Thomas Rau mit der Bronzemedaille
+
Bei seiner dritten Paralympic-Teilnahme gewann Fehmarns Behindertensportler Thomas Rau an der Seite von Björn Schnake Bronze im Tischtennis im Teamwettbewerb. Seine Eindrücke von Tokio schilderte Rau dem FT.

Fehmaraner gewinnt Bronze im Tischtennis

Rückblick auf die Paralympics: Mit dem Taxi zur Siegerehrung

  • Lars Braesch
    VonLars Braesch
    schließen

Fehmarns Behindertensportler Thomas Rau blickt auf die Paralympics zurück. Bei seiner dritten Teilnahme gewann der Tischtennisspieler im Teamwettbewerb an der Seite von Björn Schnake Bronze.

  • Dorf durfte nur zum Training und zu den Wettkämpfen verlassen werden.
  • Autonom fahrende Busse im Dorf.
  • Trainingspause bis Mitte Oktober.

Fehmarn/Köln – Mit dem Gewinn der Bronzemedaille im Teamwettbewerb an der Seite von Björn Schnake ist Thomas Rau von den Paralympics nach Deutschland zurückgekehrt. Urlaub war für den Fehmaraner nach Tokio erst einmal nicht angesagt. Pünktlich um 8 Uhr musste Rau seinen Dienst im Hauptzollamt Köln antreten, nachdem der Tischtennisspieler um 1 Uhr zu Hause war. „Das Ganze war ein bisschen anstrengend“, berichtete der 37-Jährige. Seine Eindrücke bei seiner dritten Paralympic-Teilnahme hat Rau dem FT geschildert. 

Wenn man aus der Unterkunft vor die Haustür ging, sah es aus wie im Gefängnis

Thomas Rau

„Wenn man aus der Unterkunft vor die Haustür ging, sah es aus wie im Gefängnis“, so Rau. Im paralympischen Dorf habe es keine Pflanzen und Blumen gegeben. Ein grüner Rasen sei aufgemalt gewesen. 

Der Transport zwischen dem Dorf und der Wettkampfstätte Tõkyõ Taiikukan („Sporthalle der Präfektur Tokio“) habe nicht so gut funktioniert. „Wir mussten vor dem Training oder dem Wettkampf eineinhalb Stunden vorher in der Halle sein“, schilderte Rau. Im Halbfinale klappte der Shuttle-Service überhaupt nicht. „Wir sollten um 11 Uhr in der Halle sein, obwohl wir erst um 17 Uhr gespielt haben. Wir sind dann um 15 Uhr mit dem Wagen des International-Paralympic-Table-Tennis-Committee-Präsidenten persönlich zur Halle gefahren worden“, erklärte Rau weiter. Zur Siegerehrung ging es in einem vom Bundestrainer Volker Ziegler eigens besorgten Taxi. 

Wegen der Corona-Pandemie durfte das Dorf nur zum Training und zu den Wettkämpfen verlassen werden. Öffentliche Verkehrsmittel waren tabu. Das war natürlich schade. Die spartanischen Unterkünfte hingegen störten Thomas Rau weniger. „Wir waren in Tokio, um unseren Sport auszuüben, nicht um Luxusurlaub zu machen“, sagte Rau über die Einrichtung. Deshalb sah er auch darüber hinweg, dass das Essen nicht so hervorragend wie in London oder in Rio gewesen sei.  

Japaner winkten den Bussen zu

Ansonsten war für Rau alles in Ordnung in der japanischen Hauptstadt. „Die Leute waren nett. Sobald die Paralympic-Busse erkannt worden sind, haben die Japaner angefangen zu winken“, schilderte Rau seinen Eindruck von der Fahrt durch Tokio. Auch, wenn er nicht so recht wusste, ob die Menschen fröhlich winkten, weil sie nett waren – oder weil sie nett sein mussten. So habe ein Japaner zwei Wochen lang vor dem olympischen Dorf Plakate hochgehalten. „So viel Zeit kann man als Normalsterblicher gar nicht haben“, wunderte sich Rau. 

Und nichts gehe in Tokio ohne Rücksprache. „Wenn man mal eine Frage gehabt hatte, musste zunächst immer telefoniert werden“, berichtete der 37-Jährige weiter.  

Im Dorf habe es autonom fahrende Busse gegeben. „Ein Blinder wurde mit sehr geringer Geschwindigkeit angefahren“, berichtete Rau. Daraufhin habe es für zwei Tage keinen Shuttle-Verkehr im Dorf gegeben. „Danach musste der Japaner, der geschaut hat, ob der Bus richtig fährt, den Shuttle selbst fahren“, so der Tischtennisspieler.

