Traubenlese in Fehmarns einzigen Weinanbaugebiet / Vergrößerung in Planung

Reine und mühsame Handarbeit

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Der kreative Winzer Thomas Pinçon präsentiert die Grauburgundertraube im Weinanbaugebiet, das er gemeinsam mit Peter Joachim Witt bewirtschaftet.

Fehmarn –  Von Simone Walper Ein bisschen fühlt man sich an das Märchen „Aschenputtel“ erinnert, wenn man Thomas Pinçon zuschaut, wie er seine Reben sorgfältig ausliest und nur die guten in die Erntekiste legt. Die Traubenlese sei in der Tat reine und mühsame Handarbeit, weiß der Gastronom und Hobbywinzer – noch ist die Menge der geernteten Trauben nicht groß genug, um den daraus gewonnenen Wein in den Verkauf zu bringen und ein Geschäft daraus zu machen.

  • Tee gegen Mehltau
  • Vollmond zur Reifung genutzt
  • 100 Liter Wermut in drei Jahren
Mit seinem Kompagnon Peter Joachim Witt pflegt Pinçon seit einigen Jahren einen Hektar Weinanbaugebiet im Süden Fehmarns. Am vergangenen Wochenende haben sie mit einer Mannschaft von rund 15 Leuten mit der Traubenernte begonnen.

Zuerst waren die roten Trauben dran. Der Lohn ist ein edler Tropfen, dessen Trauben ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmittel biodynamisch angebaut werden. Die Pflanzen und Früchte würden nur mit Tee, beispielsweise Ackerschachtelhalm gegen Mehltau, besprüht, erklärt der Hamburger Gastronom und fährt fort, dass er in der Woche zuvor den Zuckergehalt der Grauburgundertraube gemessen habe, der jedoch noch zu wünschen übriggelassen habe.

„Wir haben dann die Woche mit dem Vollmond, also dem aufsteigenden Mond, noch abgewartet, und die Kraft, die von der Erde Richtung Mond gestiegen ist, hat die Trauben gestärkt. Jetzt sind sie reif“, erläutert er das Prinzip der Biodynamik unter Nutzung der Mondphasen. Ein weiterer wichtiger Punkt sei das Schneiden der Pflanzen, das beim konventionellen Weinanbau ganz normal sei. Im biodynamischen Anbau würden die Pflanzen nicht geschnitten, „damit sie ihre Kraft nicht ins Wachstum der Pflanze stecken. Wir lassen sie so lange wachsen, bis sie ausgewachsen sind, damit ihre Energie ganz den Trauben zur Verfügung steht.“

Rosenstrauch Indikator für Krankheiten

Das Gelände um die Weinstöcke ist hoch eingezäunt, um es vor

wilden Tieren

zu schützen. „Aber auch die Vögel fressen besonders die roten Trauben gern. Daher haben wir Netze über die Trauben gespannt“, erzählt Pinçon. Am Anfang jeder Weinstockreihe steht ein Rosenstrauch. Und das nicht nur, damit es hübsch aussieht. Die

Rosen

seien sozusagen Indikatoren für Krankheiten. „Wenn die Rose eine Krankheit bekommt, kann man davon ausgehen, dass die Reben sie auch bekommen“, erklärt er. So könne man direkt handeln, bevor auch die Reben befallen würden.

Insgesamt werden auf dem einen Hektar großen Gebiet zwölf Rebsorten angebaut, hauptsächlich Weißburgunder und Solaris. „Bei den vier Jahre alten Rebstöcken haben wir schon den vollen Ertrag“, lässt der Winzer wissen und ergänzt, dass die Ernte der drei Jahre alten Rebstöcke schon zu 100 Litern Wermut verarbeitet worden sei, die Ernte der zwei- und einjährigen Rebstöcke jedoch noch gar nicht zu nutzen sei. Der Ertrag sei generell noch nicht groß genug, um den Wein auf den Markt zu bringen. „Wir experimentieren noch ein bisschen. Wir machen verschiedene Gärungen und arbeiten mit verschiedenen Hefeanteilen. Einen Teil der Ernte – etwa 300 Liter – wollen wir in ein Eichenfass füllen, um zu schauen, wie es sich entwickelt“, freut sich der gebürtige Franzose, dessen zweite Heimat Fehmarn ist, über das völlig stressfreie Projekt, und ergänzt entspannt: „Unser Ziel ist es, dass wir in vier oder fünf Jahren soweit sind und das Produkt haben, das wir in den Verkauf geben können.“

Für 2021 sei geplant, die Anbaufläche auf zwei Hektar zu erweitern. Zwar müssen sich Weinliebhaber noch ein wenig gedulden, bis sie in den Genuss des Bioweins, der den Namen „Sund“ tragen soll, kommen werden, aber Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.

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