Ministerpräsident Daniel Günther trat am Dienstag kurz nach 16 Uhr vor die Presse, um die Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz zu erläutern.
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Ministerpräsident Daniel Günther trat am Dienstag kurz nach 16 Uhr vor die Presse, um die Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz zu erläutern.

Land trägt Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz mit

Stille Ostern – Was sagen Tourismus, DEHOGA, ABA und Kirche dazu?

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  • Manuel Büchner
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  • Andreas Höppner
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Gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz wollte Schleswig-Holstein kontaktarmen Urlaub ermöglichen. Die Mehrheit der Bund-Länder-Konferenz sprach sich dagegen aus.

  • Lockdown wird bis zum 18. April verlängert.
  • Außengastronomie soll ab dem 12. April wieder öffnen können, wenn Inzidenz unter 100 liegt.
  • Fehmarns Einzelhandel geht auf dem Zahnfleisch.

Fehmarn – Und wieder einmal geht der bereits seit Monaten andauernde Shutdown in die Verlängerung. Ein weiteres Mal wird er um drei Wochen verlängert, jetzt bis zum 18. April. Die Bund-Länder-Konferenz setzte mit ihrem Beschluss, schon ab Gründonnerstag (1. April) mit einem scharfen Lockdown eine fünftägige „Osterruhe“ einzuführen, noch einen drauf. Und Schleswig-Holstein trägt den Beschluss mit.

Im Vorwege hatte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) noch Hoffnungen geweckt, dass kontaktarmer Osterurlaub im eigenen Bundesland möglich sein könnte, doch ein großer Teil der Bundesländer und die Bundesregierung habe das nicht für vertretbar gehalten, räumte der Ministerpräsident am Dienstagnachmittag ein. An seiner Seite waren lediglich Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz.

Günther versicherte in der Pressekonferenz, Außengastronomie nach Ostern ab dem 12. April in Kreisen mit einer Inzidenz unter 100 zu ermöglichen. Zudem wolle die Landesregierung bis Ende dieser Woche über die Einrichtung von Modellregionen beraten, in denen inzidenzabhängig Lockerungen der Corona-Regeln greifen.

Fehmarns Einzelhandel geht größtenteils auf dem Zahnfleisch, Saisongeschäfte, die eben nur dieses Zeitfenster, die Saison, hätten, um über den Winter zu kommen, mehr noch als Geschäfte, die die Grundversorgung sicherstellten. Claus-Michael Rathjen aus dem Vorstand des Vereins Attraktive Burger Altstadt (ABA) empfindet die derzeitige Situation als existenzbedrohend. Die Beschränkung der touristischen Beherbergung auf der einen Seite und das Aufmachen des Handels auf der anderen: Wenn Fehmarn derzeit doch nach wie vor keine Gäste empfangen und es ohnehin nicht zu einem Überlaufen der Urlaubsgebiete kommen könne, hätte man die Läden seiner Ansicht nach auch vorher schon für die Einheimischen auflassen können, spricht Rathjen die Zeit vor dem 8. März an, als die Geschäfte nach rund dreimonatiger Schließung wieder öffnen durften.

Rathjen: Innenstadt kann schnell Gesicht verlieren

Das Problem der geschlossenen Geschäfte löse mitunter eine Kettenreaktion aus, die dazu führe, dass so ein Ort wie Burg, speziell die Innenstadt, schnell sein Gesicht verlieren könne, so Rathjen. Wenn sich das Bild der geschlossenen Läden in der „guten Stube“ Innenstadt von der Vor- und Nachsaison bis in die Saison hinein verschiebe, und sich für diese Geschäfte auch keine Nachfolger fänden, seien von innen beschlagene Schaufenster und leere Auslagen für Geschäfte, die zum Verweilen einladen würden, wie Eisdielen, Cafés oder die Außenterrassen von Restaurants, auch keine Zierde, so Claus-Michael Rathjen. Viele sähen sich selbst, nicht das große Ganze. Ohne Corona wäre die Vorsaison bereits jetzt in vollem Gange. Es wären jetzt schon viel mehr Gäste hier – das merke man eben auch im Handel, so Rathjen. Solange die Geschäfte auf Fehmarn in der Saison geöffnet haben können, könnten viele ein Stück weit auffangen, was durch die Schließungen und auch den harten Lockdown um Ostern eingebüßt wurde und werde, so Rathjen, der lieber in einer Woche die Anstrengung der fünftägigen Schließung in Kauf nimmt als Gefahr zu laufen, eventuell in der Saison nicht öffnen zu können. „Wenn die Saison allerdings nicht laufen würde ... – das möchte ich mir gar nicht überlegen“, so Claus-Michael Rathjen, der davon ausgeht, dass in Burg vermutlich 15 bis 20 Geschäfte für immer zumachen müssten, dürfte in der Saison tatsächlich nicht geöffnet werden.

