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Hat sich gemausert: Die Tauschbörse rund ums Kind, dienstags, mittwochs und freitags von 9 bis 12 Uhr im Familienzentrum. Koordinatorin Sabrina Koch gefällt's.

Mehr Platz fürs Familienzentrum Fehmarn / Eröffnet neue Möglichkeiten für die Arbeit

Präventiv und niederschwellig

Fehmarn – mb – 2015 hat für das Familienzentrum auf Fehmarn, das zum Ortsverband Heiligenhafen des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) gehört, alles mit einem Raum angefangen. Beheimatet im Haus der Katholischen Pfarrei St. Vicelin im Blieschendorfer Weg. Keineswegs optimal. Für die Angebote habe man die Räumlichkeiten von Hort und Kita genutzt, immer wenn es zeitlich möglich gewesen sei, erinnert sich Sabrina Koch, Koordinatorin des Familienzentrums. Fast eine Stunde hat dann durchaus mal der Umbau gedauert, bis alles babysicher war. „Wir haben uns arrangiert“, so Koch, die froh ist, dass das Improvisieren längst der Vergangenheit angehört.

Denn schon vor fast einem Jahr haben der Diakon im Ruhestand Michael Löcke und seine Frau Bärbeli ihre Wohnung in der Pfarrei aufgeben. Der DKSB hat sie daraufhin angemietet. Plötzlich hatte Koch ein Büro, es gab einen Empfangsbereich, eine geräumige Küche und nicht zuletzt das Herzstück: ein gemütlicher, lichtdurchfluteter Mehrzweckraum, der sich schnell umbauen lässt für alle Eventualitäten. „Das eröffnet uns neue Möglichkeiten für unsere Arbeit, so können sich viel ungezwungener Gespräche ergeben“, weiß die gebürtige Hessin, die seit rund acht Jahren auf Fehmarn lebt, aus der fast einjährigen Praxis.

Eigentlich sollte eine feierliche Einweihung im März folgen. Daraus wurde aus bekannten Gründen nichts. Egal. „Wir haben die Feierstunde nicht aus den Augen verloren und werden es nachholen“, ist sich Koch sicher.

Hellauf begeistert ist auch Diplom-Sozialarbeiterin Silke Hüttmann. Sie hat die Fachanleitung aller sieben Familienzentren im Kreis Ostholstein inne. „Die Angebote sind gebündelt an einem Ort, dadurch wird das Familienzentrum lebendiger“, so Hüttman, und „das macht es so wertvoll“.

Und zwar für die originäre Aufgabe: niederschwellige Unterstützungsangebote für Familien, die sich in schwierigen Situationen befinden. Familienzentren sind Orte der Frühen Hilfe – nicht reaktiv, sondern präventiv und niederschwellig.

Die Arbeit basiert auf sechs Säulen: Netzwerkarbeit, unter anderem mit Kitas, Ärzten und unterschiedlichsten Beratungsstellen, die Elternberatung und -bildung sind weitere Pfeiler. Personell stehen Familienhelfer bereit. Zwei bis drei Stunden in der Woche, maximal drei Monate, unterstützen sie ehrenamtlich als erfahrene und geschulte Kräfte Familien in Krisensituationen. Zeitlich nicht begrenzt sind Familienpaten aktiv, die auf einer Vertrauensbasis gelebte Strukturen verfestigen und bei der Bewältigung der täglichen Erfordernisse unterstützen und entlasten.

Last, but not least, Familienhebammen, staatlich examiniert mit einjähriger Zusatzqualifikation, die Eltern und Kinder in belasteten Lebenssituationen unterstützen. Um der Unterversorgung Herr zu werden, werden auch Kinderkrankenschwestern mit Zusatzausbildung herangezogen.

Große Unterstützung erfährt der DKSB mit seinen Familienzentren, die vor elf Jahren in Heiligenhafen Neustadt, Eutin und Bad Schwartau ihren Betrieb aufnahmen, vom Kreis Ostholstein. „Wir sind hier gut aufgestellt. Ohne die Unterstützung des Kreises wären wir heute nicht da, wo wir sind“, so Hüttmann.

Im Zentrum steht immer das Ansinnen: „Wir wollen die Menschen erreichen, wenn sie uns brauchen“, so Diplom-Sozialarbeiterin Hüttmann. Ein umfangreiches, ergänzendes Angebot hilft dabei. „Das ist sehr individuell und auf die Region angepasst“, so Koch. „Dadurch bekommen wir einen Zugang zu den Familien“, misst Hüttman Angeboten wie Hebammensprechstunde, Trageberatung, Schwangerenberatung, Babytreffs und Sprechstunden (auch beides in Petersdorf) eine hohe Bedeutung zu.

Ein weiteres Angebot ist die Kita-to-Go. Eine Mitarbeiterin geht zweimal in der Woche in den Eschenweg und spielt, bastelt und beschäftigt sich mit Kindern von Flüchtlingsfamilien. Eigentlich noch relativ neu, aber schon etabliert hat sich die Tauschbörse für Kinderkleidung ab Größe 44 bis etwa 140, die sich längst zu Dingen rund ums Kind weiterentwickelt habe, so Sozialpädagogin Koch, die im Gespräch mit dem FT noch darauf hinweist: „Wer bei uns mithelfen möchte, kann sich gerne melden. Hilfe jedweder Art ist immer herzlich willkommen.“

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