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Burkhard Klinke (v.l.), Bettina Hagedorn, Lars Winter und Torsten Albig zählen zu den ersten Gratulanten und freuen sich mit dem frisch gewählten Niclas Dürbrook (2.v.r.).

Niclas Dürbrook zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt / 26-Jähriger bis Juni Landesvorsitzender der Jusos

Ostholsteins SPD im Aufwind

OSTHOLSTEIN -ra- Ein Wechsel an der Spitze des SPD-Kreisvorstandes ist vollzogen: Am Sonnabendnachmittag ist der 26-jährige Niclas Dürbrook mit überwältigender Mehrheit zum neuen Vorsitzenden der Sozialdemokraten in Ostholstein gewählt worden. Vorgänger Lars Winter, der bekanntlich zum neuen Plöner Bürgermeister gewählt worden ist, stand für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung (wir berichteten).

„Vor uns liegen spannende Monate: Landtagswahlen, Bundestagswahlen und im kommenden Frühjahr die Kommunalwahlen. Dabei geht es um sehr viel“, sagte Dürbrook, der in Eutin geboren wurde und derzeit in der Pressestelle der Staatskanzlei in Kiel arbeitet. In den vergangenen vier Jahren war er einer der stellvertretenden Kreisvorsitzenden, zudem bekleidet Dürbrook noch bis Juni dieses Jahres das Amt des Landesvorsitzenden der Jusos Schleswig-Holstein.

Gute Laune bei Torsten Albig und dem früheren SPD-Kreisvorsitzenden Lars Winter.

Im Vorfeld hatte sich Lars Winter für seinen Nachfolger stark gemacht und die anwesenden SPD-Mitglieder im Ahrensböker Bürgerhaus darauf hingewiesen, dass Niclas Dürbrook ein Paradebeispiel dafür sei, wie man sich in der SPD weiterentwickeln könne. Auch der 26-Jährige selbst, der ab April in Malente leben wird, nutzte vor dem Wahlgang die Gunst der Stunde, um eindringliche Worte an die Genossen zu richten. „Wenn es in den letzten Jahren eine starke SPD gebraucht hat, dann jetzt. Unsere Antworten sind im Kern so einfach und richtig: Streng dich an, dann garantieren wir dir, dass du es schaffst. Wenn du strauchelst, bekommst du eine zweite Chance, auch eine dritte. Und wer sich abschottet und in Fremden Feinde sieht, fährt am Ende immer schlechter. Ich glaube, das sind Botschaften, die man verkaufen kann – ohne Floskeln. Martin Schulz zeigt, dass wir damit punkten können.“ Lars Winter hinterlasse in Ostholstein große Fußstapfen, doch er werde sein Bestes geben, diese auszufüllen.

Überhaupt war Sonnabend beim Kreisparteitag eine regelrechte Aufbruchstimmung deutlich spürbar – dem Schulz-Effekt sei Dank. 30 Neueintritte in die SPD in den vergangenen Wochen sprechen für sich, doch Niclas Dürbrook warnte auch vor zu viel Optimismus.

„Die SPD ist manchmal leider auch die alte Tante, die etwas behäbig wirkt. Hier müssen wir ansetzen. In der Vergangenheit sind zu viele neue Mitglieder nach zwei Jahren schon wieder ausgetreten. Dagegen müssen wir angehen“, so der neue Vorsitzende. Mehr Angebote auf Kreisebene, mehr Pressemitteilungen „und noch viel mehr Action in sozialen Netzwerken“, forderte Dürbrook, der die Mehrarbeit nicht scheut. Ebenfalls sei die Politik der SPD stets für Veränderungen und Verbesserungen bekannt.

Mit Martin Schulz hätte man im Hinblick auf die Bundestagswahlen einen Spitzenkandidaten, der jenen Menschen aus der Seele sprechen würde, die sich in den vergangenen Monaten und Jahren alleine gelassen gefühlt hätten.

Ein Ziel im Kreis Ostholstein sei es zukünftig, wieder mehr Familien mit ins Boot zu holen. „Auch wer zeitlich nur eingeschränkt zur Verfügung steht, kann bei uns mitwirken. Diese Botschaft müssen wir nach außen tragen“, so Niclas Dürbrook, der als Vorsitzender der ostholsteinischen Genossen versprach, den „Laden“ zusammenzuhalten. „Wenn es sein muss, kann ich Leuten auch auf die Füße treten“, versicherte er schmunzelnd.

Albig: „Kümmere mich nicht um die Kanzlerin“

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig zählte zu den ersten Gratulanten Dürbrooks. Zuvor hatte der Gast aus der Landeshauptstadt eine knappe, aber sehr aussagekräftige Rede gehalten. Er kümmere sich nicht um die Kanzlerin und den Bundesinnenminister, sondern um die jungen Männer aus Kabul, die er in Schleswig-Holstein getroffen und mit denen er gesprochen habe. „Wir wollen diese Menschen nicht in diesen Dreckskrieg zurückschicken“, rief Albig. Bereits vergangene Woche hatte er das Thema im Landtag aufgegriffen und gesagt, dass nichts in Afghanistan sicher sei, die Situation dort habe sich nach Einschätzung des UN-Flüchtlingshilfswerks dramatisch verschlechtert.

Selbstverständlich kam er auch auf die Kanzlerkandidatur von Martin Schulz zu sprechen, die er sehr begrüßen würde. „Das wird ein geiler Wahlkampf werden“, so Albig, der den Optimismus in den Reihen der SPD genießt. Doch bevor im September gewählt wird, stehen am 7. Mai die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein an. Albig will Ministerpräsident bleiben und schoss in Richtung des CDU-Spitzenkandidaten Daniel Günther – ohne dessen Namen zu nennen. „Warum will einer, der alles nur schlecht redet, Ministerpräsident in einem angeblich so miesen Land werden?“

Als stellvertretende Kreisvorsitzende wurden der Kreistags-Fraktionschef Burkhard Klinke, Susanne Bötticher-Meyners und Anastassia Brack gewählt. Schatzmeisterin Kerstin Bruhn und Schriftführerin Beate Müller-Behrens wurden in ihren Ämtern bestätigt.

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