Für den Belttunnel: Zusammenlegung der Zuständigkeit der Ämter Kiel und Lübeck

Reederei Scandlines fordert Sicherheit und Verlässlichkeit

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Die Scandlines-Führung mit Søren Poulsgaard Jensen und Heiko Kähler im Gespräch mit den CDU-Bundestagsabgeordneten Ingo Gädechens und Norbert Brackmann (v.l.).

FEHMARN -hö- Sicherheit und Verlässlichkeit sind zwei Grundprinzipien, auf die das tägliche Geschäft der Reederei Scand-lines beim Betrieb ihrer Fährlinien aufgebaut sind. Während der Bauphase des Fehmarnbelttunnels sehen die Verantwortlichen der Reederei jedoch die Gefahr, diese Prinzipien nicht mehr einhalten zu können. Ihren Standpunkt erläuterten am Mittwoch Scandlines-Chef Søren Poulsgaard Jensen und Scandlines-Geschäftsführer Heiko Kähler dem Bundestagsabgeordneten Norbert Brackmann (CDU), Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft.

Brackmann versicherte, dass der Bundesregierung die Problematik bewusst sei. Als erste Maßnahme sei bereits entschieden worden, dass während der Bauphase die Zuständigkeiten der Wasser- und Schifffahrtsämter Kiel und Lübeck für den Fehmarnbelt zusammengelegt und in Travemünde konzentriert würden. „Das ist in Stein gemeißelt“, so Brackmann. Mehr aber noch nicht. Für Poulsgaard Jensen war es eine Neuigkeit, das habe er in dieser Deutlichkeit noch nicht gehört.

Das bedeute auf Behördenseite aber auch mehr Personal und die Ausweisung neuer Planstellen, spielte Brackmann den Ball des Handelns in Richtung des hiesigen Bundestagsabgeordneten Ingo Gädechens (CDU), der Mitglied des Haushaltsausschusses ist. Doch das ist alles noch ein wenig Zukunftsmusik.

Zielsetzung müsse es laut Brackmann eigentlich sein, sämtliche Entscheider in Travemünde sitzen zu haben. „Auge in Auge an einem Tisch“, das Prinzip habe sich bewährt, findet Brackmann. Das gelte auch für Femern A/S, das seine Bauzentrale in Rødby errichten wolle. Denn auf den Schiffsverkehr im Fehmarnbelt, einer der meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt, wird einiges zukommen. Es geht nicht nur um die Zigtausend Querpassagen jährlich, es sind laut Poulsgaard Jensen auch die kreuzenden 34000 Fährfahrten pro Jahr. Hinzukommen wird der Bauverkehr. „Eine große Herausforderung“, so Brackmann, der an langsam fahrende Bauschiffe mit „schwer zu manövrierenden Tunnelelementen“ erinnert.

Simulation und Ablauftraining

Mit einer organisatorischen Zusammenführung von Behörden und Entscheidern ist es noch lange nicht getan, weiß auch Brackmann. Die Durchführung einer Simulation zu den Einflüssen der Baumaßnahme auf den Schiffsverkehr sowie das Erarbeiten von Regelungsmechanismen stellen für ihn einen weiteren notwendigen Schritt dar. Anschließend müssten die involvierten Teams entsprechende Situationen und Abläufe trainieren. Erst dann könne man sagen, man habe im Vorwege alles Mögliche getan, um die Sicherheit des Schiffsverkehrs zu gewährleisten.

Neben der Sicherheit des Fährverkehrs habe die Reederei Scandlines aber auch ein originäres Interesse, die Verlässlichkeit des Fahrplans sicherzustellen, stellt Heiko Kähler fest. Das steht auch für Brackmann außer Frage. Er erinnerte daran, dass es beim Thema Verlässlichkeit auch darum gehe, dass Passagiere zuverlässig den Schienenverkehr beiderseits des Fehmarnbelts nutzen können. Das gelte gleichermaßen für den Schienenersatzverkehr während der Bauphase der Hinterlandanbindung, aber mittlerweile auch für die Linien, die Flixbus in Richtung Kopenhagen abdecke, ergänzte Ingo Gädechens.

„Es wäre ein Planungsfehler, wenn wir Lotterie spielen würden“, machte der maritime Koordinator der Bundesregierung sich stark für eine detaillierte Vorausplanung.

Brackmann räumte aber ein, dass Bundesregierung und Scandlines hinsichtlich der Zeitschiene einen unterschiedlichen Ansatz verfolgten. Während es für die Reederei keinen Aufschub duldet, sofort losgehen könnte und Søren Poulsgaard Jensen gerne „so schnell wie möglich ein Stück Papier“ in der Hand hätte, habe die Bundesregierung nach Worten Brackmanns einen anderen Ansatz gewählt. Ausgehend vom Ziel rechne die Bundesregierung auf der Zeitschiene rückwärts. Mit anderen Worten: Eile ist noch nicht geboten.

Trotz alledem sieht Søren Poulsgaard Jensen die Haltung der Bundesregierung positiv, „es ist ein Schritt nach vorn“.

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