Würdiges Jubiläums-Revival-Festival zum 50. Jahrestag des Love & Peace-Festivals 1970

Was für ein Rockspektakel

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Die charismatische Maggie Mackenthun und ihre Band Kozmic Blue legten einen fulminanten Festivalauftakt hin.

Fehmarn – Von Simone Walper Am Sonnabendnachmittag kurz nach 16 Uhr in Strukkamp: Das 20. Revival-Festival in Erinnerung an das legendäre, wenn auch chaotische „Love & Peace“-Festival, das am ersten Septemberwochenende 1970 am Flügger Strand stattfand, startete.

  • Coronabedingt nur 300 Zuschauer zugelassen
  • Jimi Hendrix kam bei Kozmic Blue nicht zu kurz
  • Der Wettergott war gnädig
Man hätte fast meinen können, dass alles so wie in den vergangenen Jahren war. Aber coronabedingt war es das leider nicht. Anstatt der sonst ganz offenen großen Wiese konnte nur ein Teil genutzt werden. Es waren nur 300 Besucher zugelassen, und es gab für jeden einen Sitzplatz. Aber das tat der super Stimmung unter den Musikbegeisterten keinen Abbruch. Und Werner Feldmann, 1. Vorsitzender der Fehmarn Festival Group (FFG), war froh, dass das Jubiläumsfestival überhaupt in dem Rahmen stattfinden konnte und bedankte sich bei der Feuerwehr Süderort fürs Catering, beim DRK und allen Helfern, „ohne die das alles nicht zustande gekommen wäre.“ In seiner Begrüßung sagte er: „Wir wollten dann doch in Memoriam Jimi Hendrix etwas stattfinden lassen, was diesem Wahlspruch Love & Peace und auch der Musik gerecht wird. Wir wollen hier und heute Spaß und Freude haben.“

Und dann ging es los mit einer wahren Granate. Maggie Mackenthun kam mit ihrer Band Kozmic Blue auf die Bühne und zog die Festivalgemeinde schon mit ihrer kurzen Begrüßung in ihren Bann. 40 Konzerte seien im letzten halben Jahr abgesagt worden, so die Sängerin. „Wir sind so froh, hier zu sein. Es ist toll, dass die Festival Group es geschafft hat, das durchzuziehen und wir hier spielen dürfen.“ Selbstverständlich spielten sie und ihre Band auch eigene Werke, ließ sie wissen. Jedoch stünden beim Festival in Erinnerung an 1970 Jimi Hendrix und Janis Joplin im Vordergrund.

Eindrucksvoller Auftakt

Nach einem eindrucksvollen Auftakt mit Mundharmonika performte Maggie Mackenthun den Song „Buried Alive in the Blues“, den

Janis Joplin

selbst nicht mehr gesungen habe, wie sie erklärte. Die tragische Geschichte dahinter ließ sie nicht unerwähnt. Janis Joplins Band habe am Abend im Studio Feierabend machen wollen, und so sollte der Song am nächsten Tag eingespielt werden. Janis sei ins Hotel gegangen und habe dort auf ihren Freund Seth Morgan gewartet, der nicht gekommen sei. So habe sie sich einen Schuss gesetzt. „Das war ihr letzter“, so Mackenthun, die ergänzte: „Am nächsten Morgen sollte sie im Studio die Nummer einsingen. Sie kam nicht. Ihr Manager fuhr ins Hotel und fand sie tot auf dem Boden liegend.“ Janis Joplin starb am 4. Oktober 1970 nur 16 Tage nach Jimi Hendrix, ebenfalls im Alter von 27 Jahren.

Man erfuhr zwischen den großartig interpretierten Songs, darunter „Can’t Turn You Loose“ und „Piece of My Heart“ so einiges Wissenswertes über Janis Joplin, ihr Leben und ihren Tod. So zum Beispiel, dass sie auch mal längere Beziehungen hatte, wie die mit Sänger und Schauspieler Kris Kristofferson, die ganze drei Wochen gedauert habe. „Drei Wochen nur Sex und Tequila. Auch ‚The great Tequila Party‘ genannt“, so die Cover-Sängerin. Selbstverständlich gab sie auch den Song, den Kristofferson in dieser Zeit geschrieben hat, zum Besten.

Aber auch Jimi Hendrix kam bei Kozmic Blue nicht zu kurz. Maggie Mackenthun verriet, dass sie selbst Hendrix-Fan sei, aber damals beim großen Konzert auf Fehmarn noch zu jung gewesen sei, um dabei zu sein.

„Toll, dass einige hier sind, die damals dabei waren,“ rief sie in die Menge. Dann kündigte sie den ersten Hendrix-Song an: „,Angel‘. Wir hoffen, dass er seinen Engel gefunden hat und er ihn immer begleitet.“ Es folgten weitere Songs von Jimi Hendrix, darunter „Excuse Me while I Kiss this Guy“.

Nach einer Zugabe entließ eine jubelnde Menge Maggie Mackenthun und ihre Band, deren Name sich übrigens nur in einem Buchstaben von Janis Joplins Kozmic Blues Band unterscheidet, mit Standing Ovations.

Maggie Mackenthun hatte die Festivalgemeinde in Strukkamp mit ihrem an Janis Joplin erinnernden Aufzug und besonders durch ihre charismatische, rauchige Stimme, die der Janis Joplins sehr ähnlich ist, restlos überzeugt.

Joost de Lange Band nahm das Publikum mit auf eine rockige Reise.

Nach auf einer Leinwand präsentierten Grußbotschaften von Ray Dorset, der 1970 mit Mungo Jerry auf dem „Love & Peace“- Festival auftrat, und Walter Westrupp, der gemeinsam mit Bernd Witthüser als Liedermacher-Duo Witthüser & Westrupp beim Festival damals die Gäste wegen des schlechten Wetters und der daraus resultierenden Band-Absagen bei Laune halten musste, kam Joost de Lange mit seiner Band aus den Niederlanden angefahren und ließ es richtig krachen mit Songs vom neuen Album wie „Lonesome Wolf“ und „Drifting Away“, aber auch alten Songs, unter anderem von Jimi Hendrix und Rory Gallagher. Nach einer guten Stunde mit Zugabe verabschiedete sich Joost de Lange, der bereits beim Fehmarn Open Air 2018 mit Meiselgeier auf der Bühne stand – er war für ein erkranktes Bandmitglied eingesprungen –, vom begeisterten Publikum.

Letzter Act des Jubiläumsfestivals war Jimmy Cornett and The Deadmen aus Hamburg, die die Festivalgemeinde durch die Abenddämmerung in die Nacht begleiteten. Mit eigenen Songs wie „I’m Feeling like a Rolling Stone on the Highway“ lud er das Publikum ein, mitzusingen. Viele standen, sangen, klatschten und rockten mit. Ein bisschen magisch schien es fast schon, als Jimmy Cornett ruhigere Töne in amerikanischer Singer-Songwriter-Manier anschlug.

Aber auch Klassiker wie „Black Betty“ fehlten nicht.

Der Wettergott war gnädig, und so gab es nur ein paar kleine Regentropfen im Laufe des Nachmittags und Abends. Kein Vergleich also zu dem stürmischen und verregneten Sonnabend, 5. September 1970, an dem sich Jimi Hendrix vor ganz genau 50 Jahren geweigert hatte, aufzutreten.

Das hatte er sich dann lieber für Sonntag, 6. September 1970 um 12.56 Uhr aufgespart, als er die Bühne bei schönstem Sonnenschein betrat.

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