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Bewährungsstrafen für Eltern

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Von: Lars Braesch

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Das Amtsgericht Oldenburg von außen
Zu Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilte das Jugendschöffengericht Oldenburg gestern ein fehmarnsches Pärchen wegen der Misshandlung von Schutzbefohlenen. © Lars Braesch

Ein auf Fehmarn lebendes Pärchen ist zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Der Stiefvater soll einen damals siebenjährigen Jungen nahezu täglich geschlagen haben.

Fehmarn/Oldenburg – Wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen ist am Dienstag vom Jugendschöffengericht Oldenburg unter dem Vorsitz von Richter Thore Böttger ein auf Fehmarn lebendes Pärchen zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Mutter eines zu Beginn des Tatzeitraumes siebenjährigen Jungen, der nahezu täglich vom Lebensgefährten mit selbst gebauten Schlagins- trumenten geschlagen wurde, erhielt eine Freiheitsstrafe von elf Monaten. Den Vollzug der Strafe setzte das Gericht zur Bewährung aus. Zusätzlich muss die Angeklagte 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. 

Angeklagter erhielt ebenfalls Bewährung

Der Angeklagte wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Ebenfalls erhielt der Mann Bewährung. Gemeinsam mit den Jugendschöffen Heike Mettke-Wulff und Olaf Willert legte Richter Böttger bei dem Mann eine Arbeitsauflage von 200 Stunden fest. 

Vor den Plädoyers und den Schlussworten wurde die Öffentlichkeit von der Hauptverhandlung gemäß Paragraf 171 b Ziffer 3 des Gerichtsverfassungsgesetzes ausgeschlossen. Dies sei bei solchen Verfahren, wo es um Misshandlung geht, zwingend vorgeschrieben, erläuterte Böttger. 

Verteidigung forderten Freispruch

Am ersten Prozesstag vor einer Woche waren der geschädigte Junge sowie seine drei Geschwister unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt worden. Am Dienstag vernahm das Gericht in der rund vierstündigen Hauptverhandlung eine Sozialpädagogin und den Selbstverteidigungstrainer des Jungen als Zeugen. Die Sozialpädagogin habe blaue Flecken bei dem Jungen wahrgenommen, diese jedoch auf das Verhalten des Kindes zurückgeführt. „Der Junge ist sehr schnell wütend geworden, war ständig am Toben und immer in Kampfspielen mit anderen Kindern verwickelt“, berichtete die Zeugin. Auch der Selbstverteidigungstrainer habe keine blauen Flecken bei dem Jungen wahrgenommen. Sonst hätte er sofort das Jugendamt eingeschaltet.

Für die Mutter forderte Staatsanwältin Kirsten Lüth eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten ohne Bewährung. Pflichtverteidiger Henning Pries beantragte einen Freispruch für seine Mandantin. „Für den Angeklagten hat Pflichtverteidiger Reimund Brill ebenfalls einen Freispruch gefordert, während die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung gefordert hat“, erklärte Amtsgerichtsdirektor Dr. Jörg Kriewitz auf Nachfrage. 

Urteil noch nicht rechtskräftig

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Innerhalb einer Woche können die Verteidigung und die Staatsanwaltschaft Berufung gegen das Urteil einlegen.

Der erste Prozess im Sommer war nach 42 Minuten geplatzt, da eine Zeugin krankheitsbedingt nicht aussagen konnte. 

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