Neues von Transnet, Aktionsbündnis, Nabu, Linke, Scandlines

Querungs-Gegner machen mobil

Von Peter LöbenbrückFEHMARN • Nachdem in letzter Zeit überwiegend die politische Entwicklung auf der Achse Berlin-Kiel-Kopenhagen sowie die Meinung der dem Projekt wohlgesonnenen Wirtschaftsverbände im medialen Fokus stand, machen nun die Gegner einer Festen Fehmarnbelt-Querung wieder mobil.

Die Bahn-Gewerkschaft Transnet veröffentlichte jetzt eine verkehrspolitische Analyse, die kein gutes Haar an dem viel diskutierten Projekt lässt. Das hiesige Aktionsbündnis gegen die Brücke, der Naturschutzbund (Nabu), die Scandlines-Reederei und die Linkspartei Ostholstein werden jeweils in den nächsten Wochen auf Fehmarn tagen, um die Chancen auszuloten, das Projekt doch noch zu verhindern, und – wie im Fall der Linken – die öffentliche Diskussion zu suchen.

„Die geplante Fehmarnbelt-Querung schafft keinen einzigen zusätzlichen Arbeitsplatz in der Region – sie vernichtet Tausende“, heißt es in dem Transnet-Papier. Für die vom Unternehmensverband Ostholstein-Plön prognostizierte Entstehung von 10000 neuen Arbeitsplätzen vor allem im Bereich Logistik und Tourismus gebe es keinen schlüssigen Beleg. Unbestreitbar sei hingegen, dass im Falle eines Brückenbaues 900 Arbeitsplätze in Puttgarden und bei Zulieferern entfielen. Dadurch sei jeder dritte Bürger Feh-marns „negativ betroffen“. In Mecklenburg-Vorpommern würden noch einmal 700 Jobs wegfallen, sollte die rund 20 Kilometer lange Verbindung zwischen Lolland und Fehmarn gebaut werden.

Die Studie geht davon aus, dass eine Beltquerung über 200000 Pkw jährlich von paralellen, unter Umständen auch kürzeren Fährrouten auf sich ziehen würde. Dadurch sei die Existenz bestehender Fähr- und Bahnlinien im gesamten südlichen Ostseeraum bedroht. So sei nicht nur bei der Scandlines-Reederei, sondern auch bei der TT-Line, Nordö Link und Stena mit hohen Arbeitsplatzverlusten zu rechnen.

Burg bald kein Luftkurort mehr?

Allein im Lübecker Hafen, der mit rund 6000 mittelbaren und unmittelbaren Arbeitsplätzen eine immense Wertschöpfung biete, wäre insbesondere die wichtige Süd- schwedenroute betroffen, die über 50 Prozent des gesamten Lübecker Hafenumschlags ausmache. Transnet geht davon aus, dass mit einer Beltquerung die Umschlagsmengen im Südschweden-Verkehr um bis zu zehn Prozent zurückgehen.

Mögliche negative Auswirkungen auf den Tourismus in der Region seien gänzlich unberücksichtigt geblieben in den bisherigen Planungen, so die Studie. „Dem Ferienort Burg auf Fehmarn drohte beispielsweise wegen der von der autobahnähnlichen Transitstraße ausgehenden Luftverschmutzung der Verlust seiner Anerkennung als Luftkurort“, heißt es weiter. Befragungen hätten ergeben, dass schon jetzt Besucher der Insel das bestehende Verkehrsaufkommen als störend empfinden.

Zudem beruhe ein großer Teil der vorhergesagten positiven Arbeitsplatzeffekte auf „völlig unglaubwürdigen Steigerungsraten im Verkehrsaufkommen“. So gingen die Planer des Brücken-Projekts von einer Steigerung des Pkw-Verkehrs von 940000 Einheiten in 1998 auf 2,3 Millionen in 2010 aus. Dabei sei die Tendenz bereits 1999 rückläufig gewesen. Eine feste Verbindung bewirke keine unmittelbare Veränderung der Gesamttransportnachfrage im Nordeuropaverkehr, da die Fahrt über die Ostsee für den internationalen Transport nur einen kleinen Teil der Gesamtstrecke ausmache. Zu erwarten sei lediglich, dass eine Beltquerung Einfluss auf die Verteilung des Verkehrs auf die verschiedenen Verkehrskorridore bzw. Verkehrsträger nehme, so Transnet.

1,9 Millionen Euro für   einen Arbeitsplatz?

„Unzulässig“ sei außerdem der Vergleich möglicher positiver volkswirtschaftlicher Effekte einer Fehmarnbelt-Querung für das Jahr 2010 mit dem Entwicklungsstand des Fährverkehres des Jahres 1997, da bis dahin größere, schnellere und umweltfreundlichere Schiffe in den Dienst gestellt würden. „Ein realistischer Vergleich mit dem Fährverkehr des Jahres 2010 würde den volkswirtschaftlichen Nutzen jeder festen Querung weiter verkleinern“, so die Analyse.

Die Transnet-Gewerkschaft bezweifelt, dass die Brücke für ökonomische Impulse in der Region sorgen könnte. Eine Ansiedlung neuer, innovativer Gewerbe entlang der Transit-route sei höchstens in den Ballungsräumen Kopenhagen und Hamburg sowie in der Region Lübeck zu erwarten. „Auf den betroffenen dänischen Inseln Lolland und Falster weisen dänische Berechnungen insgesamt einen negativen Arbeitsplatzsaldo aus, während in der Region Kopenhagen neue Arbeitsplätze entstehen. Ein ähnliches Szenario ist auch für den Raum Ostholstein zu erwarten“, heißt es. Das liege vor allem daran, dass die große Entfernung der beiden dominierenden Zentren eine tatsächliche Integration zum Beispiel der Arbeitsmärkte in der Praxis aus- schließe. Und selbst die von einigen Gutachtern prognostizierten neuen Arbeitsplätze stünden in keinem Verhältnis zu der Höhe der dafür notwendigen Investitionen: „Bei sehr optimistischen Annahmen ergibt sich immerhin noch eine Subvention von 1,9 Millionen Euro pro erhofftem Arbeitsplatz.“

„Wir müssen als zukünftige Verkehrsdrehscheibe in Europa in der Lage sein, auf die vor uns stehenden Herausforderungen zu reagieren. Feste und betonierte Querungen können dabei zum Milliardengrab werden und kommende Verkehrsentwicklungen eher behindern als stärken“, heißt es abschließend.

Die Analyse der Transnet-Gewerkschaft greift viele Punkte auf, die das Aktionsbündnis gegen eine Beltquerung schon lange anmahnt. Nach einiger Zurückhaltung will es jetzt wieder den Angriff wagen. Auf der kommenden Mitgliederversammlung (11. April, 18.30 Uhr, „Palmencafé“ in Wulfen) sollen mögliche Aktivitäten oder Aktionen beraten werden.

Der Nabu-Bundesverband trifft sich am 17. April im IFA Ferien-Centrum nicht-öffentlich mit dem Scandlines-Betriebsrat. Auch hier soll es um Strategien gegen den Bau einer Beltquerung gehen.

Weiter bittet die Linkspartei Ostholstein zur Podiumsdiskussion zum Thema (14. April, 19 Uhr, „Meetz“ in Bannesdorf). Die fehmarnsche Politik ist jeweils geladen.

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