NABU-Erkenntnisse vom Land in Zwischenbericht bestätigt / Weitere Flächen gefunden

Riffe bedrohen Tunnelplanung

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Im typisch mythischen Ostseegrün: Riffe im Fehmarnbelt gefährden die Planung der Festen Beltquerung.

Fehmarn –mb– Gefährden mehrere Riffstrukturen den geplanten Bau der Festen Fehmarnbeltquerung? Nachdem der NABU bereits im September zwei Formationen vor Fehmarn nachgewiesen hatte, schaltete sich das Landesumweltministerium ein und untersucht seitdem ebenfalls den Meeresboden im Belt auf deutscher Seite

  • Land findet weitere Riffe entlang der geplanten Trasse
  • NABU fordert eine Neubewertung des ökologischen Schadens
  • Islandmuschel kann bis zu 500 Jahre alt werden, wenn sie nicht weggebaggert wird
Die Funde des NABU bestätigte das Land am Wochenende mit dem Verdacht, dass es wohl noch weitere Riffe gibt entlang der Trasse des geplanten Tunnels (wir berichteten), die naturschutzrechtlich relevant und bisher nicht in den Planungsunterlagen berücksichtigt sind. Der NABU bekräftigte daher am Donnerstag in einer Online-Pressekonferenz erneut seine Forderung aus dem letzten Jahr: „Der ökologische Schaden im Fall eines Tunnelbaus muss neu bewertet werden.“

Es ist kein Geheimnis, dass der NABU einen klaren Zielkonflikt zwischen Tunnelbau und Schutz der sensiblen Gebiete im Belt sieht. Entscheidend sei die Erheblichkeit der Beeinträchtigung, betonte Dr. Kim Detloff, Leiter Meeresschutz beim NABU. Die Vorhabenträger seien zu der Erkenntnis gekommen, dass das Gebiet einerseits nicht so sensibel sei und andererseits sich nach dem Bau schnell wieder regenerieren werde. „Wir haben das früh infrage gestellt“, erinnerte Detloff.

Besonders pikant: In der richtungsweisenden Umweltverträglichkeitsstudie in den Planungsunterlagen seien für einen wichtigen Bereich statt der 2013 erkannten Grobsedimente – und damit Steine – Feinsubstrate angegeben. Absolut unverständlich sei, dass das Gutachten von Femern A/S bis zu 1,5 Meter hohe Findlinge nicht gefunden habe, so Detloff, der es wie seine NABU-Kollegen kritisch sehe, dass Gutachter von den Planern des Vorhabens beauftragt werden. „Am Ende sind es drei Untersuchungen im selben Raum“, mahnteIngo Ludwichowski, Geschäftsführer des NABU in Schleswig-Holstein. An den Verzögerungen seien daher die Vorhabenträger schuld.

„Sie haben uns in allem recht gegeben“

Im Mai 2019 hatte der NABU seine eigenen Biotopkartierungen in Auftrag gegeben. Gefunden habe man artenreiche Riffe, „die in der Ostsee ihresgleichen suchen“, so der Meeresschutzexperte und sprach zudem von neun rifftypischen Arten, die die Experten der beauftragten Kieler Forschungstaucherfirma „Submaris“ gefunden hätten. Während der Tunnelplaner Femern A/S „entspannt blieb“ und die Ergebnisse hinterfragte, habe das Amt für Planfeststellung (APV) Amtshilfe beim Landesumweltministerium angefragt, mit der Bitte um Einschätzung der Erkenntnisse des NABU.

Nach Kamera- und Sonaruntersuchungen des Landes – eigene Taucherarbeiten sollen noch folgen – liegt dem NABU jetzt ein Zwischenbericht vor. „Ich habe selten von behördlicher Seite so viel Bestätigung erfahren in meiner Arbeit als Naturschützer wie in diesem Fall“, betont Detloff. „Sie haben uns in allem recht gegeben, was wir angezeigt haben“, fühlt sich der Meeresschützer bestätigt und zitiert aus dem Bericht: „Die Videoaufnahmen zeigen beeindruckende Bilder von Riffstrukturen.“ ZurVerdachtsfläche, östlich der geplanten Trasse, heißt es: Nach einem ersten Augenschein erfülle der Bereich mit einer hohen Steindichte und Grobsedimentvorkommen den FFH-Lebensraum-Typ Riffe.

In den Untersuchungen sei das Gebiet sogar noch erweitert worden, sodass man östlich von bis zu 2,5 und westlich der Trasse von bis zu 3,5 km2 großen Riffstrukturen sprechen kann. Darüber hinaus habe das Land eine weitere Fläche im Verdacht, die sich noch unmittelbarer im Trassenverlauf befinde, zitierte Detloff. Für ihn würden die gewonnenen Erkenntnisse das ganze Projekt infrage stellen.

Entsprechend leitete Ludwichowski klare Forderungen ab. So soll es eine neue, unabhängigeBiotopkartierung der gesamten Trasse geben, die in die Planungsunterlagen aufgenommen wird. „Es kann nicht sein, dass wir in zentralen Bereichen des Vorhabens in Unsicherheit schweben“, so der Landeschef. Damit verbunden bräuchte es eine Neubewertung des Umweltschadens und einen neuen Blick auf die Kompensationsmaßnahmen, wobei der NABU auf Realkompensation pocht. „Geld ersetzt keine Riffe“, so Ludwichowski. Die neuen Riff-Funde würden auch nahelegen, generell die Grenzen der vier bestehenden FFH-Gebiete zu überprüfen. Letztlich ruft der NABU das APV dazu auf, den Planfeststellungsbeschluss zu prüfen und in letzter Konsequenz aufzuheben.

Am Ende derPressekonferenz zeigte Detloff noch einen Videoausschnitt der Rifflandschaft, in denen unter anderem eine Islandmuschel zu sehen ist, „die bis zu 500 Jahre alt werden kann, wenn sie nicht weggebaggert wird“, so Detloff.

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