148 Flüchtlinge auf Fehmarn / Ehrenamtliche Helfer vermissen Teilhabe der Politik

Öffentliches Interesse gering

+
Das öffentliche Helfertreffen der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe blieb größtenteils eine Veranstaltung ohne Öffentlichkeit.

FEHMARN – Von Manuel Büchner  Helfertreffen XXL – so könnte man die Veranstaltung am Mittwochabend im evangelischen Gemeindehaus bezeichnen. Die Stabsstelle Asyl stellte ihren Arbeitsbericht vor, die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe gab einen Einblick in ihr Wirken – alles öffentlich, Bevölkerung und Politik waren eingeladen. Größtenteils blieb die Runde unter sich. Aus der Politik kamen Pilar Schwenn (FWV) und Martin Brügmann (CDU), bürgerliche Mitglieder im Sozialausschuss.

Kurt-Henning Marten, Asylkoordinator und Chef der Stabsstelle, die es seit Dezember 2015 gibt, berichtete von einer hohen Fluktuation unter den Asylbewerbern und Flüchtlingen. Seit Beginn sind es 183 Zuzüge und 191 Wegzüge. 148 Flüchtlinge sind es momentan auf Fehmarn. Seit 2017 ist die Zahl wieder leicht gestiegen. Die Quote habe Fehmarn für 2019 bereits erfüllt. „So können wir besser planen und Überkapazitäten abbauen“, erklärte Marten. So ist die Unterkunft in Albertsdorf bereits geschlossen, zum 30. September soll Vadersdorf folgen. Restliche Bewohner müssten dann nach Puttgarden oder in den Eschenweg umziehen, sagte der Asylkoordinator – „aber am besten in die eigene Wohnung“. 41 Prozent der Flüchtlinge haben das bereits geschafft. Zudem schreite die Integration weiter voran. Viele seien in die gesellschaftlichen Strukturen der Insel – sei es in Vereinen, Feuerwehr, Tafel, Kitas und Schulen – eingebunden. „Das ist die Ernte der problemorientierten Arbeit von Flüchtlingshelfern und Stabsstelle“, betonte Marten.

Dennoch gebe es auch zahlreiche Probleme – vor allem im Eschenweg. „Es sind Notunterkünfte und keine Sozialwohnungen, und so müssen wir sie auch sehen.“, sagte Marten mit Blick auf die Problematik eigener Möbel in den Räumlichkeiten (wir berichteten). Zumal, so der Asylkoordinator, die Wohnungen auch für die Unterbringung von Personen mit drohender Obdachlosigkeit bereitstehen müssen. Dafür ist die Stabsstelle seit Februar 2018 ebenfalls zuständig. 19 Personen sind es zurzeit. Auch hier ist die Fluktuation hoch.

Flüchtlingshilfe sucht weitere Betreuer

Über die Arbeit der Flüchtlingshilfe berichteten Gesine Hansen und Jörg Ehlers. Jetzt habe die wirkliche Integrationsarbeit begonnen, so Ehlers und zählte amtliche Schreiben, Wohnungssuche und auch die Unterstützung bei juristischen Problemen auf – nicht zuletzt die Betreuung der eigenen Schützlinge in den Deutschkursen. Genau an der Stelle wünscht sich die Flüchtlingshilfe noch Unterstützung aus der Bevölkerung. „Wir brauchen weitere Betreuer“, so Hansen. Wer Interesse hat oder zunächst weitere Infos braucht, kann sich bei Kurt-Henning Marten unter 04371506627 melden.

In der abschließenden Aussprache wurde auch Kritik an der Stadt und den Stadtvertretern laut. „Kommt ihr zurecht mit der ausgedünnten Personaldecke?“, lautete eine Frage aus der Runde. Hintergrund: In Spitzenzeiten hatte die Stabsstelle fünf Mitarbeiter, momentan sind es drei, wobei Asylbetreuerin Birgit Schulz an anderer Stelle in der Verwaltung aushelfen musste. Marten mit diplomatischem Balanceakt: „Probleme mit der Personalausstattung haben an der einen oder anderen Stelle fast alle Kommunen und auch die anderen Fachbereiche in unserer Stadtverwaltung“.

Auch der Satz, die Stadtvertreter wüssten größtenteils nichts über die Arbeit der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe auf Fehmarn, sorgte für nickende Köpfe. Pilar Schwenn brach eine Lanze für ihre Kollegen. „Auch wir sind Ehrenamtler, versuchen, uns möglichst umfänglich zu informieren, aber können nicht überall teilnehmen.“ Dass trotz offizieller Einladung durch die Stabsstelle die Resonanz eher mau blieb, ließ Schwenns Einwand eher verpuffen. Unverständnis herrschte auch darüber, dass es bisher keine offizielle Begehung der Unterkünfte durch Stadtvertreter gegeben hätte. Martin Brügmann rief den Helferkreis dazu auf, sich in den entsprechenden Ausschüssen zu Wort zu melden. „Dort können sie die Politik von ihrem Anliegen überzeugen, die dann nicht mehr wegschauen kann.“

Mediator vermisst Kompromissbereitschaft

Dass zwischen Stabsstelle und Ehrenamt nicht immer alles problemlos vonstattengeht, eröffnete die Frage vom Matthias Wiechmann, Propst im Ruhestand, der wissen wollte, wie die Aussprache mit dem Ehepaar Weylkirchner verlaufen sei. Brügmann, der Ende November von der Politik zum Mediator bestimmt wurde, machte ein ratloses Gesicht. Er habe keinerlei Bekundungen erkennen können, dass sich das Ehepaar wieder in den Helferkreis integrieren wolle. „Auch eine Kompromissbereitschaft konnte ich nicht sehen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.