Nautisches Essen: Deutliche Kritik an vorzeitiger Finanzmittelfreigabe auf dänischer Seite

„Pokern auf niedrigem Niveau“

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Bettina Hagedorn nahm aus den Händen von Kapitän Johannes Wasmuth die Flagge des Nautischen Vereins Vogelfluglinie entgegen.

Fehmarn – Von Andreas Höppner. Das Nautische Essen des Nautischen Vereins Vogelfluglinie ist seit Jahren thematisch bestimmt vom geplanten Bau der Festen Fehmarnbeltquerung (FFBQ). Als Gastrednerin auf dem Fährschiff „Deutschland“ konnte der 1. Vorsitzende Kapitän Johannes Wasmuth die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Bettina Hagedorn (SPD), begrüßen.

Sie beschäftigte sich in ihren Ausführungen mit der Finanzierung und Finanzierbarkeit der FFBQ und spannte dabei auch einen Bogen zu den Anfängen in den Jahren 2005/2006, als Deutschland und Dänemark gemeinsam planten, eine Brücke als PPP-Projekt (Public-Private-Partnership) zu errichten. Nach einer wenig erfolgreichen Investorenkonferenz habe sich Deutschland dann zurückgezogen „und Dänemark baute allein. Mittlerweile ist es ein Tunnel“, reflektiert Hagedorn. Und bei Unterzeichnung des deutsch-dänischen Staatsvertrages 2008 sei davon ausgegangen worden, die Querung könnte 2018 fertiggestellt sein. „Jetzt haben wir 2019“ und der Planfeststellungsbeschluss (PFB) sei gerade erst ausgelegt worden, erinnerte die Staatssekretärin, die weiterhin der festen Überzeugung ist, dass der „Drops noch nicht gelutscht“ ist und nicht sicher sei, dass die FFBQ auch wirklich gebaut werde.

Dass das Folketing jetzt grünes Licht gegeben hat für 850 Millionen Euro, damit Femern A/S auf dänischer Seite schon vorbereitende Baumaßnahmen in Angriff nehmen kann, habe ihr „die Sprache verschlagen“. Die Dänen wollten offenbar Fakten schaffen, um in Anbetracht angekündigter Klagen gegen den PFB die deutschen Gerichte zu beeinflussen, vermutet Hagedorn, die sich aber nicht vorstellen kann, dass sich die Richter des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig „davon beeindrucken lassen“.

Hagedorn erwähnte auch bereits geflossene EU-Mittel, wo Femern A/S einen „nicht so guten Job gemacht“ habe. Dies machte sie an einem Prüfbericht des Europäischen Rechnungshofes fest. Bei Zahlungen zulasten des EU-Haushalts habe die durchschnittliche Fehlerquote bei allen EU-Mitgliedern bei rund 2,5 Prozent gelegen, bei der FFBQ aber bei 14,5 Prozent. Laut Hagedorn handelt es sich um einen Zuschuss von 160 Millionen Euro für die Tunnelplanung, der nicht sachgemäß verwendet worden sei und deshalb eine Rückzahlung von 23 Millionen Euro drohe. Eine auf den ersten Blick kleine Summe in Anbetracht des Gesamtvolumens von aktuell veranschlagten rund sieben Milliarden Euro für den Fehmarnbelttunnel.

Auf deutscher Seite kommen für das „größte Infrastrukturprojekt Nordeuropas“ mit Hinterlandanbindung, Lärmschutz und neuer Fehmarnsundquerung noch einmal über vier Milliarden Euro hinzu, ist Bettina Hagedorn überzeugt.

Für Kapitän Johannes Wasmuth stellt die vorzeitige Freigabe der Geldmittel für Bauarbeiten auf Lolland ein „Pokern auf niedrigem Niveau“ dar. Er er erinnerte daran dass der Vorhabenträger „zu Beginn des Anhörungsverfahrens zugesichert“ habe, mit vorbereitenden Bauaktivitäten erst beginnen zu wollen, wenn der PFB rechtskräftig sei.

Simulation gefordert für Schiffsbewegungen

Für höchst kritisch hält der Nautische Verein Vogelfluglinie die Schiffssicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs in der Bauphase. Er pocht deshalb weiterhin auf eine Simulation mit sämtlichen risikobehafteten Schiffsbewegungen im Bereich der Baustelle und der T-Route im Fehmarnbelt.

Als Beispiel nannte er die quer zur T-Route langsam verkehrenden Schleppverbände mit Aushubmaterial. Bezug nimmt er auf aktuelle Berechnungen von Prof. Dr. Jürgen Lüsch (Baltic Marine Consult), der errechnet hat, dass beim Aushub des 14 Meter tiefen Tunnelgrabens allein südlich der T-Route etwa acht Millionen Kubikmeter Aushub anfallen und von diesen sechs Millionen Kubikmeter nach Lolland verbracht werden. Die Schleppverbände müssen den in Ost-West-Richtung verlaufenen Schiffsverkehr permanent queren und vor Rødby auch den Fährverkehr. Zwei Schleppverbände würden sich immer im Kernbereich der T-Route aufhalten, so Wasmuth, dessen Fazit eindeutig ausfällt: „Da ist dann die Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs nicht mehr gegeben.“

Neben dem Thema FFBQ gab es für die zahlreichen Gäste, vorwiegend aus dem nautischen und maritimen Bereich, darunter auch Prof. Dr. Peter Ehlers aus dem Vorstand des Deutschen Nautischen Vereins und ehemaliger Präsident des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie, ausreichend Gelegenheit zum Gedankenaustausch. Dieser wurde, wie es bereits zu guter Tradition geworden ist, mit maritimem Gesang des Lotsengesangvereins „Knurrhahn“ aus Kiel untermalt. Mitunter durfte auch mitgesungen werden – ein Angebot, von dem die Gäste auf der „Deutschland“ gerne Gebrauch machten.

Nicht fehlen durften die „Hausherren“. So war die Reederei Scandlines mit CEO Søren Poulsgaard Jensen und Deutschland-Geschäftsführer Heiko Kähler vertreten und die Stadt Fehmarn mit dem Ersten Stadtrat Heinz Jürgen Fendt, der zur Erheiterung des Publikums von Johannes Wasmuth als Jürgen Feind begrüßt worden war, der dann amüsiert reagierte und versicherte, er würde als Freund kommen.

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