innenminister Grote ansprechen, so Weber. Gleichzeitig dankte er den jungen Bannesdorfer Kameraden, die sich für Ämter zur Verfügung stellen würden. Beispielsweise bei Simon Meyer, der derzeit noch die Meisterschule besucht, beruflich stark eingespannt ist und kurz zuvor zum 3. stellvertretenden Wehrführer gewählt worden war. Stellvertretender Kassenwart ist ab sofort Carsten Wohler, zweiter Kassenprüfer Jochen Czwalina.

Andreas Schacht (l.) und Matthias Meetz (r.) erhielten aus den Händen von Bürgermeister Jörg Weber das Brandschutzehrenzeichen am Bande in Gold überreicht.

Dankesworte richtete der Bürgermeister auch an Andreas Schacht. Weber bedauerte, dass „solche Themen“ wie ein fehlender Wehrführer die schönen Dinge einer Jahreshauptversammlung überlagern würden. Und hierzu zählte die Verleihung des Brandschutzehrenzeichens am Bande in Gold für 40-jährige Zugehörigkeit zur Freiwilligen Feuerwehr. Überreicht wurde diese Auszeichnung an Hauptlöschmeister Andreas Schacht sowie Löschmeister Matthias Meetz, die sich während Schneekatastrophe 1978/79 dazu entschlossen hatten, in die Feuerwehr einzutreten, um ehrenamtlich Hilfe zu leisten.

Ferner wurde am Sonnabend eine Beförderung ausgesprochen: Carsten Wohler ist jetzt Oberfeuerwehrmann. Als Feuerwehrmann verpflichtet wurde Jochen Czwalina.

Zum 31. Dezember 2018 verfügte die Freiwillige Feuerwehr Bannesdorf über 27 aktive Kameraden. Diese hatten im vergangenen Jahr 16 Einsätze zu bewältigen, dazu zählten drei Unwettereinsätze sowie vier Alarmierungen bei einem Brand beziehungsweise der Nachbarschaftshilfe. An den 17 Übungsabenden hätte sich der Wehrführer allerdings eine stärkere Beteiligung gewünscht. Seine Enttäuschung darüber verbarg er nicht.

Herausragende gesellschaftliche Veranstaltungen waren laut Schacht das traditionelle Oktoberfest, das am 21. September 2019 eine Neuauflage erleben soll, eine Reise nach Potsdam sowie das Passivenfest mit über 100 Teilnehmern. Neben dem Oktoberfest soll es 2019 noch eine Tour nach Mallorca geben. Als Weihnachtsfeier geplant wird der Besuch des Weihnachtsmarktes in Kopenhagen.

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