Ein wenig ratlos war am Dienstag, ob der politischen Weichenstellungen wenige Stunde zuvor, Peter Wolf, Ortsverbandsvorsitzender des DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) auf Fehmarn, Großenbrode und Heiligenhafen. In der Konsequenz sei er über die Entscheidung, dass die Gastronomie geschlossen bleibe, nicht überrascht. „Das hat sich abgezeichnet. Wir impfen einfach noch zu wenig.“ 

Hin- und hergerissen sei er zudem zwischen dem Schutz der Gesundheit und den existenzbedrohenden wirtschaftlichen Ausfällen, die nun bereits seit November bestehen würden. Andererseits ist ihn klar: „Wenn wir aufmachen, kommen auch sehr viele Menschen zu uns. Es wäre eine sehr starke Woche geworden“, weiß Wolf, der seit 42 Jahren im Geschäft ist und eine derartige Krise bisher nicht ansatzweise erlebt habe.

Wolf erinnerte allerdings auch daran, dass die Gastronomie Hygienekonzepte habe, die sich im letzten Jahr bewährt hätten. Wolf plädierte am Dienstag für eine Öffnung abseits von Feiertagen. „In den ruhigeren Zeiten können wir wieder behutsam loslegen“, so der Fehmaraner, dessen Bauchgefühl am Dienstag sagte: „Vor Pfingsten werden wir wohl nicht wieder aufmachen.“

Noch immer keine Strategie erkennbar

„Enttäuschend, aber in gewisser Weise natürlich auch nachvollziehbar“, ist die aktuelle Beschlusslage für Fehmarns Tourismusdirektor Oliver Behncke, der sich am Dienstag nach der Pressekonferenz von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) gegenüber dem FT äußerte. Die Sorgen anlässlich der steigenden Inzidenzwerte in ganz Deutschland seien berechtigt, so Behncke, dennoch „hatte ich mir für Schleswig-Holstein zumindest eine Teilöffnung insbesondere zur Belebung der hiesigen Wirtschaft gewünscht“.

Deutlich kritisiert der Touristiker, dass bisher immer noch keine Strategie erkennbar sei, mit der die Tourismusbranche arbeiten könne. „Nicht mal ein kleines Signal. Das betrifft natürlich insbesondere den Beherbergungsmarkt, die Gastronomie und den größtenteils inhabergeführten Einzelhandel Fehmarns.“

Weiterhin offen sei, ob neben den Zweitwohnungsbesitzern auch Liegeplatzinhaber und Dauercamper ihr Eigentum aufsuchen dürfen. „Ob diese Regelung auch im Hinblick auf die Nutzung von sanitären Anlagen so bestehen bleibt, ist nicht bekannt, da die neue Landesverordnung noch nicht vorliegt.“

Abseits dieser Unsicherheiten und fehlender Planungsmöglichkeiten, forderte Behncke, dass staatliche Hilfen für betroffene Unternehmen noch schneller gewährt werden. „Die Luft wird für einige Betriebe von Tag zu Tag dünner“, weiß der Tourismusdirektor, der nochmals das vergangene Jahr in Erinnerung rief: Fehmarn hatte im ersten Lockdown einen Umsatzausfall von 31,3 Millionen Euro zu beklagen. Dies hatte im Auftrag des Tourismus-Service das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr (DWIF) ermittelt. „Ich hoffe, dass der erneute Lockdown nicht noch einmal derartige Löcher reißt.“

Wir nehmen die Bitte ernst.

Pastorin Bettina Axt

„Wir nehmen die Bitte von Bund und Ländern, dass es über die Osterfeiertage nach Möglichkeit keine Präsenzgottesdienste geben soll, ernst und werden darüber beraten“, so Burgs Pastorin Bettina Axt zum Beschlusspapier. Noch am Dienstagabend trat in Burg der Kirchengemeinderat zusammen. 

Ostern sei für alle Kirchen das Hoffnungsfest, und die, Hoffnung, komme den Menschen in diesen Zeiten langsam abhanden. 

„Wieder stehen wir als Kirche vor der besonderen Aufgabe, Hoffnung lebendig zu machen“, so Pastorin Axt. Die Virus-Pandemie verlange allen ab, kreativ zu werden. Auch Fehmarns Kirchengemeinden. 

„Die schwerste Herausforderung in dieser Zeit ist, sich immer wieder neu zu sortieren“, so Axt. Was das anbelangt, sei sie froh, für Burg schon jetzt die ein oder andere Sache in petto zu haben. „Wir haben bereits die ganze Zeit doppelt geplant“, so Pastorin Axt, die Details zu den kirchlichen Angeboten über Ostern wie alle anderen Kirchengemeinden der Insel an anderer Stelle noch mitteilen werde.  

Wissen lässt sie bereits, dass es Gründonnerstag einen Zoom-Gottesdienst geben werde. Die Kirche werde immer geöffnet sein, für alle kleinen und großen Menschen, so Pastorin Bettina Axt, die an dieser Stelle darauf aufmerksam macht, dass sie und ihre Kolleginnen und Kollegen als Seelsorger der Insel in besonderer Weise für die Menschen erreichbar seien.

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