Seniorenbeirat und Gleichstellungsbeauftragte wollen Großelternbörse auf Fehmarn etablieren

Omas und Opas zur Leihe

Pauline (5) und Luis (3) freuen sich über Leih-Omi Eleonore Witt, denn ihre richtigen Großeltern leben in 700 Kilometer Entfernung.

FEHMARN (pl) • „Es gibt immer mehr rüstige Rentner, die sich nur allzu gern um Kinder kümmern würden, deren Enkel aber weit entfernt wohnen.

Gleichzeitig steigt die Zahl der Familien und Alleinerziehenden, deren Kinder keine Großeltern mehr haben oder die auch durch große Entfernungen voneinander getrennt sind.“ Fehmarns Gleichstellungsbeauftragte Giesa Wulf beschreibt die Situation, die sie und den Seniorenbeirat auf die Idee brachte, eine so genannte Großelternbörse auf der Insel einzurichten. Das Ziel: Leih-Omas und -Opas zu vermitteln, wenn Mama oder Papa mal weg müssen.

Eines ist den Initiatoren sehr wichtig: „Es geht dabei nicht um billigen Ersatz für Tagesmütter oder Babysitter“, sagt Eleonore Witt vom Seniorenbeirat. Vielmehr sei angedacht, das Angebot zu nutzen, wenn Vater zum Arzt muss, Mutti zum Frisör will oder die Eltern einfach mal ein Stündchen für sich brauchen. „Man kann viele Situationen nennen, in denen Großeltern fehlen. Zum Beispiel, wenn zuhause eine Spielzeugeisenbahn aufgebaut werden soll, Mama abends zum VHS-Kurs gehen möchte, oder wenn einfach der Wunsch besteht, ganz Jung und ganz Alt zusammenzubringen, vielleicht bei einem generationenübergreifenden Picknick“, so Giesa Wulf.

Initiatorin Witt sieht Vorteile für alle Beteiligten: „Für ältere Menschen ist es eine Bereicherung, sie halten sich jung und fit und müssen flexibel sein, um sich auf die junge Generation einzustellen. Die Familien werden entlastet. Und die Kinder haben – wenn die Chemie stimmt – eine zusätzliche Bezugsperson. Außerdem kennen die Alten noch die Zeit, in der Gameboy, Playstation und Dauer-TV-Konsum noch Fremdwörter waren und die Kinder noch Fantasie und Kreativität einsetzen mussten, um sich zu beschäftigen. Vielleicht kann das in dem einen oder anderen Fall weitergegeben werden.“ Vorgesehen sind auch regelmäßige Treffen der Aushilfsgroßeltern zwecks Gedankenaustausches oder für gemeinsame Unternehmungen.

Dass sich Leih-Omi bzw. -Opi und Kind sofort verstehen, ist keine Selbstverständlichkeit. Deshalb werden zu Beginn des Kontaktes Kennenlerntreffen angeboten, damit die Kinder ein Vertrauensverhältnis aufbauen können. Damit auch von Seiten der Eltern keine Bedenken aufkommen, führt der Seniorenbeirat von den Leih-Großeltern Personalbögen. Für den Versicherungsschutz sorgt die Kommune.

Bisher kann der Seniorenbeirat auf drei Leih-Omas zurückgreifen, ein Leih-Opa hat sich noch nicht gefunden. „Wir möchten ältere Fehmaranerinnen und Fehmaraner ermutigen, keine Berührungsängste zu zeigen und sich als Oma oder Opa zur Verfügung zu stellen“, appelliert Eleonore Witt. Wer also gerne als Opa oder Oma einspringen möchte, setzt sich mit Giesa Wulf (z 0 43 71 / 506 132) in Verbindung.

Die fehmarnsche Großelternbörse ist einzigartig im nördlichen Ostholstein. Andere generationenübergreifende Projekte des Seniorenbeirates sind zum Beispiel das Hinarbeiten auf eine barrierefreie Innenstadt zusammen mit Schulkindern oder die regelmäßige Plattdeutschstunde mit Margund Scheel im Burger Kindergarten Wirbelwind.

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