Pastor Dr. Martin Grahl zum Reformationstag / Inselweiter Gottesdienst in Landkirchen

Reformationstag ist jetzt ein Feiertag in Schleswig-Holstein

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Die barocke Kanzel der St.-Petri-Kirche in Landkirchen.

FEHMARN - Von Dr. Martin Grahl Nun ist der Reformationstag Feiertag in Schleswig-Holstein! Oder ist am Ende frei wegen Halloween? Kinder mögen das so sehen. Und es gibt tatsächlich auch einen Zusammenhang. Vor Jahrhunderten wurden auch im Lutherischen Holstein zum 1. November Gottesdienste gefeiert, dem Allerheiligenfest. Da gedachte man auch auf Fehmarn der Verstorbenen. Und am Abend zuvor hatten sich verschiedene Volksbräuche gebildet, zum „Allerheiligen Abend“ (All Hallow Eve). Keine bösen Geister sollten das Gedenken stören. So kamen manche dieser seltsamen Bräuche mit Auswanderern nach Amerika, und von dort in unseren Lebzeiten als Kinderspaß wieder zurück nach Europa.

Es war also kein Zufall, dass Martin Luther am 31. Oktober seine 95 Thesen veröffentlichte. Sein Inhalt betraf Ängste mittelalterlicher Menschen vor den vermeintlichen Strafen Gottes. Darum waren die Predigten zum 1. November, dem Allerheiligentag im Lutherischen Holstein dem Reformationsgedenken gewidmet. Der Verstorbenen gedachte man inzwischen davon gesondert am Letzten Sonntag des Kirchenjahres vor dem 1. Advent.

Pastor Dr. Martin Grahl hält im Rahmen des Gottesdienstes die Predigt.

Die Reformation hat Schleswig-Holstein und ganz Skandinavien in hohem Maß geprägt. Es ist gut, diesen Tag zu haben, um einen Blick auf die zurückliegende Geschichte unseres Landes zu werfen. Zur besonderen Perspektive dieses kirchlichen Feiertages gehört zudem zu bedenken, wie sehr religiöse Traditionen das öffentliche Leben bestimmen. Nicht nur die Ansprüche der Zehn Gebote prägen unser Miteinander. In unseren Städten und Dörfern stehen die alten Kirchen im Mittelpunkt und sind Zeugen des Glaubens und Denkens unserer Vorfahren. Der Reformationstag lehrt uns auch, dass in alten Quellen Kräfte und Motive für Neues liegen können. Kirche sei „semper reformanda“ – immer wieder neu zu reformieren. Das gilt auch für alle anderen gesellschaftlichen Ordnungen. Konservativ und progressiv müssen keine Gegensätze sein. Die Reformation erkannte zudem, dass Gnade und Güte wirksamer sind als Strafe und Härte. Vermeintlich einfachen Lösungen – zum Beispiel mit dem Ruf nach einer starken Hand – sollte man dagegen eher misstrauen.

Am 31. Oktober 2018 nun feiern wir unseren gemeinsamen Reformationsgottesdienst auf Fehmarn nicht mehr wie sonst abends nach der Arbeit, sondern vormittags um 10 Uhr in Landkirchen. Die barocke Kanzel dieser Kirche ist ein außergewöhnliches Kunstwerk mit etlichen Symbolen und Botschaften. Um sie wird es in der Predigt des ansonsten musikalisch reich gestalteten Gottesdienstes gehen.

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