Prokurist Uwe Hornung im Kaufhaus Stolz
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Das Kaufhaus Stolz ist gewappnet. Kommt am Sonnabend die 2-G-Regelung, sind die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gerüstet, mit der neuen Situation umzugehen. Auch Prokurist Uwe Hornung.

Einige Geschäftsinhaber sind bereits gewappnet

2-G-Regelung im Einzelhandel: „Besser so als ein Shutdown“

  • Nicole Rochell
    VonNicole Rochell
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Ab Sonnabend kommt die 2-G-Regel für den Einzelhandel in Schleswig-Holstein. Das FT hörte sich bei den Einzelhändlern auf Fehmarn einmal um.

  • Wettbewerbsverzerrung zugunsten der Discounter.
  • Kaufhaus kein Verbreiter und Multiplikator von Corona.
  • IHK Schleswig-Holstein kritisiert 2-G-Regel.

Fehmarn – Am Sonnabend kommt die 2-G-Regel für den Einzelhandel in Schleswig-Holstein. Personen, die nicht vollständig geimpft oder genesen sind, dürfen dann nur noch Geschäfte für den täglichen Bedarf betreten. Diese Regelung hatte Ministerpräsident Daniel Günther am Dienstag im Anschluss an die Bund-Länder-Konferenz mitgeteilt. 

Um was geht es da? Sind diese verschärften Maßnahmen tatsächlich ein geeignetes Instrument, die vierte Welle zu brechen und die Inzidenzzahlen möglichst klein zu halten? Oder handelt es sich bei der geplanten Maßnahme um einen Shutdown durch die Hintertür, der Onlineversandhändler umso mehr in die Karten spielt und den stationären Handel noch mehr schwächt? Oder um eine disziplinarische Maßnahme, die sich, auf dem Rücken des Einzelhandels ausgetragen, Druck aufbauend gegen Ungeimpfte richten soll? Und wo genau besteht, durch die Corona-Brille besehen, eigentlich der Unterschied zwischen einem Einzelhandelsgeschäft und einem Supermarkt? Fragten sich auch einige Einzelhändler von Fehmarn. Einmal ganz abgesehen von der Frage, wie die Umsetzung der Kontrolle ab Sonnabend eigentlich erfolgen soll. 

Bleibt nur zu hoffen, dass das mit dem jeweils vorhandenen Personal auch zu bewerkstelligen sein wird

Claus-Michael Rathjen, 2. Vorsitzender des Vereins Attraktive Burger Altstadt (ABA)

Zum Jubeln sei die Situation definitiv nicht. Aber immerhin sei die 2-G-Regelung besser, als ganz geschlossen zu haben“, so Claus-Michael Rathjen, 2. Vorsitzender des Vereins Attraktive Burger Altstadt (ABA). Ein Shutdown wäre die schlechteste aller Lösungen, sieht es Rathjen, der die Wettbewerbsverzerrung zugunsten der Discounter im Gespräch deutlich monierte. Warum sollte ein Discounter ohne Vorlage von Impfausweis oder Genesenen-Nachweis zu betreten sein und beispielsweise das Kaufhaus Stolz in der Innenstadt nicht, fragt er sich. Doch wenn die Maßnahme komme, müsse sie vom Einzelhandel auch umgesetzt werden. „Bleibt nur zu hoffen, dass das mit dem jeweils vorhandenen Personal auch zu bewerkstelligen sein wird“, so Claus-
Michael Rathjen.

Wir haben keine andere Wahl

Martin Stolz, Firmenchef der Kaufhaus Martin Stolz GmbH

„Wir haben keine andere Wahl“, so Martin Stolz, Firmenchef der Kaufhaus Martin Stolz GmbH. Dort ist man für Sonnabend gerüstet, wenn auch nicht begeistert über die sich abzeichnende Situation. „Es ist eben nicht leicht, in filialisierten Unternehmen mal eben rauf- und dann wieder runterzufahren“, so Martin Stolz, der ein Kaufhaus nicht als Verbreiter und Multiplikator von Corona sieht und es gelegentlich doch etwas merkwürdig findet, dass Lebensmittelgeschäfte manchmal anders als Einzelhandelsgeschäfte betrachtet werden.

Auch, wenn es in der derzeitigen herausfordernden Zeit grundsätzlich schwierig sei, Mitarbeiter in Lohn und Brot zu halten und möglichst nicht in Kurzarbeit zu schicken, sei diese erneute Verschärfung für den Einzelhandel immerhin noch besser als ein Shutdown. „Das wäre das Unerträglichste, was überhaupt durchzustehen wäre. Ein Shutdown wäre eine totale Katastrophe“, so Stolz gestern, der sich, sollte es zur kompletten Schließung kommen, dann auch klar positionieren werde. 

