Der Weiße Ring blickt zurück auf 2007 – Zahl der Gewaltverbrechen steigt

"Opfer in den Fokus rücken"

Jens-Uwe Dankert, Leiter des Weißen Rings Ostholstein: „Die Kriminalität mehr aus der Pers-pektive des Betroffenen behandeln.“

Von Dorothee Zielke OSTHOLSTEIN • Für viele Menschen in Ostholstein und auch auf Fehmarn waren die stets ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter des Weißen Rings im vergangenen Jahr der erste Rettungsanker. Menschen, die einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sind und deren Angehörige finden hier Rat und Hilfe.

Seit Langem arbeitet Jens-Uwe Dankert für den Weißen Ring im Kreis Ostholstein, seit anderthalb Jahren in leitender Position. Auf Fehmarn hätten sich im vergangenen Jahr fünf Betroffene an die Organisation gewandt, so Dankert. Wie überall steige auch auf der Insel die Gewaltkriminalität. Es gäbe auch immer mehr Leute, die von so genannten Stalkern belästigt werden, sagt der pensionierte Polizeibeamte. Stalker verfolgen ihre Opfer beharrlich, sodass diese dadurch mitunter schwere psychische Schäden erleiden. Auch auf Fehmarn trieben Stalker ihr Unwesen, sagt Dankert.

61 Menschen in Ostholstein wurde geholfen

Der Weiße Ring Ostholstein konnte rückblickend auf das abgelaufene Jahr 61 Menschen dabei helfen, ihr Leben möglichst normal fortzuführen. 17 davon wurden Opfer von sexueller Gewalt. Die meisten Opfer von Kriminalität seien nach wie vor Frauen, Kinder und ältere Menschen, geht aus einer Pressemitteilung des 1976 gegründeten Vereins hervor. Der Weiße Ring verzeichnet passend zur aktuellen öffentlichen Debatte eine erhöhte Jugendkriminalität. Auf dieses Thema angesprochen, meint Jens-Uwe Dankert, die Politik müsse die Kriminalität mehr aus der Perspektive des Betroffenen behandeln. Die Rechte des Opfers stünden nicht im Vordergrund. Vielmehr diskutierten die Politiker hauptsächlich über den Täter und sein Motiv. „Dem Opfer ist es im Grunde egal, ob es von einem 17-Jährigen, einem 50-Jährigen, einem Deutschen oder einem Ausländer geschlagen und getreten wird ! Die Bürger haben einen Anspruch darauf, vor kriminellen Übergriffen geschützt zu werden, egal, von wem sie ausgehen“, präzisiert der ehemalige Polizist seinen Standpunkt.

Das Team des Weißen Rings Ostholstein bedankt sich bei allen Spendern, denn durch ihre Hilfe konnte vielen Menschen geholfen werden. Der gemeinnützige Verein hilft Betroffenen unter anderem durch persönliche Betreuung, Unterstützung im Umgang mit Behörden und Begleitung zu Gerichtsterminen. Alle Mitarbeiter erfüllen neben der Opferbetreuung einen Beruf, viele sind Polizisten. Sie werden sorgfältig ausgewählt und geschult, denn die Geschichten, die die Opfer zu erzählen haben, sind häufig auch für nicht unmittelbar Betroffene schwer zu verdauen. Der Weiße Ring bietet unter der Rufnummer z 0 45 21 / 83 05 37 7 rund um die Uhr Hilfe an.

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