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Praktikum weckt Leidenschaft: Fehmaranerin in der Zimmerer-Nationalmannschaft

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Von: Simone Walper

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Zimmerin Fehmarn Nationalmannschaft
Isabel Peters zeigt das Dachmodell, das sie vor Kurzem beim ersten Training der Zimmerer-Nationalmannschaft in Baden-Württemberg gefertigt hat. © Simone Walper

Isabel Peters ist Zimmerergesellin – und zwar eine ziemlich gute. Die Fehmaranerin ist zuletzt in die Zimmerer-Nationalmannschaft aufgenommen worden.

Fehmarn – Was Isabel Peters geschafft hat, war vor ihr bisher nur einer Frau vergönnt. Sie ist in die deutsche Zimmerer-Nationalmannschaft aufgenommen worden. Im Gespräch mit dem FT verrät die 19-Jährige, dass sie schon als Kind und Jugendliche Interesse am Handwerk hatte und schon in jungen Jahren immer gern auf dem Hof der Eltern mitgeholfen hat. „Eigentlich wollte ich nach meinem Schulabschluss Landmaschinenmechatronikerin werden“, sagt sie und berichtet dann von einem spannenden Praktikum in den Schulferien bei einem Zimmereibetrieb. Danach war für sie klar, in welche Richtung es gehen wird.

Als Innungsbeste Ausbildung abgeschlossen

Die Zimmerei hat ihr sofort gut gefallen, und so war der Entschluss rasch gefasst, eine Ausbildung als Zimmerin zu machen. Ein Ausbildungsplatz war auch schnell gefunden, und dank guter Leistungen konnte sie die Ausbildung auf zweieinhalb Jahre verkürzen. Peters schloss als Innungsbeste ab. „Wenn man Spaß am eigenen Beruf hat, dann ist man auch mit einer ganz anderen Motivation dabei“, erklärt sie lächelnd. Seit knapp einem Jahr ist Isabel Peters Zimmerergesellin und arbeitet momentan noch bei ihrem ehemaligen Kollegen Nils Boller, der sich in Lütjenburg selbstständig gemacht hat.

Ordentlich geübt: Vorbereitung auf das Schiften

Nach der erfolgreichen Gesellenprüfung nahm die junge Fehmaranerin Ende September vergangenen Jahres in Husum an der Landesmeisterschaft der Zimmerer teil. Zuvor hatte sie sich zwei Wochen lang vorbereitet und das Schiften noch einmal ordentlich geübt. „Auf einer zwei mal 2,40 Meter großen Platte wird zuerst das Dach gezeichnet und angerissen und schließlich das Modell gebaut“, gibt sie Einblicke in ihre Arbeit. 

Kompetenz fürs Dächerbauen verfeinert

In der Berufsschule und in überbetrieblichen Schiftkursen in Eutin hatte sie zuvor ihre Leidenschaft und Kompetenz fürs Dächerbauen verfeinert. „Leider war ich bei der Landesmeisterschaft nicht ganz so erfolgreich wie erhofft und habe Fehler gemacht“, erinnert sie sich zurück und ergänzt: „Das Umfeld war ganz anders, als ich es kannte, und ich hatte noch nie bei so einem Wettbewerb mitgemacht.“

Ab Februar geht‘s zur Meisterschule nach Kassel

Aber das hielt sie keineswegs davon ab, ihr Ziel, in die Zimmerer-Nationalmannschaft aufgenommen zu werden, zu erreichen. Und so hat sie sich beim deutschen Zimmerer-Contest, ebenfalls eine Vorstufe zur Nationalmannschaft, beworben und wurde im Oktober nach Ansbach in Bayern eingeladen, um ihr Können nicht nur zu zeigen, sondern damit zu überzeugen. Froh ist Isabel Peters nicht nur über ihren Platz in der Nationalmannschaft, sondern auch darüber, dass ihr Berufsschullehrer sie immer gefördert hat: „Er hat denen, die wollten, immer mehr Futter gegeben.“

Es war ganz normal, dass ich als Frau dabei war.

Isabel Peters

Kurz vor Weihnachten nahm die begabte Zimmerergesellin an einem viertägigen Training der Nationalmannschaft in Biberach an der Riß teil, wo sie von ihren ausschließlich männlichen Kollegen offen aufgenommen wurde. „Es war ganz normal, dass ich als Frau dabei war“, lächelt sie und fügt hinzu: „Ich bin dankbar, dass mein Chef mir die Teilnahme an den verschiedenen Meisterschaften ermöglicht hat.“

In der Nationalmannschaft, die übrigens die besten Zimmerer Deutschlands im Alter bis zu 23 Jahren zusammenführen, folgen regelmäßige Trainings, die die Mitglieder auf die Teilnahme an internationalen Berufswettbewerben vorbereiten. Im jährlichen Wechsel tritt eine Auswahl der Zimmerer-Nationalmannschaft bei der Berufsweltmeisterschaft „WorldSkills“ und bei der Zimmerer-Europameisterschaft an. Zur EM fahren jeweils drei Mannschaftsmitglieder.

Für Isabel Peters steht jetzt aber erst einmal der nächste Schritt ihrer beruflichen Karriere an. Ab Februar wird sie für ein Jahr die Meisterschule in Kassel besuchen und Fehmarn vorerst den Rücken kehren.

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