Ostholstein in 500 Jahren: Ausstellung „Z – OH+500“ in der Alten Schule eröffnet

Petersdorf im Kreis der Großen

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33 Arbeiten sind in der Alten Schule in Petersdorf noch bis zum 31. August ausgestellt. Die Vernissage am Sonntagnachmittag war gut besucht.

Fehmarn –Von Nicole Rochell– Es gab ihn, den absolut angstfreien Umgang mit Zukunftsgedanken. Projekte, die ausnahmslos Zuversicht spiegelten: Alles wird gut. Andere, die in düsteren Farben gehalten waren und inhaltsschwer zum Ausdruck brachten, dass der Künstler bei seiner Beschäftigung mit der Frage, wie Ostholstein in 500 Jahren wohl aussehen wird, die Stirn in Sorgenfalten gelegt hatte. Arbeiten, die ernste Themen in fröhlich-bunten Farben zeichneten und solche, wo zwischen all den Ruinen ein zartes Pflänzchen der Hoffnung den Neuanfang markierte. Wie in Petersdorf, im Ausstellungsraum in der Alten Schule.

Zwischen 32 weiteren Exponaten, die die kreative Auseinandersetzung mit dem Thema „Z – OH+500 (Zukunft Ostholstein in 500 Jahren)“ zeigten, steht ein Baumstamm: kark und tot, so scheint es. Doch aus seinem Holz rankt es grün. Eine Pflanze bricht sich Bahn. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Totengräberstimmung bis hin zum fröhlichsten Optimismus und alles dazwischen. Die Ausstellung in Petersdorf war so facettenreich, wie sich das Ungewisse, was die Zukunft bringen wird, in der Vielfalt der abgegebenen Arbeiten spiegelte. Utopien, Befürchtungen, Hoffnungen und Perspektiven in den unterschiedlichsten künstlerischen Formen dargereicht, bestücken bereits zwei von vier Ausstellungen im Kreis. Im Schloss Eutin sind 48 Auseinandersetzungen mit der interessanten Aufgabenstellung bereits seit Donnerstag zu sehen, am Sonntag folgte nun die Vernissage, zu der sich die zwei Kuratorinnen und Initiatorinnen des künstlerisch-partizipativen Forschungsprojektes, Dr. Helene von Oldenburg und Dr. Kathrin Langenohl, in Petersdorf eingefunden hatten.

Dr. Luise Erben, die zum Auftakt des kulturellen Nachmittags die Besucher der Vernissage einlud, ihr zur folgen ins Reich der Visionen und anschließend all die kreativ umgesetzten Blicke ins Zukunftsgeschehen auf sich wirken zu lassen, war froh und stolz, dass sich die Kuratorinnen für Fehmarn, für die Alte Schule, als einen der Austragungsorte entschieden hatten. Das kleine Petersdorf sei plötzlich auf Augenhöhe vernetzt. „Wir dürfen mitspielen bei den Großen“, frohlockte sie angesichts der Tatsache, dass Petersdorf im Rahmen der großen Zukunftsschau jetzt in einem Atemzug mit Schloss Eutin und dem Neustädter „zeiTTor“-Museum genannt werde. Ein weiterer Ausstellungsort wird das Oldenburger Rathaus sein. So begeistert Dr. Luise Erben, ehemalige 1. Vorsitzende des Vereins Kulturtreff Fehmarn, vom glücklichen Umstand war, dass Werke dieser großen Ausstellung in der Alten Schule zu sehen sind, so begeistert waren Dr. Helene von Oldenburg (Künstlerin und Kuratorin aus Hamburg) und Dr. Kathrin Langenohl (Kunsthistorikerin, Kulturagentin und Kuratorin aus Hamburg) von der Alten Schule und den Menschen hinter dem Verein. Eineinhalb Jahre hatten sie sich mit dem Projekt beschäftigt, das in ihnen nicht zuletzt auch Heimatgefühle weckt. Kathrin Langenohl ist in Cismar aufgewachsen, Helene von Oldenburg in der Nähe von Lensahn, beide sind in Neustadt zur Schule gegangen. In Hamburg sind sie sich wieder begegnet, planten und organisierten das Projekt. Ein Teil davon wird bis zum 31. August jeweils mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr in der Alten Schule zu sehen sein.

Für beide Ausstellungsmacher ein Glücksgriff, seinerzeit Claudia Czellnik und Beate Burow begegnet zu sein, die von der Alten Schule und ihren räumlichen Möglichkeiten berichteten. Langenohl und von Oldenburg schauten sich vor Ort um und cancelten daraufhin bereits gemietete Räumlichkeiten auf Fehmarn, um die Alte Schule zu ihrer Location zu machen. Applaus von den Besuchern der Vernissage.

Die Zusammenarbeit hier sei anders gewesen, entspannter, auch nach 17 Uhr und an Wochenenden seien stets Ansprechpartner von der Alten Schule erreichbar gewesen. Hier werde ehrenamtlich gearbeitet – und das merke man: Alles sei in Bewegung, lobten Dr. Helene von Oldenburg und Dr. Kathrin Langenohl. Auch an die Adresse von Michael Ott, Vorsitzender des Kulturtreffs Fehmarn, der nicht nur mit der Bohrmaschine ausgeholfen habe, sondern eingangs der Ausstellungseröffnung auch etwas über die noch junge Geschichte des Vereins und seine Ziele – auch als Stätte der Begegnung und Hort für kulturelle Veranstaltungen – erzählt hatte. Groß war die Freude unter den Vernissage-Besuchern, als die Kuratorinnen nach der Finissage am 31. August die Abschlussveranstaltung im Burger Café „liebevoll“ am 9. November erwähnten. Dann soll es eine Tombola mit gespendeten oder nicht abgeholten Arbeiten des Zukunftsprojektes geben. Der Erlös, entschieden die beiden Kuratorinnen im Rahmen der Vernissage am Sonntagnachmittag, soll in Petersdorf bleiben und der Alten Schule zugute kommen.

Junge und alte Menschen, Einheimische, Besucher, Durchreisende und Ostholstein-Fans, sie alle hatten ihren Hoffnungen, Wünschen und Befürchtungen Ausdruck verliehen. Über 100 Ostholsteiner und Fans waren dem Aufruf der Kuratorinnen gefolgt und hatten Bilder, Skizzen, Fotos, Filme, Objekte oder Texte eingereicht. Welche Arbeiten in welchen Ausstellungen zu sehen sind oder sein werden, entschieden von Oldenburg und Langenohl. Thematisch wurde nichts gegliedert, sodass jeder Ausstellungsort immer einen Querschnitt durch die Gesamtmenge der eingereichten Arbeiten liefert. So können die Betrachter selbst Verbindungen herstellen und sind nicht schon thematisch festgelegt. Nicht zuletzt kommen so auch Kommunikation und Austausch über eine weit entfernte Zukunft in Gang: auf Fehmarn und in Eutin sowie bald auch in Neustadt (Vernissage am 16. August, 19 Uhr) und im Oldenburger Rathaus (19. August, 17 Uhr).

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