Ministerpräsident Daniel Günther bescheinigte er, in der Zeit der Pandemie „einen sehr guten Job“ gemacht zu haben, so Stolz, der appellierte, möglichst positiv mit der Sache umzugehen und das Beste aus der Situation zu machen.

Wie sieht es mit den Baumärkten aus? Das würde Kai Wetendorf, Geschäftsführer „team baucenter HZF Bauzentrum Fehmarn“ auch gern wissen. In der Industriestraße warten alle gespannt auf die neue Landesverordnung und hoffen, als Geschäft für den täg-
lichen Bedarf eingestuft zu werden. Proaktive Schritte sind bei HZF, dem Baumarkt mit Baustoffhandel, bereits eingeleitet. 

Lieber jetzt sagen: das müssen wir durch

Kai Wetendorf, Geschäftsführer team baucenter HZF Bauzentrum Fehmarn

Wenn ab Sonnabend erforderlich, werden Mitarbeiter am Eingang stehen, um sich entsprechende Ausweise zeigen zu lassen. „Darf ich mal Ihren Impfausweis oder Ihren Genesenen-Nachweis sehen?“ – Schwierige Zeiten für alle Beteiligten sieht Wetendorf auf sich zukommen und bittet seine Kunden, die er am Eingang um ein wenig Geduld bittet, um Verständnis, ins Kaufverhalten eingreifen zu müssen. Doch bevor es zum Shutdown komme – „dann sollten wir lieber jetzt sagen: da müssen wir durch“, so Kai Wetendorf.

Schon beim letzten Shutdown habe es keinen großen Einbruch gegeben, geht Geschäftsinhaber Marco Molles von Fernseh Molles relativ entspannt mit der sich abzeichnenden Situation um. Nicht nur den Bereich Einzelhandel, auch Handwerks- und Außendienstleistungen bediene das Unternehmen in der Breiten Straße, und oftmals sei das Molles-Team ohnehin beim Kunden vor Ort. Bei dringendem Bedarf werde vorher bei ihm angerufen, Waren könnten auch ausgeliefert werden. Und wer nicht geimpft sei – der müsse halt kreativ werden, meint Marco Molles. Entweder lasse er sich impfen, oder schicke jemanden, der seine Sachen für ihn aus dem Geschäft hole.

Warum also hören die Entscheider schon wieder nicht auf die eigenen Experten?

Björn Ipsen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schleswig-Holstein

„Wir können nachvollziehen, dass die Politik bei hohen Infektionszahlen nach weiterer Kontaktreduzierung strebt. Dass sie ausgerechnet eine 2-G-Regelung im Einzelhandel einführen will, führt bei unseren Betrieben jedoch auf absolutes Unverständnis“, so die IHK Schleswig-Holstein als Reaktion auf die jüngsten Beratungen von Bund und Ländern in aktueller Pressemitteilung. Die Branche spiele infektionstechnisch fast keine Rolle. Das Robert-Koch-Institut (RKI) habe zum Vorgehen im Herbst/Winter 2021 einen Stufenplan erarbeitet und konkrete Maßnahmen vorgeschlagen. „Im Vergleich zu vielen anderen Lebensbereichen rät das RKI im Einzelhandel aber lediglich zu moderaten Schritten. Warum also hören die Entscheider schon wieder nicht auf die eigenen Experten?“, kritisiert Björn Ipsen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schleswig-Holstein.

Mitten im Weihnachtsgeschäft und gezeichnet von den vorherigen Wellen, werde den Unternehmen jetzt ein wichtiges Kundensegment genommen. Hinzu komme die Frage, wer Millionen 2-G-Nachweise kontrollieren soll. Ausgerechnet den Handel mit weiteren Hürden zu belegen und Kundschaft aus den Innenstädten zu treiben, komme zur Unzeit. „Mit großer Anstrengung haben die Händlerinnen und Händler die Geschäfte in den letzten Monaten vital gehalten und das Infektionsrisiko minimiert. Diese Bemühungen werden erheblich erschwert, wenn man ihnen einen weiteren Teil des Weihnachtsgeschäfts raubt. Gerade in Schleswig-Holstein mit relativ niedrigen Inzidenzen wäre es verhältnismäßig gewesen, erst einmal die Wirkungen der vor einer Woche eingeführten 2-G- und 3-G-Regelungen auszuwerten“, so Ipsen

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