Christian Lindner und Robert Habeck FDP Grüne
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Christian Lindner (l.) in Burgtiefe am Südstrand und Robert Habeck in Burg auf dem Marktplatz.

Lindner am Südstrand, Habeck in Burg

Politikprominenz auf Fehmarn: Habeck und Lindner machen Bundestagswahlkampf auf der Insel

  • Lars Braesch
    VonLars Braesch
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  • Manuel Büchner
    Manuel Büchner
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Es ist eher selten, dass sich die Spitzenpolitik nach Fehmarn verirrt. Am Mittwoch (28. Juli) kamen mit Robert Habeck (Grüne) und Christian Lindner (FDP) gleich zwei von Rang und Namen auf die Insel.

  • Spitzenpolitiker Robert Habeck (Grüne) und Christian Lindner (FDP) auf Fehmarn.
  • Fürs Impfen, gegen Steuererhöhungen, für Einhaltung der Schuldenbremse: Lindner mit klaren Ansagen auf Fehmarn
  • Habeck: Über die Wege streiten, aber nicht übers Ziel. Klimaneutralität in 20 Jahren.

Fehmarn – 60 Tage vor der Bundestagswahl hat der Bundestagswahlkampf auch Fehmarn erreicht. Christian Lindner (FDP) und Robert Habeck (Grüne) statteten der Insel einen Besuch ab. Erst Lindner am Südstrand, dann wenig später Habeck auf dem Burger Marktplatz.

Christian Lindner wurde vom stellvertretenden Kreisparteivorsitzenden Hans-Jürgen Löschky (l.) und Bundestagskandidat Jörg Hansen begleitet.

Lindner wirbt fürs Impfen

Der FDP-Bundesvorsitzende ging unter anderem auf die Corona-Pandemie ein. „Die Politik muss die Bürger auf den Herbst ohne große Freiheitseinschränkungen vorbereiten.“ Als Bundesvorsitzender werbe er fürs Impfen. Von einer generellen Impfpflicht hält er allerdings nichts. „Nach den Sommerferien müssen die Jugendlichen ihr Grundrecht auf Bildung wieder wahrnehmen können. Kitas und Schulen dürfen im Herbst nicht wieder geschlossen werden“, forderte Lindner.

Lindner: Staat hat in der Flutkatastrophe nicht gut funktioniert

Ebenfalls ging der Freie Demokrat auf die jüngste Flutkatastrophe ein. Durch die fehlenden Warnsirenen habe sich sein Bild über Deutschland verändert. Der Staat habe nicht gut funktioniert. Auch während der Kontaktnachverfolgung hätten die Gesundheitsämter zum Teil noch mit einem Faxgerät gearbeitet. Bürokratie sei eine große Bremse von Fortschritt.

Keine Steuererhöhungen sind eine unserer Leitplanken in unserem Wahlprogramm.

Christian Lindner, FDP
Selfie mit dem FDP-Fraktionsvorsitzenden Christian Lindner

In Sachen Klimaschutz müsse Deutschland nicht Moralweltmeister, sondern Technologieweltmeister werden. Steuererhöhungen seien mit der FDP nicht zu machen. Ausnahmen sieht Lindner bei Google, Amazon und Facebook. „Keine Steuererhöhungen sind eine unserer Leitplanken in unserem Wahlprogramm“, betonte er. Eine weitere Leitplanke sei die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse. An dieser dürfe nicht herumgeschraubt werden. Nach seiner Rede stand Christian Lindner für Fotos und Fragen zur Verfügung.

Habecks kurzer Stopp im „Liebevoll“

Robert Habeck schaute vorab im Café „Liebevoll“ vorbei und hatte Zeit für ein kurzes Gespräch. Habeck bewirbt sich um ein Bundestagsmandat in seinem Heimatwahlkreis Schleswig-Flensburg. 2017 lagen dort zwischen Petra Nicolaisen (CDU) und den Grünen rund 30 Prozentpunkte. Habeck rechnet sich dennoch Chancen aus.