Noch nie gegen Thainiyom gewonnen

Das erste Match im Einzel in der Gruppenphase hatte der Fehmaraner klar mit 0:3 (8:11, 3:11, 8:11) gegen den Thailänder Rungroj Thainiyom verloren. Für Rau war es die zehnte Niederlage gegen Thaniyom. Noch nie konnte der Deutsche gegen den Thailänder gewinnen. „Die Halle war super“, meint Rau über die Wettkampfstätte. „Leider waren keine Zuschauer zugelassen, dennoch gab es eine große Einlaufshow.“ 

Das zweite Gruppenspiel in der Gruppe C gegen Haris Eminovic (Bosnien-Herzegowina) gewann Rau mit 3:0 (11:6, 11:5, 11:5) sehr deutlich. In 19 Minuten fegte der Fehmaraner seinen Gegner von der Platte. Mit Platz zwei in der Gruppe war der Achtelfinaleinzug perfekt. 

Mit dem späteren Paralympicsieger in der Wettkampfklasse 6, Ian Seidenfeld, habe es schon in der Gruppenphase Stress gegeben, schildert Rau. Um kurze Aufschläge annehmen zu können, habe Seidenfeld in seinem letzten Gruppenspiel gegen den Italiener Matteo Parenzan mit einer Verlängerung gespielt. Diese sei bei Turnierbeginn von der Oberschiedsrichterin genehmigt worden. „Zehn bis fünfzehn Sekunden dauert es, bis er die Verlängerung angebracht hatte“, schilderte Rau. Den ersten Satz hatte der Deutsche mit 12:10 gegen den US-Amerikaner gewonnen. Die nächsten beiden Sätze gingen mit 10:12 und 4:11 an Seidenfeld. Im vierten Satz beim Stand von 5:5 holte Seidenfeld plötzlich seine Verlängerung aus dem Rucksack. Co-Trainer Michael Fuchs ließ die Oberschiedsrichterin kommen.

Die Schläger werden vor den Matches genauestens kontrolliert

Thomas Rau

„Die Schläger werden vor den Matches genauestens kontrolliert. Das ist so, als würde ich mit einem völlig neuen Schläger spielen“, erklärte Rau. Es sei minutenlang diskutiert worden, was dann den Deutschen völlig rausbrachte. Somit ging der vierte Satz mit 9:11 an Seidenfeld. Das Match dauerte aufgrund der Diskussion satte 41 Minuten. Im weiteren Turnierverlauf habe Seidenfeld die Verlängerung nicht mehr eingesetzt.  

Im Teamwettbewerb gab es ein Wiedersehen mit Rungroj Thainiyom. Für Thailand ging Thaniyom gemeinsam mit Chalermpong Punpoo an die Platte. Das deutsche Team mit Rau und Björn Schnake stellte taktisch auf und setzte Rau an Position eins. Somit traf Rau nicht auf Thainiyom, da dieser bei den Thailändern an Nummer zwei gesetzt war. 

Das Doppel ging mit 1:3 (5:11, 4:11, 11:5, 9:11) verloren. Mit einem 3:2-Sieg (14:16, 11:8, 3:11, 11:3, 12:10) gegen glich Rau gegen Punpoo zum 1:1 aus. Im fünften Satz beim Stand von 10:10 holte sich Rau mit einem Rückhand-Flip einen Matchball. Nach 43 Minuten Spielzeit siegte der Deutsche mit 12:10. Mit einem klaren 3:0 (11:7, 11:7, 12:19)-Erfolg über Thainiyom machte Schnake den Halbfinaleinzug perfekt. Da der Tischtenniswettbewerb nach den Paralympics in Rio reformiert wurde, hatten die Deutschen Bronze sicher, da das Spiel um Platz drei nicht mehr ausgetragen wird, sondern die unterlegenen Halbfinalisten allesamt eine Bronzemedaille erhalten. 

Im Halbfinale setzte es eine klare 0:2-Niederlage gegen China. „Die Chinesen sind das stärkste Team und am beweglichsten“, erklärte Rau. Das Doppel gegen Shuo Yan (Paralympic-Sieger im Einzel in der Wettkampfklasse 7) und Keli Liao ging mit 1:3 (5:11, 4:11, 11:7, 11:8) verloren. Danach verlor Rau glatt mit 0:3 (4:11, 7:11, 3:11) gegen Yan. 

Mit „Oh wie ist das schön“ wurden Rau/Schnake nach der Siegerehrung am Deutschen Haus innerhalb des paralympischen Dorfes empfangen. 

Bislang gibt es noch keinen Ausrichter für die Weltmeisterschaften im kommenden Jahr. „Ich lege deshalb bis Mitte Oktober eine Trainingspause ein“, erklärte Rau abschließend.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.