Matsch-Inszenierungen / Beltretter mit spektakulärer Aktion gegen geplanten Belttunnel

Protest: Leipzig, Kiel, Fehmarn

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Die Protestaktion ist inszeniert – auf der Hauptpromenade vor dem Strandzugang tummelten sich am Sonnabend rund 50 mit Schlamm bedeckte Darsteller.

Fehmarn – Von Andreas Höppner Donnerstag vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, Freitag Asmus-Bremer-Platz in der Kieler City und Sonnabend am Südstrand in Burgtiefe – mit einer spektakulären und professionell aufgemachten Protestaktion machten die Beltretter auf drohende Gefahren durch den geplanten Bau eines Fehmarnbelttunnels aufmerksam.

So hatten sich zur Mittagszeit etwa 50 Personen zwischen IFA und „FehMare“ direkt vor dem Strandzugang eingefunden, um verschiedene Strandszenen nachzustellen. Zu den professionellen und semi-professionellen Darstellern gesellten sich auch spontan Fehmaraner hinzu, darunter Grünen-Stadtvertreterin Christiane Stodt-Kirchholtes, die ihre Körper mit Matsch eingeschmiert hatten und auf diese Weise vor einer möglichen Eintrübung der Ostsee, bedingt durch den für den Bau des Absenktunnels erforderlichen Aushub eines rund 60 Meter breiten und 16 Meter tiefen Grabens, warnten.

„Lächerliches Verkehrsaufkommen“

Querungsgegnerin Christiane Stodt-Kirchholtes machte aus ihrem Herzen keine Mördergrube und sagte: „Bei dem lächerlichen Verkehrsaufkommen ist es ein Projekt, das keiner braucht.“ Die Befürworter des Ostseetunnels teilen diese Meinung natürlich nicht.

„Das ist keine Demo, das ist eine inszenierte Aktion“, machte eine ebenfalls in Schlamm gehüllte Karin Neumann, Pressesprecherin der Beltretter, deutlich. An wen ihre Botschaft in erster Linie gerichtet war, ist kein Geheimnis: Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP), der nach der Aktion in der Landeshauptstadt gegenüber der Presse von einer Täuschung der Öffentlichkeit gesprochen hatte, wenn Darsteller für Protestaktionen eingekauft würden.

Karin Neumann kann eine derartige Empörung nicht nachvollziehen, wenngleich diese für sie keine Überraschung sei. Sie gibt zu bedenken, dass auf der anderen Seite der Tunnelbauer Femern A/S einen hohen finanziellen Aufwand betreibe, das Milliardenprojekt zu pushen – mit Hochglanzbroschüren, Sponsoring von Veranstaltungen oder aus ihrer Sicht zweifelhaften Aktionen, zum Beispiel die Herausgabe eines Brettspiels, bei dem derjenige, der auf das Feld mit Fährüberfahrt von Puttgarden nach Rødby kommt, drei Runden aussetzen muss, die Tunnelnutzung aber freie Fahrt bedeuten würde. Die Reederei Scandlines als Fährlinienbetreiber hatte diesbezüglich gegen Femern A/S sogar Klage eingereicht, allerdings erfolglos (wir berichteten).

Während Teile der Politik nun von einer Skandalaktion sprechen, hält Karin Neumann die Ziele, die die Beltretter mit der Aktion erreichen wollten, für erfüllt. „Bei dem Mega-Bauprojekt gibt es noch genug offene Fragen. Ich würde mich wundern, wenn die Richter in Leipzig weggucken würden“, schätzt Neumann, dass die Aktion in Leipzig durchaus Eindruck hinterlassen hat.

Unterstützung erhielten die Beltretter am Sonnabend auch vom Festland. „Durch den Klimawandel wird sich in den nächsten Jahren so viel verändern. Wenn dann noch der Ostseetunnel gebaut wird, wird es nicht besser. Unsere Kinder würden die Ostsee nicht mehr so erleben, wie wir sie kennen“, meinte Lisa Haarhoff, die mit ihrer Familie aus Damlos an den Südstrand pilgerte.

„Wir müssen die Öffentlichkeit aufrütteln“, so Neumann, die davon überzeugt ist, dass die Ostseestrände nach einem Baustart des Fehmarnbelttunnels nicht mehr so sein werden, wie sie jetzt sind. Sie befürchtet über mehrere Jahre eine Eintrübung des Wassers in einer Ausdehnung von 300 Kilometern bis zum Arkona-Becken vor Rügen.

„Wir bleiben spontan und immer dagegen“

Abschließend versicherte Karin Neumann, dass die Beltretter weiter für ihre Ziele und gegen den Tunnel kämpfen werden. Und: „Wir bleiben spontan und immer dagegen.“

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