Habeck rechnet sich Chancen aus auf den Sieg in seinem Wahlkreis

„Die Menschen kennen mich gut, ich war als Minister hier viel unterwegs, es ist mein Zuhause, meine Heimat.“ Der Co-Vorsitzende der Grünen erinnerte zudem daran, dass die Grünen vor 30 Jahren, als er in die Politik eingestiegen sei, die Grünen aus dem Kreistag geflogen sind. Heute weht ein anderer Wind: „2019 sind wir bei der Europawahl in der Stadt Flensburg und im Landkreis Schleswig-Flensburg stärkste Kraft geworden mit 30,4 Prozent.“

Sollte es nicht mit dem Direktmandat klappen – der Einzug in den Bundestag ist sicher. Nach Luise Amtsberg (Kiel) ist Habeck auf Listenplatz 2 der Grünen in Schleswig-Holstein.

Seine zentrale Botschaft auf seiner Küstentour? „Wir können über die Wege streiten, aber nicht über das Ziel. Wir müssen in 20 Jahren eine klimaneutrale Gesellschaft sein.“ Habeck: „Die Transformation wird Zumutungen bereithalten, aber sie ist auch eine Chance – jetzt haben wir noch die Möglichkeit, unsere Zukunft selbst zu gestalten. Jetzt haben wir es noch selbst in der Hand.“

Habeck über Annalena Baerbock

Ein Wort zu seiner Kanzlerkandidatin: „Annalena Baerbock ist eine erfahrene Politikerin. Sie verfügt über Empathie, Leidenschaft –
und die Zähigkeit, auch Durststrecken zu überwinden. ich freue mich auf den Wahlkampf mit ihr.“

Robert Habeck verfolgte die einführende Rede des Grünen-Bundestagskandidaten Jakob Brunken.

Die Politik darf nicht erst in der Krise handeln

Während es bei der FDP-Politgröße am Südstrand eher zweistellig blieb, war das Interesse an Robert Habeck auf dem Marktplatz deutlich höher. Zunächst arbeitete sich Habeck an drei zentralen Punkten ab. Erstens: Krisen haben Einfluss auf den Alltag der Menschen, die sowieso mit alltäglichen Herausforderungen zu kämpfen hätten. Daher sei es an der Politik, nicht erst in der Krise, sondern vorausschauend zu handeln.

Klimaschutz ist Menschenschutz.

Robert Habeck, Grüne

Zweitens: Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz sei eindeutig gewesen. „Klimaschutz ist nicht die Begrenzung von Freiheit, sondern Bedingung von Freiheit“, nur durch Klimaschutz werde Wohlstand noch Bestand haben, so der Co-Bundesvorsitzende der Grünen, denn das Klima brauche keine Menschen, umgekehrt sei allerdings „Klimaschutz Menschheitsschutz“.

Habeck: Klimaschutz scheitert, wenn es in der Gesellschaft nicht gerecht zugeht

Natürlich werde es der Gesellschaft viel abverlangen, wenn man Menschen, die Auspuffrohre für Pkw bauen, sagen müsse, dass ihr Job in Zukunft nicht mehr gebraucht werde. Dabei dürfe es zu keiner sozialen Schieflage kommen. Wie soll Vertrauen in die Politik bestehen, wenn die Gesellschaft unsozialer werde? Klimaschutz werde scheitern, wenn es in der Gesellschaft nicht gerecht zugehe, so Habeck.

Drittens: Es braucht eine andere politische Motivation, nämlich für gemeinsame Ziele zu streiten, statt „über Angstmacherei Zustimmung zu generieren“. Sinngemäß gesagt: Wer selbst keine Antworten auf die Herausforderungen habe, möge die Klappe halten, so Habeck.

Robert Habeck im Gespräch mit einem Passanten.

Bevor sich der Grünen-Chef ein paar Fragen aus dem Publikum zuwandte, machte er der Menschentraube auf dem Marktplatz, die mehrmals für seine Aussagen applaudierte, Mut: „Die Herausforderungen sind groß, aber die Möglichkeit, Geschichte zu schreiben, noch viel größer.“

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