Pro-Beltquerungs-Abend: Unternehmensverband verspricht sich wirtschaftlichen Aufschwung

Rohwer warnt: "Eine Region, die sich gegen eine Sache stellt..."

Prof. Dr. Bernd Rohwer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, warb gestern Abend für eine Feste Beltquerung.

Von Heiko WittOLDENBURG • Auf die Insel Fehmarn hatten sich Unternehmensverband und Industrie- und Handelskammer mit ihrer pro-Beltquerungs-Veranstaltung noch nicht getraut.

Sie rührten gestern Abend im Oldenburger Gewerbezentrum kräftig die Werbetrommel für eine Deutschland und Dänemark verbindende Brücke und trugen ihren zahlreich erschienenen Mitgliedern die Argumente vor. Ganz klar: Beide Verbände gehen davon aus, dass mit dem Projekt die Region einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben würde.

Es sei überhaupt nicht einzusehen, dass Bundesverkehrsminister Tiefensee die Fehmarnbeltquerung als Alternative zur Elbquerung im Zuge der A 20 ins Spiel bringe, sagte der Vorsitzende des Unternehmensverbandes Ostholstein-Plön, Hans-Peter Wandhoff, in seiner Ansprache. „Beide Verkehrsprojekte sind enorm wichtig für die Verbesserung der Infrastruktur des gesamten Raumes von den Niederlanden über Norddeutschland bis in den Ostseebereich.“ Titel des Informationsforums: „Brücken bauen – für die Zukunft“.

Es gebe bereits viele Studien, so Wandhoff weiter, auch die Öffentlichkeit habe die Gelegenheit bekommen, sich an dem Umweltkonsultationsverfahren der Verkehrsministerien Deutschlands und Dänemarks zu beteiligen. Die Studie habe ergeben, dass es für die Entwicklung der Region von ausschlaggebender Bedeutung sein werde, ob die Querung komme oder nicht. „Wir vom Unternehmensverband sehen vor allem die positiven Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und den gesamten Arbeitsmarkt.“

Wandhoff gab erneut das Beispiel, er nannte es diesmal aber selbst „überspitzt“, von den Fremdenverkehrsführern, die auf Birkenstocksandalen den Touristen ein verarmtes Naturreservat zeigen könnten, wenn es keine wirtschaftliche Entwicklung gebe. Deutschland müsse die Gunst der Stunde nutzen, in der es die EU-Ratspräsidentschaft und den Vorsitz der G8-Staaten inne hätte.

Allersted: „Dänemark würde die Brücke auch allein finanzieren“

Tom Allersted, Projektleiter der Femern Bælt A/S berichtete über Erfahrungen mit den dänischen Brückenprojekten Størebælt und Øresund. Vor allem machte er deutlich, dass die dänische Seite auf den Bau der Beltbrücke dränge. Er könne sich sogar vorstellen, dass Dänemark das fünf-Milliarden-Euro-Projekt selbst finanziere, wenn Deutschland widerwillig bleibe. „Doch das geht ja nicht, wir sind ja Partner“, sagte Allersted.

Schon als Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein und auch jetzt als Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Lübeck ist Prof. Dr. Bernd Rohwer ein Verfechter der Beltbrücke. „Warum soll ein solches Projekt rein privat finanziert werden? Alle können davon profitieren, wenn es richtig gemacht wird“, sagte er gestern Abend und fügte hinzu: „Das Staatsgarantiemodell ist das einzig mögliche, alles andere können Sie vergessen.“

Man müsse allerdings die Risiken fair verteilen. Es bleibe das Risiko des Steuerzahlers, dass die prognostizierten Verkehre nicht erreicht werden könnten. Die Verkehrswerte seien allerdings äußerst vorsichtig angesetzt. Das private Konsortium müsse sich „mit einem gewissen Prozentsatz“ an diesem Risiko beteiligen, forderte selbst Rohwer. Die spätere Sanierung der Brücke nach Rückgabe an den Staat müsse hinsichtlich der Kosten vertraglich geregelt werden.

Hans-Peter Wandhoff und Bernd Rohwer betonten, dass die Regierungen schnell sein sollten, um die in Aussicht gestellten EU-Fördermittel zu bekommen. Aus deutscher Sicht, so Rohwer, „wäre es gut, so schnell wie möglich die Anteile an der Reederei Scandlines zu verkaufen“.

Bernd Rohwer stand schon einige Male auf Fehmarn und einmal in Berlin den Beltquerungsgegnern direkt gegen-über.  Stehe eine Region nicht einvernehmlich hinter einem Projekt,  könne es zwar nicht verhindert, wohl aber verzögert werden, so seine Befürchtung gestern Abend. Doch er richtete eine Warnung an die Querungsgegner: „Eine Region, die sich gegen eine Sache stellt, wird es nicht leichter haben, dafür etwas zu bekommen“, sprach er die geforderten Kompensationsmaßnahmen an.

„Eine Verweigerungshaltung macht keinen Sinn“, hatte Uwe Matthiensen von der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein Rohwers Worte längst verinnerlicht. Doch er warte auf die Entscheidung der Regierungen. Es würden auf beiden Seiten 1800 Bauarbeiter gebraucht. Gern würde er Arbeitslose aus Ostholstein qualifizieren. „Doch wenn wir jetzt schon anfangen, qualifizieren wir vielleicht die falsche Bauarbeitergeneration.“

Sorge um die Arbeitsplätze auf den Fähren

Während der Diskussion gab es aber auch Stimmen, die davon ausgingen, dass die Entscheidung nun bald komme. Mehrere Fehmaraner, selbst wenn sie Befürworter der Brücke sind, ließen es sich nicht nehmen, auf die notwendigen Kompensationen zu drängen. Man müsse die Sorgen der Arbeitnehmer auf den Fähren ernst nehmen, das könne man nicht wegwischen, meinte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Matthias Witt. Er sei dennoch ein Befürworter der Beltquerung, weil er sie als zukunftsträchtig für die Region sehe. „Ich habe das Gefühl, wir sind dichter dran an der Beltquerung, als wir denken“, sagte er.

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