Am Montag fällt das touristische Verbot für Fehmarn / „Brauchen Willkommenskultur“

Rückkehr zur neuen Normalität

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Noch dicht: Ab Montag soll wieder Leben an die Strände Fehmarns einkehren. Wie der Aufenthalt am Wasser in Zeiten von Corona geregelt sein wird, ist noch nicht abschließend geklärt

Fehmarn –mb– „Wir sind in freudiger Erwartung“, sagt Fehmarns Tourismusdirektor Oliver Behncke mit Blick auf den 18. Mai. Ab Montag werden in Schleswig-Holstein neue Öffnungsmaßnahmen umgesetzt, sodass Beherbergungsbetriebe und Gastronomie wieder öffnen können. Behncke sei bewusst, dass es „zwei Meinungen“ gebe, ob Lockerung zum jetzigen Zeitpunkt bereits vertretbar seien. Aber: „Ich stehe für den Tourismus auf Fehmarn, dafür werde ich bezahlt.“ Dazu gehöre auch die Belebung der Wirtschaft.

„Denn jeder Euro, der nicht hier verdient wird, der wird im Zweifel woanders verdient“, so der Touristiker gegenüber dem FT.

25 Millionen Euro Minus bei Übernachtungen

Behncke schätzt, dass nur der Verlust aus dem Übernachtungstourismus auf Fehmarn – ohne Zweitwohnungen, Camping und Tagestouristen – seit Mitte März mittlerweile gut und gerne 25 Millionen Euro beträgt. Der oberste Touristiker der Insel kann sich noch gut an das Wochenende vom 15. März erinnern, „als sich die Lage zuspitzte“. Als es dann hieß, Fehmarn wird gesperrt, „waren wir noch ungläubig. Das mussten wir erst mal verdauen.“ Auch wenn die touristische Seite schnell hinter den Aspekt der Gesundheit gerückt sei, blieb stets die Sorge, wie lange würden die vom Tourismus lebenden Betriebe am Ende durchhalten.

Quasi jeden Moment hofft der Tourismusdirektor auf eine Anpassung der noch bis zum 17. Mai gültigen Landesverordnung. In dieser Zeit gilt für Fehmarn weiterhin die Sonderregelung des touristischen Betretungsverbotes. „Viele Detailfragen sind noch offen, ob beispielsweise für Gastronomen oder auchStrandkorbbetreiber.“ Auch für die Bewegungen am Strand, beziehungsweise deren Reglementierungen, müssten infolgedessen vor Ort noch Konzepte erarbeitet werden – und zwar finanziell und mit vorhandenem Personal stemmbar. „Es muss auch klar geregelt werden, welche Handhabe ein Kontrolleur bei der Überprüfung der Vorgaben am Strand oder der Promenade hat“, so Behncke. Hier bräuchte es Rechtssicherheit für die Akteure vor Ort.

Ein Gespräch mit dem DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband), dem IFA Hotel & Ferienzentrum und den Fremdenverkehrsvereinen der Insel hatte am Freitag stattgefunden, um sich hinsichtlich Hygienekonzepten abzustimmen. Der DEHOGA hatte für die Hotellerie bereits vorgearbeitet ebenso die Ferienhofbetreiber in Eigenregie (wir berichteten). Für die größtenteils privat organisierten Vermieter „haben wir anhand der Empfehlungen des Deutschen Tourismusverbandes ein Muster erarbeitet an Schutz- und Hygienemaßnahmen für die privaten Kleinvermieter“, so Behncke. Ein solches Konzept muss bei einer behördlichen Kontrolle vorgelegt werden.

Verständnis hat Oliver Behncke für die Befürchtungen der Fehmaraner. „Wir sind der Krisen-Primus in Schleswig-Holstein.“ Es bestehe eine berechtigte Gefahr, dass die Zahlen steigen könnten. „Das Wichtigste ist, dass wir uns regelkonform verhalten.“

Keinesfalls dürfe jedoch der Eindruck aufkommen, dass Gäste bei uns nicht willkommen seien, so Behncke, der vor allem die sozialen Medien im Auge hat. „Dort gibt es viele unsachliche Anmerkungen, die ich nicht verstehen kann“, so der Touristiker, schließlich lebe Fehmarn zu 70 Prozent von seinen Gästen. Durch das Marketing des Tourismus-Service Fehmarn betreibe man daher gewissermaßen „Aufklärungsarbeit“, um Ängste und Bedenken zu entkräften. Für Behncke steht fest: „Wir brauchen eine Willkommenskultur – mehr denn je.“

Plakatierungen sollen am Wochenende beginnen

Als ersten Schritt haben Politik und Verwaltung abgestimmt, am Wochenende zu plakatieren mit wiederkehrenden Aufforderungen, sich an Hygiene- und Abstandsregeln zu halten, so Bürgermeister Jörg Weber und rechnet mit einer neuen Landesverordnung erst am Sonnabend durch einen Landtagsbeschluss. „Vorher haben wir keine definitive, rechtsgültige Handhabe“, so Weber. Der Kreis Ostholstein werde dann am Sonntag eine entsprechende Allgemeinverfügung herausgeben, die dann am Montag umzusetzen sei, fühlt sich Weber an das Prozedere der letzten Male erinnert.

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