Schwerer Raub und Erpressung: 26-Jähriger gesteht einzelne Vorwürfe / Opfer mit "Sache im Reinen"

Angeklagter zeigt Reue

Der Prozess wird in der Außenstelle des Landgerichts in der Nähe des Lübecker Flughafens verhandelt.
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Der Prozess wird in der Außenstelle des Landgerichts in der Nähe des Lübecker Flughafens verhandelt.

Lübeck –mb– Der zweite Prozesstag vor dem Landgericht Lübeck gegen zwei Männer (31 und 26 Jahre alt) wegen zweifacher schwerer räuberischer Erpressung auf Fehmarn und Drogenhandel in nicht geringer Menge auch in Heiligenhafen und andernorts begann mit der Verlesung einer Erklärung des jüngeren Angeklagten durch dessen Anwalt Arne Weller. Der Prozess begann vor einer Woche.

  • Prozess gegen zwei Angeklagte wegen schweren Raubes und Erpressung in Bannesdorf und Landkirchen auf Fehmarn.
  • 26-Jähriger stimmt einigen Anklagepunkten zu.
  • Verteidiger bezweifeln Glaubwürdigkeit eines Zeugen.

Er bereue sein Verhalten.

„Was ich angerichtet habe, tut mir wirklich sehr leid“

. Er bejahte den Umgang mit

Betäubungsmitteln

. „Vor meiner Verhaftung konsumierte ich erhebliche Mengen – neben

Marihuana auch gelegentlich Kokain

. Ich habe zeitweise in einer eigenen Welt gelebt.“ Für ihn liege es auf der Hand, „dass ich dringend einen

Lebenswandel

vollziehen muss“. Er werde bald Vater, habe zudem ein berufliches Standbein durch seine Familie. „Das will ich nicht gefährden.“Betäubungsmitteln. Der 26-Jährige gestand einzelne Vorwürfe aus der Anklageschrift ein, unter anderem den Verkauf von

700 Gramm Marihuana

in

Burgtiefe

und 50 Gramm an eine Person in Heiligenhafen.

„Um ihm eine Abreibung zu verpassen“

Auch die Beteiligung am Raub in Bannesdorf im Januar 2019 bejahte er, beschrieb das Opfer als günstige Bezugsquelle für Marihuana, jedoch im direkten Kontakt als unberechenbar und aggressiv. Eine Aussage, die gestern einer der vier Zeugen bestätigte: „Er hat mich und meine Familie bedroht.“ Dennoch: „Die Preise waren so gut, dass er für mich interessant blieb“, trug Weller für seinen Mandanten vor. Ein erstes Treffen, wohl drei Tage vor dem Raub, erfolgte an der Bushaltestelle Niendorfer Platz, bevor am 23. Januar 2019 das Geschäft eingefädelt werden sollte. Was zunächst aufgrund gegenseitiger Beleidigungen und erhöhter Preise beinahe eskalierte, lief dann vollends aus dem Ruder, als der 26-Jährige 15 Minuten später erneut mit zwei weiteren Personen vorstellig wurde, „um ihm eine Abreibung zu verpassen“, woraufhin das Opfer sofort ein Pfefferspray einsetzen wollte. „Er hatte sehr viel Kraft, wir mussten ihn mit seinen eigenen Waffen, wie Axt und Taser, im Zaum halten.“ Ja, er habe zugeschlagen und auch gefordert, die Drogengeschäfte einzustellen sowie 400 Gramm Marihuana mitgenommen.

„Ich bin mit der Sache im Reinen.“

Das 34-jährige Opfer war gestern ebenfalls im Zeugenstand und schilderte ein sehr drastisches Handeln der Angreifer, die ihn getreten, geschlagen, gefesselt und mit Axt, Messer sowie Pistole bedroht hätten und „immer mehr Geld und Gras gefordert haben“. Von den Angeklagten dachte er zunächst, sie wollen investieren und sich über seine „Connections informieren“. Im Nachhinein „ist das blauäugig gewesen“. Mittlerweile hege er aber keinen Groll mehr. „Ich bin mit der Sache im Reinen.“

Während der Befragung des Opfers durch die Strafverteidiger kam es erneut zu einem Scharmützel mit Gericht und Staatsanwaltschaft, nachdem der 34-Jährige unter anderem Verteidiger Weller aufforderte, „Fragen zur Sache zu stellen“. Weller: „Ich habe mir hier einen Monolog, der an eine Beschimpfung grenzt, anhören müssen – warum? Weil das Gericht es zugelassen hat.“ Die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz mahnte zur Ruhe.

Verteidiger versuchen Widersprüche aufzudecken

Das Opfer des zweiten Raubes vom 11. Mai 2019 in Landkirchen war gesternebenfalls im Zeugenstand und berichtete, wie es von den Angeklagten aus seinem Fahrzeug gezogen und bedroht wurde und zu Hause alles an Geld zusammenkratzen musste. Immer wieder versuchten beide Strafverteidiger Widersprüche in den Aussagen aufzudecken, wollten wissen, warum der Landkirchener nicht im Vorwege gefragt habe, was der Anlass für das Treffen sei, und warum er nicht unmittelbar die Polizei eingeschaltet habe? „Wir haben berechtige Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussagen“, sagte der Verteidiger des 31-Jährigen, Oleg Georgieff.

Am Montag (15. Juni) geht der Fall vor dem Landgericht mit weiteren Zeugen in die nächste Runde.

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