Bauer Gunnar Müller Sahrensdorf Fehmarn
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Am Schneidewerk des Mähdreschers: Gunnar Müller ist Ackerbauer in Sahrensdorf und bewirtschaftet 190 Hektar landwirtschaftliche Fläche.

In Zukunft eine neue Landwirtschaft?

Acker ist mehr als eine Betonfläche

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Der Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft empfiehlt grundlegende Änderungen. Nur wie umsetzen? Mit mehr Geld ist es nicht getan, sagt Gunnar Müller, Bauer in Sahrensdorf auf Fehmarn.

  • Der Markt (und somit der Verbraucher) gibt die Richtung vor.
  • Konventionelle Landwirtschaft und ihre Innovationsfähigkeit nicht unterschätzen.
  • Staat muss in wissenschaftliche Ausbildung, Züchtung und Versuchswesen investieren.

Fehmarn – Weniger Pestizide auf dem Acker, weniger Fleisch auf dem Teller, höhere Lebensmittelpreise – und Subventionen, die sich stärker an der ökologischen Bewirtschaftung orientieren, statt der Größe der Anbaufläche. So soll die Landwirtschaft in Deutschland quasi auf links gedreht werden, wenn es nach den einvernehmlichen Empfehlungen des Abschlussberichtes der Zukunftskommission Landwirtschaft geht. Einerseits ein Gremium, besetzt mit Experten aus den Bereichen Handel, Industrie, Umweltschutz und Landwirtschaft, das ein klares Bekenntnis zur leistungsfähigen Landwirtschaft in Deutschland abgibt, andererseits bleiben Fragen: Wie lässt sich Landwirtschaft in Deutschland zukunftsfähig und nachhaltig gestalten, und wie wird Nachhaltigkeit zum Geschäftsmodell?

Die wahre Herausforderung ist die Umsetzung

Landwirt Gunnar Müller, Bezirksvorsitzender auf Fehmarn im Kreisbauernverband Ostholstein-Lübeck: „Ich bin begeistert, wie einträchtig die Kommission zu einem Ergebnis gekommen ist.“ Aber die Empfehlungen würden teilweise unkonkret bleiben und Spielraum in der Auslegung für die kommende Bundesregierung bieten. „Ein Grundkonsens ist gefunden. Die viel größere Herausforderung ist die Umsetzung“, so der 48-Jährige.

Der Markt muss es verlangen. Tut er es nicht, produzieren wir etwas, das nicht gebraucht wird.

Gunnar Müller

Also braucht es mehr Geld, um den Bauern bei der Umsetzung ordnungsrechtlicher Festlegungen im Sinne der gewollten Transformation unter die Arme zu greifen? Müller ist skeptisch, sieht zwar die Notwendigkeit für die Umschichtung der EU-Fördergelder für ökologische Maßnahmen, aber: „Der Markt muss es verlangen. Tut er es nicht, produzieren wir etwas, das nicht gebraucht wird.“

Keine übertriebenen Eingriffe in den Markt

Er sei ein Gegner übertriebener Eingriffe in den Markt, wie beispielsweise den Anteil des Ökolandbaus bis 2030 auf 25 Prozent politisch festzulegen. Die Atomenergie habe man abgeschafft, gleichzeitig würden sich viele Menschen mit Windrädern und Stromtrassen zum Transport der Energie schwertun. „Entscheidungen haben Konsequenzen – auch in der Landwirtschaft.“ Man könne nicht permanent durch Förderung Fehlsteuerung verursachen.

Vielmehr müsse der Staat massiv in die Forschung sowie die wissenschaftliche Ausbildung und Beratung von Landwirten investieren – ebenso in Züchtung und das Versuchswesen, zählt der Ackerbauer auf. „Wie können Pflanzen unter zukünftigen Bedingungen effektiv wachsen?“ Das würde auch Pflanzenschutzmittel einsparen, meint Müller.

Scharfe Abgrenzung ist problematisch

Man dürfe die konventionelle Landwirtschaft und ihre Innovationsfähigkeit nicht unterschätzen. Satellitengestützte Lenksysteme und Abschaltsysteme in der Düngerspritze, was man manuell niemals so effektiv hinbekomme, oder die Umstellung auf stabilisierte Dünger und mehr Fruchtfolgen. Auch die stets scharfe Abgrenzung zum Ökolandbau sei problematisch. „Sie haben eine parallele Existenzberechtigung und lernen längst voneinander“, sagt der Landwirt und zählt die Einbettung von Feldern in Landschaftselemente, den Einsatz von organischem Dünger oder mechanische Maßnahmen wie Striegeln auf.

Ich betreibe Landwirtschaft auf Grundlage der Gesetze und will nicht der Buhmann der Nation sein und für den Stimmfang vor Wahlen herhalten.

Gunnar Müller

Seinen Berufsstand sieht Müller in der aktuellen Diskussion in der Verantwortung: „Wir dürfen uns gesellschaftlichen Entwicklungen nicht verschließen.“ Allerdings müsse aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse entschieden werden, geht es dem Sahrensdorfer in der politischen Debatte stärker in Richtung Bauchgefühl. „Ich betreibe Landwirtschaft auf Grundlage der Gesetze und will nicht der Buhmann der Nation sein und für den Stimmfang vor Wahlen herhalten, zumal die vermeintlichen Gräben in den direkten Gesprächen gar nicht da sind“, so der Landwirt, für den oftmals der Eindruck entstehe, dass in Teilen der Bevölkerung „ein Bild vom Acker vorherrscht, das einer Betonfläche gleicht“.

Landwirt Gunnar Müller auf seinem Mähdrescher

Der Landwirt sieht an der Stelle den Verbraucher in der Pflicht. Mehr Menschen würden Ökolandbau fordern, als sich dies im Kaufverhalten abbilden lasse, wenngleich es zuallererst eine Aufgabe der Bildungspolitik sei, über die Produktion von Lebensmitteln aufzuklären, in den Lehrplan aufzunehmen, wie Landwirtschaft funktioniert, um Bewusstsein zu schaffen.

Mit Blick auf die Versorgung der Bevölkerung macht der Bauer eine einfache Rechnung auf: „Wenn wir ökologisch produzieren, produzieren wir auch weniger, verlieren Wertschöpfung ans Ausland und eine hochwertige Produktion mit hohen Arbeitsstandards bei uns. Das müssen wir uns leisten können.“ Nicht nur steige damit die Abhängigkeit vom Ausland, „es bringt nichts, wenn wir uns hier gut fühlen und die Produkte werden dann importiert“.

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