Gunnar Müller: „Es ist ein durchschnittliches Jahr, mit dem wir gut leben können“

Raps bereitet Kopfzerbrechen

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Der Raps steht noch auf einigen Schlägen, da die Abreife viel zu zögerlich erfolgte. Die Stängel sind teilweise noch grün.

Fehmarn – Von Andreas Höppner – Noch steht ein Teil des Weizens auf dem Halm, auch der Raps ist noch nicht in vollem Umfang abgedroschen, doch Fehmarns Bauernchef Gunnar Müller kann für die Insel schon ein erstes Erntefazit für 2019 ziehen: „Es ist ein durchschnittliches Jahr, mit dem wir gut leben können.“

Anfangs hätten die Landwirte sehr gute Dreschbedingungen gehabt. So startete die Ernte der Gerste etwa eine Woche früher als gewöhnlich, „doch jetzt verlieren wir den Vorsprung“, so Müller, der einen bangen Blick auf die Wetterkarte wirft und die nächste kleine Front auf Fehmarn zuziehen sieht. Der Bezirksvorsitzende des Bauernverbandes geht aber davon aus, dass bis Mitte der kommenden Woche das Thema Getreideernte vom Tisch ist. Im Ex- tremsommer 2018 war das Getreide bereits am 31. Juli komplett abgeerntet.

Das Besondere in diesem Jahr: Beim Landhandel wurden Ende Juli mit Gerste, Raps und Weizen gleich drei Anbaufrüchte parallel angeliefert. „Nicht einfach für den Landhandel, doch die Mitarbeiter haben es gut gemacht“, lobte Müller. Denn als die Ernte der Gerste in den letzten Zügen lag, starteten auch schon Weizen und Raps. Letzterer bereitet den Landwirten auch in diesem Jahr Kopfzerbrechen. Die Erträge bleiben bei einer breiten Streuung auf unterdurchschnittlichem Niveau von knapp 40 Doppelzentner pro Hektar (dz/ha) und liegen damit 20 bis 25 Prozent unter dem Höchstertrag. Es seien auch Schläge mit nur 30 dz/ha darunter. Die Probleme gibt es laut Müller seit dem Verbot der neonicotinoiden Saatgutbeizung vor fünf Jahren. „Die Pflanzen sind deutlich anfälliger, das Wurzelwerk ist nicht mehr so gut ausgebildet.“ In diesem Jahr habe der Raps zudem Schwierigkeiten gehabt, abzureifen. Sichtbares Zeichen: der grüne Stängel. Deshalb stehe der Raps immer noch auf einigen Schlägen.

Gunnar Müller, Bezirksvorsitzender des Kreisbauernverbandes.

Da die Probleme beim Raps offenbar nur schwerlich in den Griff zu bekommen sind, geht Fehmarns Bauernchef davon aus, dass die Anbaufläche von Raps weiter sinkt. „Wir sind auf dem Weg zu 20 Prozent.“ Derzeit steht die Ölfrucht auf etwa einem Viertel der Anbaufläche, es war schon einmal ein Drittel. Raps sei zwar wichtig für die Fruchtfolge, doch Müller schätzt, dass stattdessen noch etwas mehr Gerste und Ackerbohnen angebaut werden.

Hingegen sind die Erträge bei Weizen und Gerste durchaus als robust zu bezeichnen. Beide Getreidearten liegen laut Müller zwischen 95 und 110 dz/ha. Dabei sei es schon „bewundernswert, wie die Pflanzen zurechtgekommen sind“. Denn teilweise seien von der Bestellung bis zur Ernte nur 250 mm Niederschlag gefallen, berichtet Müller, der von „sehr guten Qualitäten“ (Dichte und Protein) des Korns spricht.

Für den Mais sieht es seiner Einschätzung nach ganz gut aus, wenngleich er in der jetzigen Phase auch Wasser benötige. Ab „Mitte September“ geht es vermutlich mit der Ernte los, früher als gewöhnlich. Doch daran müsse man sich wohl gewöhnen, meint Fehmarns oberster Landwirt. Ähnlich sieht es mit der Herbstbestellung aus, wenngleich hier alles um durchschnittlich eine Woche nach hinten verschoben wird, um die Pflanzen vor dem Winter nicht zu üppig werden zu lassen.

Müllers größter Wunsch für den Winter ist viel Niederschlag, damit sich die Wasservorräte im Boden nach zwei trockenen Jahren wieder auffüllen. Für die nächsten fünf Tage bräuchten Fehmarns Bauern aber möglichst wenig Regen, um dann den restlichen Raps und Weizen einfahren zu können.

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